Bratwurst-Gate in Nürnberg: Weil die Sachsen ihre Würstchen auf dem Christkindlesmarkt umsonst unters Volk bringen wollen, ist in der Frankenmetropole der Teufel los. Mit allen Mitteln wollen die Marktleute die fränkische Wurst gegen die Eindringlinge aus dem Osten verteidigen. Besonders Helmut Nordhardt vom Marktamt der Stadt ging auf die Barrikaden. Der Christkindlesmarkt dürfe nicht als Werbevehikel missbraucht werden, wetterte Nordhardt und fuhr gleich weitere Geschütze im "Wurst-Streit" auf: die Marktsatzung. Darin heißt es wörtlich: "Die unentgeltliche Abgabe von Waren ist nicht erlaubt."

In Sachsen kann man die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. Der Plan sehe schließlich nur vor, einen "klitzekleinen Lieferwagen" am 6. Dezember auf Werbetour durch die Frankenmetropole zu schicken, verteidigte Christian Hoose von der Dresdner Staatskanzlei die Idee. Zwar sollten auch Grillwürstchen verteilt werden.

Aber in erster Linie wollen die Sachsen in Franken für ihren Senf aus Bautzen werben.

Über sechs Millionen Euro lassen sich die Sachsen die Charmeoffensive "So geht Sächsisch" kosten. Motto der Aktion: Ein bisschen mehr Sachsen kann der Welt nicht schaden. Im Rahmen der Werbekampagne sind sogar Konzerte in New York und Tokyo geplant. Auch in London wollen die Sachsen auf ihre Qualitäten und Stärken aufmerksam machen. Mit dem Slogan "The Home of Christmas", zu Deutsch "Wo Weihnachten zu Hause ist", will sich Sachsen den Engländern als "außergewöhnliches Reiseziel besonders in der Vorweihnachtszeit" präsentieren.

Weihnachtsland Sachsen
Und warum rühren die Sachsen ausgerechnet beim Christkindlesmarkt in Nürnberg die Werbetrommel? Im Rahmen der Werbekampagne habe man sich augenzwinkernde Aktionen ausgedacht, um das "Weihnachtsland Sachsen" zu bewerben.

Mit der Aktion in Nürnberg wollte man die Franken auf keinen Fall vor den Kopf stoßen. "Das sollte kein Affront, keine Provokation, sondern nur eine nette Geste sein", sagte eine Sprecherin der zuständigen Werbeagentur dem "Bayerischen Rundfunk".

Mittlerweile scheint sich auch in Nürnberg die Aufregung über die "Guerilla-Marketing"-Aktion ein bisschen gelegt zu haben. Der Wirbel sei laut Wirtschaftsreferent Michael Fraas nur deshalb entstanden, weil die Marktleute befürchtet hätten, die Sachsen wollten ihnen mit kostenlosen Grillwürsten die Kunden im großen Stil abspenstig machen. Mittlerweile gibt sich Fraas konziliant. "Konkurrenz belebt das Geschäft", sagt der Wirtschaftsreferent. Außerdem habe Nürnberg durch den sächsischen Werbe-Streich bereits profitiert.

"Alle sprechen jetzt vom Christkindlesmarkt." Trotzdem will Fraas den Sachsen keine große Bühne gönnen.

"Auf dem Hauptmarkt wird es keine Genehmigung für die Aktion geben. Im Umfeld des Christkindlesmarktes gibt es auch keinen Platz", sagt Fraas und droht mit dem Bußgeld-Katalog, falls die Sachsen versuchen sollten, ohne Genehmigung ihre Würstchen kostenlos unters Volk zu bringen.

Keine Genehmigung notwendig
Fraas muss freilich zugeben, dass auch die Franken in der Fremde auf Reklametour gehen. Allerdings nur mit Plakaten und nicht mit kostenlosen Bratwürsten. "Wir investieren insgesamt 180 000 Euro in einen Marketing-Mix für den Christkindlesmarkt", sagt Yvonne Coulin, die Leiterin der Nürnberger Tourismuszentrale. Verstärkt rühre man heuer die Werbetrommel in Berlin, NRW und Stuttgart. Wer weiß: Vielleicht nehmen die Franken im nächsten Jahr auch Sachsen stärker ins Visier.

Quasi als kleine Retourkutsche aus dem vorweihnachtlichen "Bratwurst-Streit".

"Wir machen das wie geplant und verteilen aus einem Kleinbus leckere Würstchen mit Senf aus Sachsen", kündigt eine Sprecherin der Staatskanzlei aus Dresden am Dienstag beinahe trotzig an. Eine Genehmigung sei nicht nötig.

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