"Es wird alles gut", wird Oberbürgermeisterkandidat Nasser Ahmed (SPD) zugerufen, als er sich bei der Wahlparty der Nürnberger SPD durch die Menge kämpft. Denn ganz so, wie sich viele in der SPD die Wahl erhofft hatten, verlief sie nicht. Die vorläufigen Ergebnisse (Stand: 20.36 Uhr): 46,0 Prozent für den amtierenden OB Marcus König (CSU), 26,5 Prozent sind es für die SPD.
"Die Stimmung ist angespannt", sagt Stadtratsmitglied und -kandidatin Claudia Arabackyj (SPD) schon nach den ersten Hochrechnungen. Einen Dreier vor dem Ergebnis hätte sie sich dringend gewünscht. Dennoch: Dass es eine Stichwahl geben wird, scheint nun sicher. Hier geht es zu den Ergebnissen aus Nürnberg.
Nasser Ahmed: "Dunkler Tag für die Sozialdemokratie" - Nürnberg ein Lichtblick
Kurz nachdem das Ergebnis bekannt wird, werden im Karl-Bröger-Haus in Nürnberg bereits neue Plakate ausgerollt. "Stichwahl 22.3. Nasser Ahmed" ist darauf zu lesen. Sticker und Plakate mit derselben Aufschrift füllen innerhalb von Minuten einen Tisch neben dem Eingang.
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"Heute ist ein guter Tag, denn heute hat sich gezeigt: Es ist ein offenes Rennen", betont Ahmed im Gespräch mit inFranken.de. Marcus König habe keine klare Mehrheit hinter sich. Ein Umstand, den viele laut Ahmed noch vor einem Jahr kaum für möglich hielten.
Mit Blick auf die Ergebnisse der Landtagswahl in Baden-Württemberg sagt Ahmed jedoch auch: "Heute ist ein dunkler Tag für die Sozialdemokratie in Deutschland. Ich denke, hier in Nürnberg war jetzt ein Lichtblick. Klar, mehr geht immer, aber man muss einfach mal realistisch bleiben."
"Ein Spaziergang wird's fei net, Herr König"
Viele, die nach der Meinung des SPD-Kandidaten von seiner Politik profitieren würden, hätten noch nicht gewählt. Sie zu mobilisieren, darauf liege nun sein Fokus. "Wir haben gemerkt, es hat sich die Stimmung in der Stadt gedreht in den letzten Monaten, aber auch in den letzten Tagen." Dieses Momentum wolle man weiterhin nutzen. Nasser Ahmed könnte Deutschlands erster Schwarzer OB werden.
Eine Enttäuschung sei unter den SPDlern in Nürnberg laut Turan Fettahoglu, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Nürnberg-Almoshof und selbst Kandidat, dennoch zu spüren. Vor allem nach der Stimmung im Straßenwahlkampf sei die Überraschung über die Ergebnisse groß gewesen. Dennoch gehe man optimistisch in die Stichwahl. Fettaholgu betont: "Ein Spaziergang wird's fei net, Herr König"
"Wir haben uns mehr erhofft", sagt auch Julia Ringler, Co-Vorsitzende des Ortsverbands in Lichtenhof. Auch Oliver Schitthelm, Kandidat für die SPD im Knoblauchsland kommentiert: "Ich hätte gehofft, dass wir die 30 Prozent schaffen."
Erste Zahlen schocken Nürnberger SPD "wahnsinnig"
Noch ein Umstand sorgte im Karl-Bröger-Haus zwischenzeitlich für lange Gesichter: Die ersten Hochrechnungen zeigten AfD-Kandidat Roland Hübscher knapp vor Britta Walthelm, Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen. Für Claudia Arabackyj (SPD) unverständlich. "Was uns wahnsinnig schockt, ist, dass die AfD aus dem Stand mehr holt, als die Grünen", hielt sie fest.
Im Laufe des Abends veränderten sich die Zahlen jedoch: 10,4 Prozent zeigt das Barometer für Britta Walthelm nun an. Bei dem AfD-Kandidaten Hübscher sind es mittlerweile 9,1 Prozent.
Markus Söder sorgte bei der Kommunalwahl ebenfalls für eine kleine Überraschung - trotz eines Extra-Wahlraums.