Schwabach
Coronavirus

Bayerisches Fitnessstudio in großer Corona-Not - "Uns fehlt eine Perspektive"

Die Fitnessstudios in Bayern haben wegen Corona seit März geschlossen. Ein Betreiber aus dem fränkischen Schwabach hofft verzweifelt auf eine baldige Öffnung. Schon jetzt muss er sich an seiner Altersvorsorge bedienen.
Fitnessstudios in Bayern bereiten sich auf eine Öffnung vor. Doch wann es so weit ist, entscheidet die Politik.

Geschlossene Fitnessstudios in Bayern wegen Corona: Die Betreiber hoffen auf eine baldige Öffnung. Das Coronavirus hat auch das Fitnessstudio von Oli Hagn aus Schwabach hart getroffen. Er würde lieber heute als morgen öffnen - und versteht die Politik nicht. "Ich bin eigentlich ein lebensfroher Mensch, aber im Moment heule ich auch", erzählt er inFranken.de.

Der Schwabacher hat in seinem Studio schon zahlreiche Vorkehrungen getroffen, obwohl noch kein Eröffnungstermin feststeht. "Viele Fitnessstudio-Betreiber sind bestimmt schon auf eine Eröffnung vorbereitet", mutmaßt Oli Hagn. Er betreibt "Oli's Fitnessparadies" in Schwabach - und das schon seit 31 Jahren. "Wir haben auch eine Verpflichtung den Kunden gegenüber", erklärt er. Deswegen habe er bereits verschiedene Maßnahmen getroffen: 

  • Eingangskontrolle inklusive Einchecken
  • Desinfektionsspender
  • Trennwände an der Theke
  • Vergrößerte Abstände zwischen den einzelnen Geräten
  • Da, wo ein Umstellen der Geräte nicht möglich war, befinden sich jetzt auch Trennwände
  • Markierungen mit Zwei-Meter-Abstandsmarkierungen

Da auf unabsehbare Zeit auch die verschiedenen Kurse nicht stattfinden können, werden diese Räume jetzt auch dazu genutzt, die Geräte besser zu verteilen. Sobald es einen Startschuss seitens der Politik gibt, könnte Oli Hagn also loslegen. Trotzdem müsse er "wieder von vorne anfangen". Ihm würden bereits zwei Monatseinnahmen fehlen, wenn es blöd laufe, käme noch eine dritte und vierte dazu.

Regelung für Fitnessstudios in Bayern: Großes Fragezeichen

Aktuell (Stand 14. Mai 2020) gibt es allerdings noch keine Regelung zu den Fitnessstudios in Bayern. Das macht dem Schwabacher Betreiber zu schaffen: "Mit allem kann man besser leben, als seinen Beruf nicht ausüben zu können". Ein Tag koste ihn momentan rund 1000 Euro, er müsse jetzt auch seine Altersvorsorge ankratzen. "Jetzt soll ich nochmal Schulden aufmachen, obwohl ich 53 bin und das ganze Leben gebuckelt habe?", fragt sich Hagn. 

Staatliche Hilfe habe er bekommen, die reiche aber nicht mal für eine Monatsmiete. Von der Politik wünscht er sich eine konkrete Perspektive. Seit Anfang Mai zieht Oli Hagn keine Mitgliedsbeiträge mehr ein. Die Beiträge, die er während der Pandemie eingezogen hatte, werden den Mitgliedern in Form von Zeitgutschriften oder Gutscheinen erstattet.

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Sein Problem mit der aktuellen Politik: "Was ich nicht nachvollziehen kann, ist, dass viele Bundesländer schon öffnen dürfen" erklärt Hagn mit Blick auf die Zahl der Neuinfektionen in Schwabach, die im Moment bei Null (Stand 14. Mai 2020)  liegt.  Er sei nicht gegen die Schutzmaßnahmen, ganz im Gegenteil. Es sei wichtig, dass auf die gesundheitliche Sicherheit geachtet werde. Allerdings sollte auch an Unternehmen wie seines gedacht werden, die gut vorbereitet seien in Sachen Hygiene. 

Auch seine Kunden wünschten sich eine baldige Öffnung: "Ich bekomme täglich Mails, die hoffen, dass wir wieder aufmachen können. Kreuz- und Rückenprobleme nehmen bei vielen Menschen wieder zu, deren Körper baut gerade das ab, was über Jahre erarbeitet wurde", klagt Hagn. Auch deswegen hofft er auf eine Öffnung Mitte Juni. 

Betreiber putzt jetzt selbst sein Fitnessstudio

Dass bei Oli Hagn die Kunden im Mittelpunkt stehen, wird im Gespräch schnell klar. Mehrfach betont er, dass er auf die Unterstützung seines "ganz tollen Publikums" zählen könne. Selbst finanziell hätte er Menschen, die ihm in einer Notsituation den Rücken stärken würden.

Trotzdem musste er bereits Reinigungskräfte abbestellen, weil Oli Hagn es sich schlichtweg nicht mehr leisten konnte. "Ich steh jetzt jeden Morgen auf und putze im Studio selbst", sagt er und lacht trotzdem. "Irgendetwas muss ich ja machen."