Bad Königshofen im Grabfeld
Schoko-Nikolaus

Bad Königshofen: Nikolaus mit Mundschutz - Konditor wird für Corona-Idee angefeindet - "wünschen uns die Pleite"

Ein Konditor aus Unterfranken verkauft Schokoladen-Nikoläuse mit Corona-Mundschutz. Nicht jeder findet das witzig. Im Internet sorgt die Idee für teils heftige Diskussionen.
Das Produkt eines Konditors aus Bad Königshofen spaltet gerade die Facebook-Community. Im Fokus: Schokoladen-Nikoläuse mit Mund-Nase-Bedeckung. Foto: Café Heintz / Café Häcker's

Fränkische Konditorei reagiert auf Corona-Krise: Café bietet Schokoladen-Nikoläuse mit Mundschutz an. Origineller Gag oder geschmacklose Aktion? Die Süßwaren eines Konditors aus dem unterfränkischen Bad Königshofen im Grabfeld (Landkreis Rhön-Grabfeld) spalten gerade die Facebook-Community. Im Zentrum des Geschehens: Schoko-Nikoläuse mit Mund-Nase-Bedeckung.

Das Thema Corona sorgt im Ausnahmejahr 2020 immer wieder für Diskussion - insbesondere in den sozialen Netzwerken. So auch im vorliegenden Fall. "Die Reaktionen sind bunt gemischt", sagt Herbert Häcker, Inhaber des Café Heintz, inFranken.de. Die einen werfen dem Konditor Instrumentalisierung vor. "Manche schreiben, ich bin ein Arschkriecher der Politik. Ich hätte eine Gehirnwäsche gehabt - und lauter so Zeug", berichtet Häcker. "Oder sie schreiben, dass sie das zum Kotzen finden und uns die Pleite wünschen." Andere sind von dem Corona-Nikolaus jedoch begeistert: "Das ist eine kreative und witzige Idee, die genau in unsere Zeit passt."

Schokoladen-Nikolaus mit Mundschutz erntet Shitstorm

Die genauen Beweggründe für die Anfeindung kennt der Konditor nicht. "Ich weiß nicht, ob das Corona-Leugner sind." Ein Foto der Mundschutz-Nikoläuse hat das Café Heintz schon vor über einer Woche auf seine Facebook-Seite gestellt. Die Debatte im Netz hat aber erst am Samstag (14. November 2020) richtig Fahrt aufgenommen. "Zunächst hat sich dafür niemand interessiert - bis zu diesem Wochenende."

Bis zum Mittwochabend (18. November 2020) waren unter dem Post der Konditorei mehr als 1900 Kommentare zu lesen. Häcker vermutet, dass sein Nikolaus-Post in einer entsprechenden Facebook-Gruppe geteilt worden ist. Denn auf einmal erntete die Konditorei mit ihrem Beitrag einen regelrechten Shitstorm. "Das ging richtig heftig zur Sache", sagt Häcker. 

So schreibt ein Facebook-Nutzer etwa unter den Post mit den abgebildeten Mundschutz-Nikoläusen: "Unsere Kinder haben es schon schwer genug. So ein Müll brauchen sie nicht!!!" Ein anderer hält fest: "Das geht gar nicht. Es ist einfach krank. Tut mir leid." Manche Menschen können die Aktion anscheinend überhaupt nicht nachvollziehen: "Nicht euer Ernst? Gar nicht witzig."

"Wie kann man so etwas nur herstellen?"

Ein weiterer User fragt ungläubig: "Das ist unfassbar. Wie kann man so etwas nur herstellen???" Wiederum ein anderer bedauert: "Schade um die Schokolade!" Teilweise wird Häcker auch mit zweifelhaften historischen Vergleichen konfrontiert. "Die meinen dann: Wenn jetzt 1933 wäre, würde ich auch einen Judenstern backen. Oder Brot in Bombenform."

Kritik kommt zudem von Menschen, die sich womöglich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen. "Das sind dann die, die überheilig sind und sagen: Wie kann ich denn einem Nikolaus die Maske aufsetzen? Das geht doch nicht." Diesen Standpunkt kann der Café-Inhaber nicht nachvollziehen. "Ich habe die Nikoläuse ohne irgendwelche bösen Hintergedanken gemacht", betont er. "Das war einfach künstlerische Freiheit."

Vorwürfe, dass die Konditorei mit ihrer Aktion die Gefahren der Corona-Pandemie verharmlose, gebe es seines Wissens aber nicht. Ohnehin folgten auf einen negativen Kommentar "inzwischen drei, vier positive". Nach den anfangs vorwiegend negativen oder sogar beleidigenden Kommentaren erhält das Café mittlerweile sehr viel Zuspruch.

"Danke für den Schmunzler!"

"Eine Konditorei, die mit der Zeit geht - sehr sympathisch!", lautet zum Beispiel eine Reaktion.  Ein Facebook-Nutzer gibt zu bedenken: "Wieso sollte der Weihnachtsmann ohne Maske unterwegs sein, wenn wir alle eine tragen? Er ist verantwortungsbewusst und denkt an seine Mitmenschen, so wie man ihn kennt. Danke für den Schmunzler!"

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Ein anderer bezeichnet den Corona-Nikolaus als "sehr coole und witzige Idee". "Ich finde das witzig und das ist der Humor, der einigen Leuten hier in den Kommentaren fehlt... Wer sich über so was aufregt, der hat echt ganz andere Probleme als ne Stoffmaske", hält ein weiterer User fest. Ein anderes Fazit lautet schlicht: "Sehe das Problem nicht: Wenn ich halt keinen Weihnachtsmann mit Maske mag, kauf ich einen mit Bart.

Die positiven Kommentare unter dem Facebook-Post überwiegen laut Häcker mittlerweile. Die Folge: Die Konditorei kann sich aktuell vor Anfragen kaum retten. "Jetzt werden wird gar nicht mehr fertig mit den vielen Bestellungen." Die Schoko-Nikoläuse gibt es in fünf unterschiedlichen Versionen. Je nach Größe und Gewicht kosten sie zwischen vier und neun Euro. 

Bestellungen aus Österreich, Schweiz und Schweden

Die Bestellungen kommen laut Häcker aus ganz Deutschland. Sogar aus Österreich, der Schweiz und Schweden gibt es Anfragen. "Ich habe schon einen Konditor-Kollegen um Hilfe gebeten. Ich allein schaffe das gar nicht mehr. Wir sind ein kleiner Betrieb. Wie soll das funktionieren?" Sein Appell lautet deshalb: "Konditoren gibt es doch überall. Die Leute möchten doch in ihrer Stadt zu den ansässigen Konditoren gehen und sie fragen, ob sie nicht Nikoläuse mit Mundschutz für sie herstellen können."