Der Wahlkampf in Franken läuft auf Hochtouren, schließlich wird vielerorts am 8. März 2026 ein neuer Bürgermeister gewählt. Für die Nürnberger SPD tritt Nasser Ahmed an - mit einer Wahlkampagne, die momentan große Wellen schlägt. "Mein N-Wort ist Nürnberg" ist auf einem riesigen Wahlplakat zu lesen, das derzeit am Karl-Bröger-Haus in Nürnberg hängt.

Dafür erntet der Politiker im Netz aktuell überwiegend Kritik. "Das ist wohl ein schlechter Scherz?" und "Habe gerade davon erfahren und bin entsetzt über diese Kampagne!" ist etwa in den Kommentaren unter dem entsprechenden Instagram-Post des Oberbürgermeister-Kandidaten zu lesen. Auch der aktuelle Nürnberger OB, Marcus König (CSU), bekommt immer wieder Kritik zu hören. Er stellte sich den Kritikern zuletzt in einem Video entgegen.

Wahl zum Oberbürgermeister: Nürnberger SPD-Kandidat irritiert mit Plakat

Gegenüber News5 erklärt Ahmed die Hintergründe seiner Plakat-Aktion. Seit er als Oberbürgermeisterkandidat angetreten sei, habe er viel positives Feedback erhalten aber auch "rechtsextremen Hass und Hetze" erfahren. "Es vergeht kein Monat, in dem mir nicht das N-Wort an den Kopf geworfen wird", berichtet der SPD-Politiker. Die Eltern des OB-Kandidaten stammen aus Eritrea, er selbst ist in Nürnberg geboren. Würde Ahmed zum Oberbürgermeister gewählt werden, wäre er damit der erste schwarze Oberbürgermeister in Deutschland.


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Die Kampagne sei seine Reaktion auf die Beleidigungen: "Und zwar sage ich, ich lasse mich von Rechtsextremen nicht auf eine Identität festlegen, sondern ich entscheide das selber." Und seine Entscheidung sei klar: "Meine Identität ist Nürnberg, und zwar ein Nürnberg als Stadt der Chancen. Ein bezahlbares Nürnberg, ein Nürnberg, in dem sich jeder entfalten kann. Das drücke ich mit diesem Plakat aus."

Gina Hitsch, Content Creatorin und Bildungsreferentin sieht die Kampagne dennoch kritisch. Sie erklärt im Netz: "Du kannst nicht als Individuum das N-Wort reclaimen. Sowas passiert im Kollektiv." Die Kampagne könne zudem für Betroffene retraumisierend und ein Freifahrtschein für Leute sein, die das N-Wort künftig mit dieser Rechtfertigung nutzen. "Jetzt können sie einfach sagen 'hä ich meine Nürnberg'", erklärt Hitsch.

N-Wort-Kampagne von Nasser Ahmed erntet auch positive Reaktionen

Das negative Feedback in den sozialen Medien überrasche den OB-Kandidaten, wie er selbst sagt. "Aber die überwältigende Mehrheit der Reaktionen ist sehr, sehr positiv, vor allem hier in Nürnberg. Und das macht mich auch zuversichtlich", betont er. Auch im Netz bestärken einige Unterstützer den OB-Kandidaten.

"Ich bin Schwarz, ich lebe in Nürnberg – und ich unterstütze das. Niemand hat das Recht, ihm vorzuschreiben, wie er mit Rassismus umzugehen hat. Selbstbestimmung heißt: selbst sprechen", lautet etwa ein Kommentar. "So schön und stark!!!" oder "Also mein N-Wort ist ja Nasser", schreiben weitere Nutzer.

Im Nürnberger Stadtrat war das N-Wort bereits im März 2024 Thema. Damals wurde die Ächtung des Wortes einstimmig beschlossen. Das hatten die SPD- und die Grünen-Fraktion im Rathaus zuvor gemeinsam beantragt. Nasser Ahmed betonte damals laut einer Pressemitteilung von SPD und Grünen: "Worte sind wichtig, sie beeinflussen unser Denken und damit unser Handeln. Die Ächtung des N-Worts ist ein großer Erfolg."