Kerstin Koller aus Nürnberg wäre heute vielleicht nicht mehr am Leben, hätte ihre Chefin Uta Krüger sie nicht auf einen Leberfleck in ihrem Gesicht aufmerksam gemacht. Dieser sollte sich als lebensbedrohlicher Hautkrebs herausstellen.

Auch wenn für ihre Chefin diese Tat selbstverständlich gewesen sei, gehöre Überwindung dazu, Mitmenschen auf solche Auffälligkeiten aufmerksam zu machen, findet Koller. Diese könne jedoch Großes bewirken. 

Nürnberg: Chefin macht Angestellte auf Hautkrebs aufmerksam - "da geht es um jeden Tag"

Die 53-jährige Nürnbergerin arbeitet bei einer Versicherung und sah ihre Chefin vor der Corona-Pandemie täglich. 2012 habe sich ein kleiner Leberfleck auf der linken Wange gebildet. "Ich habe zwar gesehen, dass sich da was entwickelt hat. Es sah eigentlich ganz gut aus und passte auch an die Stelle, aber ich und auch meine Freundin haben uns nichts dabei gedacht." Uta Krüger sei jedoch nach drei oder vier Wochen skeptisch geworden und habe ihr ans Herz gelegt, zum Arzt zu gehen. 

"Das Melanom ist wahnsinnig schnell gewachsen", erinnert sich Koller. Es habe natürlich eine Zeit gedauert, bis ein Termin ausgemacht und das Ergebnis da gewesen sei. 

Es sei eine Zeit voller Anspannung und Sorgen gewesen. "Du denkst dann, es wandert weiter oder bricht aus. Wer weiß, was da alles im Körper passiert. Da geht es um jeden Tag." Koller habe sofort ins Krankenhaus gemusst und dort mehrere Termine organisieren müssen. "Das Warten ist mit das Allerschlimmste."

Krebs beschäftigt Nürnbergerin später auf traurige Weise erneut

Koller erinnert sich an die mentale Ausnahmesituation in dieser Zeit der Behandlungen und Untersuchungen. "Du funktionierst nur noch, du befolgst einfach die Hinweise der Ärzte. Glücklicherweise ist man hier gut aufgehoben", erklärt Koller. Auf der Arbeit habe sie sich nicht so konzentrieren können, wie gewohnt. Zwar habe sie sich mit ihrer Chefin regelmäßig ausgetauscht, aber erst nach einem weiteren Schicksalsschlag habe sie realisiert, wie wichtig es ist, der Aufmerksamkeit ihrer Chefin angemessene Dankbarkeit zu zollen.

Vor zwei Jahren sei Kollers Schwester an einer anderen Krebsart (Non-Hodgkin) gestorben. "Erst ein Jahr vorher hatte sie ihre Chemo beendet und man sagte ihr, sie habe es geschafft. Dann waren wir in Urlaub und zwei Monate später war der ganze Körper wieder befallen", schildert die Nürnbergerin. Ein einprägsames Erlebnis. "Eigentlich laufen wir wie Ignoranten durch die Welt und realisieren gar nicht, was die anderen einem Gutes tun", so Kollers Beobachtung. Sie habe ihre Hautkrebs-Geschichte dem ZDF geschrieben, als sie einen Aufruf für ein Format sah, das das Engagement von Menschen würdigt. Im Januar 2022 wurde ihre Chefin daraufhin zur sogenannten Mima-Heldin gekührt.

Das Melanom anzusprechen, sei für diese eine Selbstverständlichkeit gewesen. "Sie war sich aber nicht bewusst, was es für eine Auswirkung hatte." Koller wolle auf ihre Geschichte aufmerksam machen, "um zu zeigen, wie toll das war und dass man es öfter machen sollte". Sie selbst merke aber, dass eine gewisse Überwindung dazu gehöre. "Vielleicht ist es der Person unangenehm", sei einer der Zweifel, wenn sie Menschen anspreche. Es erfordere Fingerspitzengefühl und Sensibilität, doch könne Leben retten, wie die Nürnbergerin am eigenen Leib erfahren durfte.

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