Nürnberg

Tierheim Nürnberg: Frau "entführt" Kater Gregor – nach 10 Jahren hat Besitzerin ihn zurück

Das Tierheim Nürnberg hat eine Katzen-"Entführung" aufgedeckt. Kater Gregor wurde 2009 einfach mitgenommen und anschließend mehr als zehn Jahre in einer fremden Wohnung festgehalten. Nun gab es das unglaubliche Wiedersehen mit seinem wahren Frauchen.
Dank dem Tierheim Nürnberg kann Gregors Frauchen ihren lang vermissten Liebling wieder in die Arme schließen. Der Kater war über ein Jahrzehnt gefangen gehalten worden. Foto: Tierheim Nürnberg
  • Tierheim Nürnberg kommt Katzen-"Entführung" auf die Schliche
  • Kater Gregor wurde 2009 auf Straße aufgesammelt und einfach behalten
  • Frau hält Tier mehr als zehn Jahre in fremder Wohnung fest
  • Tierschützer bringen Kater zu wahrem Frauchen zurück

Am Montag (15. Juni 2020) wurde im Tierheim Nürnberg eine Katze abgegeben, weil diese ihre Besitzerin gebissen haben soll. Vor Ort stellt sich schnell heraus: Bei dem gechipten Tier handelt es sich nicht - wie angegeben - um die Katze "Muschi", sondern um den Kater "Gregor". Dieser war von seiner damaligen Besitzerin als vermisst gemeldet worden - vor mehr als zehn Jahren.

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Monatelang hatte sein wahres Frauchen nach ihm gesucht und dabei stets das Gefühl gehabt, dass er noch am Leben ist. Vorher war er immer zuverlässig nach Hause gekommen, was ihm dann aber verwehrt wurde.

Frau sammelt Kater auf Straße auf und behält ihn: "Das geht mir nicht in den Kopf"

Nun ist auch der Grund für Gregors Verschwinden im Jahr 2009 bekannt: Obwohl der streunende Kater seinerzeit ein Halsband mit Adresse getragen hatte, wurde er kurzerhand von der Straße aufgelesen und einfach behalten. Über zehn Jahre hielt ihn eine Frau in ihrer Wohnung fest - von 2009 bis vergangenen Montag.

Gregors eigentliche Besitzerin ist noch immer fassungslos: "Das geht mir nicht in den Kopf", sagt Myroslava Bauch inFranken.de. "Das ist, als hätte man einen Menschen eingesperrt. Das sind böse Leute, die so etwas machen", so die 50-Jährige. "Wie schlimm das für ein Tier ist, zehn Jahre eingesperrt zu sein, kann sich keiner vorstellen."

Wurde Gregors Zutraulichkeit dem Tier zum Verhängnis? "Er war so ein toller, lieber Kater. Gregor war so vertrauensvoll und handzahm, einfach liebevoll." In der Nachbarschaft habe er regelmäßig einen Spaziergang gemacht - auch um mit seinem Freund, einer anderen Katze, zu spielen. "Er hatte auch keine Angst vor Menschen." Von daher ist es gut möglich, dass er sich 2009 nicht zur Wehr gesetzt hat, als er von einer fremden Frau mitgenommen worden ist. "Er hatte keine Chance, zu uns zurückzukommen, weil er eingesperrt war."

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Seine Familie hat damals nichts unversucht gelassen, um ihren geliebten Gregor wiederzubekommen. "Wir haben gesucht, gesucht und gesucht", erinnert sich Myroslava Bauch. "Ich bin jeden Abend herumgelaufen und habe nach ihm Ausschau gehalten. Ich habe monatelang nach ihm gesucht." Nachbarn und Kunden - der Familie Bauch gehört eine Glaserei in der Nürnberger Bogenstraße -, sie alle hätten sich an der Suche nach dem verschollenen Tier beteiligt - letztlich leider ohne Erfolg. 

"Als ich ihm in die Augen geschaut habe, wusste ich: Er kennt mich noch"

Um so glücklicher ist Myroslava Bauch jetzt, als sie ihr lang vermisstes "Familienmitglied" wieder in ihre Armen schließen kann. "Als ich ihm in die Augen geschaut habe, wusste ich: Er kennt mich noch." In den ersten Stunden in seinem neuen - alten - Zuhause habe sich der Kater so verhalten, als wäre er nie weg gewesen.

"Hoffentlich bleibt er diesmal bei uns", sagt Bauch. Der Kater hat die Strapazen der Vergangenheit anscheinend unversehrt überstanden. "Er fühlt sich wohl bei uns. Es geht ihm gut. Er ist immer noch ganz lieb."

In rechtlicher Hinsicht ist der Fall der Katzen-"Entführung" indes längst verjährt. Das Tierheim Nürnberg warnt etwaige Nachahmer dennoch eindringlich: "(Fund-)Unterschlagung ist kein Kavaliersdelikt!", schreiben die Tierschützer auf ihrer Facebook-Seite und verweisen dabei auf Paragraf 246 des Strafgesetzbuchs. Darin heißt es: "Wer eine fremde bewegliche Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zueignet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist."

"Ihr seid verpflichtet, Fundtiere aus Nürnberg, Fürth oder Fürth Land bei uns zu melden! Ansonsten ist es Fundunterschlagung!" so das Tierheim Nürnberg weiter. "Wir sind das zuständige Fundbüro für Tiere! Leider ist der Fall Gregor nicht der erste Fall dieser Art!" Umso mehr freuen sich die Tierfreunde über das unverhoffte Happy End: "Wir wünschen Gregor und seinem Frauchen alles Gute und freuen uns wahnsinnig, dass wir dazu beitragen konnten, dass er wieder nach Hause darf."

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