Wöhrl, das Haus der Markenkleidung, stemmt sich immer heftiger gegen das veränderte Kaufverhalten und die Konkurrenz durch den Online-Handel im Internet. Mit einem Schutzschirmverfahren will das Modehaus nun zurück in die schwarzen Zahlen. Diesen drastischen Schritt hat das angeschlagene Unternehmen aus Nürnberg am Montag in einem kurzen Schreiben bekannt gegeben.
In den nächsten drei Monaten will die Rudolf Wöhrl AG das Geschäft zurück in die Gewinnzone bringen. Das Textilhandelsunternehmen mit knapp 2.000 Mitarbeitern soll in dieser Zeit saniert werden. In dieser Phase sei das Unternehmen vor Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt und weiterhin voll handlungsfähig, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Der Vorstand bleibe im Amt und führe die Sanierung in Eigenverwaltung durch.

Ein vom Gericht zu bestimmender Sachwalter habe die Aufgabe, die Einhaltung der insolvenzrechtlichen Vorschriften in dem Verfahren zu überwachen. Der bisherige Aufsichtsratschef Andreas Mach übernimmt den Vorsitz im Vorstand. "Ziel ist es, die Gruppe als Ganzes zu erhalten", kündigte Mach am Montag in einem Schreiben an. Bundesweit gibt es derzeit 34 Wöhrl-Filialen. Überall sollen die Geschäfte weiterlaufen. Freilich kommen unprofitable Filialen auf den Prüfstand und könnten womöglich geschlossen werden.


Umsatz ging zurück


Zuletzt war der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/2016 (1. August bis 31. Juli) um rund 16 Millionen Euro auf rund 300 Millionen Euro zurückgegangen. In diesem Jahr rechnet das Unternehmen erneut mit einem Jahresfehlbetrag von rund einer Million Euro. Wohl auch deshalb hat das Textilhaus angekündigt, dass derzeit eine strukturierte Investorensuche für die Rudolf Wöhrl AG zur "erforderlichen weiteren Stärkung der Kapitalbasis" laufe.

Die Eigentümerfamilie Gerhard Wöhrl hat laut Unternehmensangaben sogar ihre Bereitschaft zu einer unternehmerischen Partnerschaft erklärt, gegebenenfalls auch als Minderheitsgesellschafter. Auch diese Ankündigung dürfte zeigen, wie ernst die Lage ist und wie schlecht die Geschäfte laufen. Auf einer Pressekonferenz sollen heute weitere Einzelheiten zum Sanierungsplan und Schutzschirmverfahren in der Zentrale der Rudolf Wöhrl AG in Nürnberg erläutert werden.

Rudolf Wöhrl hat das Unternehmen 1933 gegründet. Nach dem Krieg begründete Wöhrl das heutige Stammhaus am Weißen Turm in Nürnberg. 1970 übertrug Wöhrl das Unternehmen auf seine beiden Söhne Gerhard und Hans Rudolf Wöhrl. Letzterer ist mit der bekannten Bundestagsabgeordneten und ehemaligen "Miss Deutschland", Dagmar Wöhrl (CSU), verheiratet.

Hans Rudolf Wöhrl ist im Jahre 2002 aus dem operativen Geschäft der Familien-AG ausgestiegen, um sich seiner zweiten Leidenschaft, der Fliegerei, zu widmen. Gerhard Wöhrl hat die Unternehmensführung im Jahr 2010 abgegeben. Zwei Jahre später hat mit seinem Sohn Olivier erneute ein "echter" Wöhrl die Position des Vorstandsvorsitzenden der Rudolf Wöhrl AG übernommen. Olivier Wöhrl soll nun "Chief Strategic Officer" werden, während Andreas Mach vom Aufsichtsratschef zum Vorstandsvorsitzenden aufsteigt.


Hintergrund: Der Schutzschirm

Verfahren
Das Schutzschirmverfahren schützt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen. Die Geschäftsführung kann das Unternehmen weiter verantwortlich lenken und selbstständig sanieren. Ihr wird ein Sachwalter zur Seite gestellt, unter dessen Aufsicht sie selbst einen Sanierungsplan ausarbeiten kann.

Antrag
Voraussetzung für dieses Verfahren ist, dass der Schuldner rechtzeitig den Antrag stellt und die Gläubiger keine Nachteile haben, die mit einer regulären Insolvenz zu verhindern gewesen wären. Das Verfahren soll überlebensfähigen Firmen eine echte Chance zur Sanierung geben.