Für den schwedischen Möbelriesen ist in Nürnberg der rote Teppich ausgerollt worden. 80 Millionen Euro wollte Ikea investieren und 200 Arbeitsplätze mit einem neuen Möbelhaus in die Stadt bringen. Im nächsten Jahr sollte schon die Eröffnung gefeiert werden. Doch daraus wird nun nichts.


CSU stellt Dringlichkeitsantrag

Ikea macht einen Rückzieher und legt den geplanten Neubau an der Regensburger Straße vorerst auf Eis. Es wäre nach der Filiale in Fürth der zweite Schweden-Standort in der Region gewesen. Nun ist die Aufregung und die Verwirrung besonders rund um das Rathaus groß. Einen Dringlichkeitsantrag für die Stadtratssitzung am kommenden Mittwoch hat bereits die CSU-Stadtratsfraktion gestellt.

Der Konzern hat unterdessen eine Neuausrichtung seiner Expansionsstrategie angekündigt. Die Schweden wollen einerseits weg von der grünen Wiese und drängen in die Innenstädte. Andererseits will sich man für den wachsenden Online-Handel mit neuen Versandzentren besser aufstellen. Von dieser Neuausrichtung ist explizit auch das 80-Millionen-Projekt im Süden der fränkischen Metropole betroffen.


Keine Standard-Einrichtungshäuser mehr

"Geplant war in Nürnberg eigentlich ein Standard-Einrichtungshaus, also ein Konzept, dass wir in seiner klassischen Form nicht mehr weiterverfolgen möchten", erklärt eine Firmensprecherin am Donnerstag auf Nachfrage dieses Medienhauses.

Der geplante Standort würde derzeit im Hinblick auf "Format und die Größe" einer internen Überprüfung unterzogen. Aber weder "das genaue Format noch die Größe für die Neuplanung" stünden aktuell fest. "Es wird sicher auch noch einige Zeit dauern, bis wir hier konkreter werden können", teilt die Sprecherin des Möbelkonzerns weiter mit. "Was ich sagen kann, ist, dass eine Eröffnung im Jahr 2020 nicht mehr realistisch ist."


Neue Expansionsstrategie

Schließlich müsse man "nun aufs Neue mit der Planung" starten. Gemäß der Neuausrichtung der Expansionsstrategie arbeitet der Konzern jetzt an einem neuen Format für Nürnberg und will dabei verschiedene Optionen prüfen. "Eine Möglichkeit wäre dabei etwa die Kombination aus einem etwas kleineren Einrichtungshaus und einem größeren Lager, von dem aus die Kunden in der Region bei Online-Bestellungen direkt beliefert werden", teilt die Mitarbeiterin des Möbelhauses auf Anfrage weiter mit.

Eine zu starke Neuausrichtung auf den Online-Handel am geplanten Standort in Nürnberg scheint die CSU-Fraktion indes im Vorfeld verhindern zu wollen. Der geplante Standort im Süden der Stadt solle "in erster Linie dem stationären Einkauf" dienen und solle "nicht nur als Online-Distributionszentrum" genutzt werden, erklärt Thomas Pirner, der wirtschaftspolitische Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion.


Nürnberg geschockt

Pirner befürchtet, dass die Schweden durch die Hintertür ein Logistikzentrum für den Online-Handel an der Regensburger Straße planen könnten. "Das ist nicht das, was uns eigentlich versprochen wurde. Dafür ist der Standort zu wertvoll", ist sich Pirner sicher und bedauert, dass die neue Arbeitsplätze nicht so schnell wie geplant entstehen. Den geplatzten Neubau-Träumen weint man in Nürnberg hinterher. Das Areal rund um den Standort wäre durch den Ikea-Neubau aufgewertet worden. Nebenbei hätte der Konzern wohl zwei Millionen Euro in die öffentliche Verkehrsinfrastruktur wie Ampeln und Straßen investiert.

Dies alles muss sich die Stadt nun vorerst von der Backe putzen. "Für mich ist das alles sehr überraschend und enttäuschend", gibt Pirner offen zu.


Es wird gebaut

Dagegen will Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU) optimistisch und zügig in die Gespräche mit dem Konzern über die neuen Pläne gehen. "Positiv ist jedenfalls, dass das ,Ob` des Projekts in Nürnberg nicht in Frage gestellt wird", sagt Fraas am Freitag auf Anfrage und verweist auf andere Ikea-Neubaupläne in Deutschland, die der Konzern in dieser Woche aufgrund der neuen Strategie bereits komplett eingestampft hätte.

"Wir werden schnellstmöglich mit Ikea sprechen, um näheres zu erfahren und um das weitere Vorgehen abzustimmen", kündigt der Wirtschaftsreferent weiter an. Zu welchen Verzögerungen es durch den überraschenden Strategiewechsel nun kommt, lasse sich laut Fraas noch nicht sagen. Gegenüber neuen "Multichannel"-Konzepten aus stationärem Einkaufshaus plus Versandlager für den Online-Handel zeigt sich Fraas aufgeschlossen.

Allerdings erteilt Fraas einem reinen "Online-Auslieferungszentrum" ebenfalls eine deutliche Absage. Primär müsse an dem geplanten Standort in der Regensburger Straße das stationäre Einkaufen im Vordergrund stehen. "Darauf werden wir Wert legen. Es wird auf die Kombination und das konkrete Konzept ankommen", ist sich Fraas sicher.