Nürnberger Familie stellt Ukraine-Flüchtlingen Wohnung zur Verfügung - Dreijähriger sorgt für bewegenden Moment: Eine aus der Ukraine geflohene fünfköpfige Familie hat in Franken Unterschlupf gefunden. Michael Riedel und seine Frau haben hierzu kurzerhand eine kleine Wohnung in Pleinfeld (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) renoviert und die Küche mit Lebensmittelvorräten bestückt. "Ich habe spontan eine Woche Urlaub genommen und die Wohnung eingerichtet", berichtet der Nürnberger inFranken.de.

"Es galt zunächst einmal, Betten aufzubauen und Schränke zu organisieren." Riedels Beweggrund: Menschlichkeit. "Wenn Sie das Elend in der Ukraine aktuell sehen, können Sie fast nicht anders, als zu helfen", erläutert er seine Motivation. "Die Menschen müssen teilweise bei der Kälte zusammengepfercht in U-Bahn-Schächten ausharren - aus Angst, Bomben fallen ihnen auf den Kopf." Kurz nach der Ankunft der fünf Ukrainer in Franken sorgte der gerade einmal drei Jahre alte Malik für einen äußerst emotionalen Augenblick.

Junge (3) aus der Ukraine hält Maulwurfshügel für Bomben - auch seine Schwester hat Angst

"Der Kleine hat in den Garten geschaut und ein paar Maulwurfhügel entdeckt", erzählt Riedel. "Dann hat er auf die Hügel gezeigt und mich auf Englisch gefragt, ob das Bomben sind." Riedels Schwiegersohn Denis Trost, der sich infolge dieses bewegenden Moments an inFranken.de gewandt hat, ist sichtlich ergriffen. "Das ist herzzerreißend und traurig", hält er mit Blick auf die Frage des Dreijährigen fest, der in seinem kurzen Leben offensichtlich schon viel Leid erleben musste. 

Auch Tasnim, Maliks 16-jährige Schwester, habe noch Tage nach ihrer Ankunft in Deutschland immer wieder gefragt, ob sie und ihre Familie nun wirklich in Sicherheit seien, berichtet Michael Riedel. "Ihr Vater Naser ist Elektroingenieur und hatte in Odessa einen kleinen Betrieb mit sieben Angestellten." Kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine sei der gebürtige Syrer zusammen mit seiner Frau und den drei Kindern aus dem Kriegsgebiet geflohen. Weil er Ausländer sei, habe er das Land verlassen dürfen - und nicht wie die meisten Männer auf ukrainischem Boden bleiben müssen. 

Riedel ist derweil guter Dinge, dass Naser und seine Frau Inna mit ihren Kindern Tasnim, Haza (11) und Malik dauerhaft in Deutschland unterkommen dürfen. "Wir haben inzwischen eine Aufenthaltserlaubnis beantragt", sagt Riedel.  In seiner Firma, dem Sanitätshaus Riedel & Pfeuffer in Nürnberg, hat der Orthopädietechnik-Meister zudem eine Spendenaktion initiiert. Die Summe, die von seinen Angestellten gespendet worden sei, habe er selbst anschließend verdoppelt. "Insgesamt kamen so rund 4500 Euro zusammen", konstatiert Riedel. Das Geld soll nun einer gemeinnützigen Organisation zur Unterstützung von ukrainischen Flüchtlingen zukommen.

Am Bayreuther Klinikum wurde unterdessen das erste ukrainische Flüchtlingsbaby geboren. Die Mutter des Mädchens hat eine dramatische Flucht hinter sich, erzählt ihr fränkischer Bekannter. Der Vater des Kindes musste im Land bleiben.