Nürnberg
Bahnhofsbunker

Riesiger Atombunker in Nürnberg: Hier gibt es Platz für 2450 Menschen

Unter dem Hauptbahnhof Nürnberg verbirgt sich ein von vielen vergessenes Relikt des Kalten Krieges: ein riesiger Atombunker, der Platz für 2450 Menschen bietet.
Knapp 2500 Menschen hätten in dem Bahnhofsbunker mitten in Nürnberg Platz gehabt. Die Anlage stammt aus der Zeit des Kalten Krieges. Guido Vogt

Atombunker mitten in Nürnberg: Täglich strömen Tausende Pendler und Reisende über den Nürnberger Hauptbahnhof. Was sich direkt unter ihnen befindet, ahnen die wenigsten. Hier liegt – wie aus der Zeit gefallen – eine riesige erhaltene Bunkeranlage aus der Zeit des Kalten Krieges. In einem Gespräch mit inFranken.de verrät Ralf Arnold, Vorsitzender vom Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V., was es mit dem Bunker auf sich hat.

"Von 1973 bis 1977 wurde der Bunker gleichzeitig mit der U-Bahn erbaut", erläutert Arnold. "Und zwar für einen Dritten Weltkrieg." Hier unten sei die Zeit wie stehen geblieben, Besucher können hautnah erleben, wie es sich zugebracht hätte, wäre zwischen den NATO-Staaten und dem Warschauer Pakt tatsächlich ein Dritter Weltkrieg ausgebrochen.

Bei dem Bunker handelt es sich um Nürnbergs modernsten Atombunker. Was ihn besonders macht: Während das Obergeschoss des Bunkers heute anders genutzt wird, ist im Untergeschoss noch alles genauso wie vor knapp 50 Jahren – vollständig eingerichtet mit Suppenschüsseln, Klopapier und Babywindeln.

Atombunker bietet Platz für 3,4 Prozent der Nürnberger Bevölkerung

Insgesamt 2450 Menschen hätte der Bunker Schutz vor Atombomben, biologischen Waffen und chemischen Kampfstoffen geboten. 14 Tage hätten sie hier überleben können. Ob der Bunker aber tatsächlich Sinn gemacht hätte, „darüber zergrübeln sich viele Leute den Kopf“, so Arnold.

Einen direkten Treffer hätte der Bunker sicher nicht standgehalten. Und was passiert wäre, wenn nach 14 Tagen die Notstrom-Aggregate ausgegangen wären, könne man nicht sagen. Arnold glaubt aber: „Hätte es einen atomaren Angriff gegeben, hätte in Mitteleuropa niemand überlebt.“

Hinzu kommt: Der Bunker hatte Kapazitäten für 2450 Menschen. „Das heißt, es hätten gerade einmal 3,4 Prozent der Nürnberger Bevölkerung hier unten Platz gefunden.“

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Der Förderverein Nürnberger Felsengänge setzt sich dafür ein, den Bunker als Teil der Stadtgeschichte zu bewahren und für Besucher zugänglich zu machen, um ihn wieder in das Gedächtnis der Leute zu rufen. Deshalb biete der Verein Führungen an, bisher aber aufgrund der Brandschutzverordnungen nur in unregelmäßigen Abständen oder per Anmeldung Gruppenführungen. Man setze sich aber ein, dass bauliche Maßnahmen ergriffen werden, um das künftig zu ändern.

Im Herzen der Nürnberger Altstadt soll bald das "Altstadt Karree" entstehen. In dem Shopping-Paradies soll unter anderem ein Zalando Outlet einziehen.