Nürnberg
Covid-19

"Ich habe vor Schmerzen geweint": Mann aus Nürnberg (62) berichtet von zweifacher Corona-Erkrankung

Ein Mann aus Nürnberg berichtet, dass er bereits zweimal innerhalb kurzer Zeit an Covid-19 erkrankt sei. Hinter ihm liegt ein langer Leidensweg. "Das war furchtbar. Ich habe vor Schmerzen geweint", berichtet der 62-Jährige.
Hat sich Vojtech Valent aus Nürnberg gleich zweimal kurz nacheinander mit Covid-19 infiziert? Laut Valent ist nicht sicher erwiesen, dass es sich bei seinen beiden Krankheitsphasen um zwei separate Corona-Infektionen gehandelt hat. "Vielleicht war die erste nicht auskuriert. Vielleicht habe ich es auch zweimal bekommen." Foto: privat

Ein 62-Jähriger aus Nürnberg schildert doppelte Covid-19-Erkrankung: Dass sich Menschen nach einer Corona-Infektion noch einmal mit dem Erreger infizieren, ist äußerst selten, kommt aber vor. Mediziner sprechen in diesem Fall von einer sogenannten Reinfektion. Auch Vojtech Valent aus Nürnberg erkrankte innerhalb weniger Wochen offenbar gleich zweimal an Covid-19. Gegenüber inFranken.de schildert der 62-Jährige seinen schweren Leidensweg.

Sein Covid-19-Krankheitsverlauf beginnt am 7. November 2020. Hinter Valent, der in einer Gießerei arbeitet, liegt eine Nachtschicht. "Gegen Mittag habe ich gespürt, dass es mir nicht gut geht. Am Abend wurde es richtig heftig. Ich hatte Kopfschmerzen, Halsschmerzen und Fieber", schildert er. Kurz danach verliert er seinen Geschmacks- und Geruchssinn. "Das war schlimm." Nach einem positiven Corona-Test durch seinen Hausarzt wird er in Quarantäne geschickt. 

Gleich zweimal an Covid-19 erkrankt? Nürnberger schildert Leid

Anfang Dezember kann Valent wieder riechen und schmecken. Ein erneuter Corona-Test fällt negativ aus. "Ich fühlte mich super", erinnert sich Valent. Doch sein Wohlbefinden hält nur kurz an. "Eine Woche später sind die Symptome wiedergekommen. Geruch und Geschmack waren wieder weg. Außerdem hatte ich Fieber, Halsschmerzen und trockenes Husten. Das war so heftig, dass ich nicht mal Luft bekommen habe." Das Schlimmste seien jedoch die Kopfschmerzen gewesen. Ein erneuter Corona-Test zeigt abermals ein positives Ergebnis.

Valent muss sich erneut in Quarantäne ergeben. "Die zweite Phase war schlimmer als die erste Phase", erzählt der Nürnberger rückblickend. Dreimal muss er sogar den Notruf verständigen, so schlecht geht es ihm. "Einmal wurde ich ins Klinikum geschickt." Im Klinikum Nürnberg Nord kommt der kranke 62-Jährige schließlich in die Notaufnahme. "Dort hat man mir gesagt: Wir haben keine freien Betten mehr." Eine Verlegung in ein Krankenhaus nach Ingolstadt lehnt er ab. "In Nürnberg haben sie ein Röntgenbild von meiner Lunge gemacht. Da war eigentlich alles in Ordnung."

Auf eigenen Wunsch verlässt Valent das Klinikum noch am selben Tag. "Irgendwie habe ich es zu Hause ausgehalten", resümiert der Nürnberger. "Atemnot hatte ich keine. Aber ich hatte schrecklichen Husten." Valent berichtet von heftigen Hustenanfällen in der Nacht - von einer Stunde und mehr. 

Zwei separate Corona-Infektionen? Reinfektion laut LGL selten

Laut Valent ist nicht sicher erwiesen, dass es sich bei seinen beiden Krankheitsphasen um zwei separate Corona-Infektionen gehandelt hat. "Vielleicht war die erste nicht auskuriert. Vielleicht habe ich es auch zweimal bekommen." Von medizinischer Seite lasse sich das nicht immer nachvollziehen, erklärt der 62-Jährige. Zwischen den zwei Erkrankungen fühlt er sich gesund. "Ich habe da keine Symptome gehabt. Alles war zunächst ganz normal. Aber dann bin ich noch mal erkrankt."

Steckt sich ein Mensch nach einer Infektion erneut an, liegt eine sogenannte Reinfektion vor.  Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) treten Reinfektionen selten auf. Demnach sind nach einer überstandenen Infektion Antikörper über mehrere Monate nachweisbar. "Reinfizierte weisen aber hohe Virusmengen im Nase-Rachen-Bereich auf und könnten das Virus somit potentiell übertragen, was die Bedeutung und konsequente Einhaltung der Schutzmaßnahmen unterstreicht", erklärt LGL-Pressesprecher Aleksander Szumilas inFranken.de.

Dem LGL wurden zuletzt elf Fälle mit Angaben zu einer möglichen erneuten Infektion mit SARS-CoV-2 gemeldet. "Dabei handelt es sich um Fälle, die mindestens drei Monate nach der Erstinfektion symptomatisch erkrankten und bei denen SARS-CoV-2 diagnostiziert wurde", berichtet Szumilas. Ihm zufolge existiert bislang keine Reinfektions-Definition, in der das Intervall zwischen den Erkrankungsepisoden festgelegt ist und der sowohl klinische als auch epidemiologische Daten zugrunde liegen. Aus diesem Grund seien die genannten Fallzahlen mit Bedacht zu interpretieren.

Covid-19-Symptome halten an: "Das habe ich früher nicht gekannt"

Seit dem 30. Dezember 2020 gilt Vojtech Valent als Corona-negativ. Der Nürnberger befindet sich seit dem 1. Januar 2021 inzwischen in Altersteilzeit - wie von langer Hand geplant. Die Covid-19-Begleiterscheinungen verfolgen ihn indes weiter. "Die Symptome habe ich zum Teil immer noch: Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Kurzatmigkeit", schildert er. "Ich nehme weiterhin meine Tabletten gegen Kopfschmerzen. Ich hatte jahrelang keine Kopfschmerzen. Die Kurzatmigkeit merke ich, wenn ich Treppen steige. Das habe ich früher nicht gekannt."

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Aktuell stehe ein CT beziehungsweise MRT an. "Aber mir geht es natürlich viel besser als vorher. Vorher war es unerträglich. Das war furchtbar. Ich habe vor Schmerzen geweint", berichtet Valent. Selbst starke Medikamente hätten ihm nicht geholfen. "Ich habe gedacht, dass es mit mir vorbei ist. Ich habe meine Familie schon auf das Schlimmste vorbereitet." Weil er Angst hat zu sterben, bereitet er sogar seinen Nachlass vor. Seiner Frau und seiner erwachsenen Tochter erklärt er, wo seine wichtigen Papiere liegen. 

Heute geht es ihm den Umständen entsprechend besser. "Ich kann schon wieder Auto fahren und fühle mich eigentlich gut." Gegenwärtig machen ihm in erster Linie "blitzartig" auftretende Kopfschmerzen zu schaffen. "Aber auch die Kurzatmigkeit habe ich immer noch. Ich schnappe nach Luft." Geplant ist deswegen auch ein Termin beim Lungenarzt. "Mal sehen, ob der mir helfen kann."

"So etwas will ich nicht noch einmal erleben"

Valent selbst hofft indes, dass die Menschen aufgrund seines geschilderten Krankheitsverlaufs umsichtiger werden. "Ich hoffe, dass die Leute, die das lesen, mehr auf sich aufpassen. Vielleicht lässt sich auf diese Weise die ein oder andere Ansteckung vermeiden", gibt Valent mit auf den Weg. Wie und wo er selbst sich mit dem gefährlichen Erreger infiziert hat, darüber rätselt der Nürnberger bis heute. "Ich habe wirklich aufgepasst und immer meine Maske getragen. Ich weiß nicht, wo ich mich angesteckt habe."

Gegen Covid-19 geimpft ist Valent bislang nicht. "Das kann man erst nach einer bestimmten Zeit nach der Erkrankung", erklärt er. "Aber ich möchte mich auf jeden Fall impfen lassen." Sobald dies medizinisch möglich sei, wolle er das umgehend tun. "Auf jeden Fall. Weil so etwas will ich nicht noch einmal erleben."

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