Im Tiergarten der Stadt Nürnberg gibt es Nachwuchs bei bedrohten Säugetierarten. In den letzten Wochen haben die Kaffernbüffel, die Przewalski-Pferde und die Mendesantilopen jeweils ein Junges geboren, verkündet die Stadt Nürnberg.

Besucherinnen und Besucher können die Jungtiere aktuell auf den jeweiligen Außenanlagen sehen. Alle Arten gelten als bedroht beziehungsweise potenziell bedroht – jeder Nachwuchs trägt deshalb dazu bei, diese Tierarten zu erhalten.

Die Zucht der Nürnberger Kaffernbüffel, Przewalski-Pferde und Mendesantilopen wird im EAZA Ex situ Programm (früheres Europäisches Erhaltungszuchtprogramm EEP) koordiniert. In diesen Programmen
züchten Zoos und Wildparks koordiniert Tierarten, um stabile Populationen außerhalb ihres natürlichen Lebensraums aufrechtzuerhalten.

So soll auch das Aussterben von stark gefährdeten Arten verhindert werden. Bei den Przewalski-Pferden engagiert sich der Tiergarten auch in Projekten im natürlichen Lebensraum der Tiere. „Die Zerstörung von Lebensräumen, der menschengemachte Klimawandel und die Wilderei sind die treibenden Ursachen für das Aussterben von immer mehr Tierarten“, sagt Jörg Beckmann, Biologischer Leiter und stellvertretender Direktor des Tiergartens.

„Immer wichtiger wird deshalb die Zucht in menschlicher Obhut. Mit Erhaltungszuchtprogrammen können wir Tierarten erhalten, ihre Bestände stützen und sie unter bestimmten Umständen auch wieder in
ihrem ursprünglichen Lebensraum ansiedeln. Durch die kontrollierten Bedingungen sind Zoos auch von zentraler Bedeutung für die Forschung.“

Ein kleiner Kaffernbüffel-Bulle ist am 1. März 2022 im Tiergarten zur Welt gekommen. Mit dem Nachwuchs ist die Herde auf sechs Tiere  angewachsen. Das Jungtier lässt sich auch schon häufig auf der Anlage neben der Afrika-Weide blicken, meist zusammen mit seiner Mutter, die
2001 im Tiergarten geboren wurde. Kaffernbüffel (Syncerus caffer) kommen in den Savannen und Wäldern
südlich der Sahara vor.

Charakteristisch sind ihre gewaltigen Hörner, die in der Kopfmitte aneinanderstoßen. Sie zählen zu den bekanntesten Tieren Afrikas und fungieren dementsprechend als Botschafter für den Arten- und Naturschutz in den afrikanischen Savannen. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Kaffernbüffel als „potenziell gefährdet“ ein.

Neben der Rinderpest führten auch Lebensraumverluste und die teils illegale Jagd zu Rückgängen. In europäischen Zoos kommt die Art nur selten vor. In Deutschland hält neben dem Tiergarten Nürnberg nur der Tierpark Berlin weitere Individuen. Przewalski-Pferde: Mit erfolgreicher Zucht und Auswilderung vor
dem Aussterben bewahrt.

Etwa zwei Wochen vor der Geburt des Kaffernbüffels gab es im Tiergarten auch Nachwuchs bei den Przewalski-Pferden: Mitte Februar kam ein kleiner Hengst zur Welt. Die Herde ist damit auf zwölf Tiere
angewachsen.

Die Przewalski- oder auch Urwildpferde (Equus caballus przewalskii) sind die Vorfahren aller Hauspferderassen. Ursprünglich in ganz Eurasien verbreitet, galten sie zwischenzeitlich in der Natur als ausgerottet.

Durch Nachzuchten in Zoos und erfolgreiche Auswilderungsprojekte konnte die Art erhalten und wieder angesiedelt werden. IUCN stuft das PrzewalskiPferd heute als „stark gefährdet“ ein, wobei die Vorkommen wieder wachsen.

„Die Erfolgsgeschichte der Przewalski-Pferde ist ein gutes Beispiel für das Artenschutzpotential von Zoos. Es zeigt, wie wichtig lokale, nationale und globale Kooperationen für den Erhalt der Biodiversität sind“, sagt Jörg Beckmann.

So ist der Tiergarten Nürnberg Gründungsmitglied der International Takhi  Group (ITG), die sich dem Schutz der Przewalski-Pferde in einem Gebiet im Westen der Wüste Gobi in der Mongolei verschrieben hat. Seit der Gründung vor mehr als 20 Jahren unterstützt der Tiergarten das internationale Projekt finanziell.

Auch hier in der Region setzt sich der Tiergarten für die Wildpferde ein: Mit einem Beweidungsprojekt im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst bei Erlangen. Seit fast 20 Jahren beweiden dort Przewalski-Pferde aus dem Tiergarten Nürnberg und dem Münchner Tierpark Hellabrunn die offenen Sandlebensräume.

Die Wildpferde sorgen als „vierbeinige Landschaftspfleger“ dafür, dass der Pflanzenbewuchs zurückgehalten wird und die ökologisch wertvollen Sandflächen offenbleiben. Neben den Kaffernbüffeln und Przewalski-Pferden gab es auch bei den Mendesantilopen Nachwuchs.

Hier wurde Anfang Februar ein kleiner Bulle geboren. Der Tiergarten Nürnberg hält damit neun Tiere dieser stark gefährdeten Art. Der natürliche Lebensraum der Mendesantilopen (Addax nasomaculatus)
sind die Wüsten und Halbwüsten Nordafrikas.

Durch die Zerstörung des Lebensraums und unkontrollierte Jagd ist die Antilopenart stark gefährdet und gilt laut Weltnaturschutzunion IUCN inzwischen als „vom Aussterben bedroht“. In freier Wildbahn sind aktuell nur noch wenige Dutzend Tiere anzutreffen.

Mit Nachzuchten in Zoos konnten erfolgreiche Wiederansiedlungsprojekte in Reservaten gestartet werden. Vor knapp zwei Jahren hat der Tiergarten die Anlage der Mendesantilopen aufwendig umgestaltet. Dabei entstand eine Gemeinschaftsanlage mit den ebenfalls vom Aussterben bedrohten
Somali-Wildeseln. Beide Tierarten kommen in ähnlichen Lebensräumen vor und können deshalb gut zusammen gehalten werden.

Ziel der Baumaßnahme war es, den natürlichen Lebensraum der Tiere so gut wie möglich nachzubilden. Und auch die Besucherinnen und Besucher profitieren von der Umgestaltung: Sie können nun besonders nah an die Tiere heran und haben direkt neben der Anlage attraktive Sitzgelegenheiten.