In Nürnberg demonstrierten am Sonntag (3. Januar 2021) mehrere Hundert Menschen unter dem Titel „Coronaverordnung“ gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Die Szenen sind nur schwer mit anzuschauen: Dicht gedrängte Menschen tanzen, feiern, lachen ohne Rücksicht auf das Infektionsrisiko– all das, worauf die meisten seit nun fast einem Jahr verzichten. 

Das zeigt am offensichtlichsten, wie egoistisch die Demonstranten handeln und mit welcher Empathielosigkeit sie dabei unterwegs sind. 

Aber nicht nur für die Vernünftigen, die sich im Verzicht üben, sind solche Veranstaltungen ein Schlag ins Gesicht. Menschen, die als Krankenpfleger, in einem Heim oder in anderen Gesundheitsberufen tätig sind, dürften wohl am stärksten vom Egoismus der Demonstranten getroffen sein. Pfleger erleben jeden Tag hautnah, wie Menschen beatmet werden oder gar sterben, weil sie an Covid-19 erkrankt sind. Während sich die Gesundheitsarbeiter für die Gesellschaft gewissermaßen aufopfern, feiern andere munter Party und setzen sich und andere damit einer erhöhten Infektionsgefahr aus. Und wir dürfen nicht vergessen: Es geht immer noch um ein potenziell tödliches Virus. 

Höhere Infektionszahlen in Nürnberg - mehr Einschränkungen

Klar ist auch: Je höher die Infektionszahlen, desto mehr Einschränkungen muss die Gesellschaft tragen. Desto mehr wird das wahr, was so viele der Demonstrierenden vorgeben zu befürchten. Allerdings hat das dann nichts mit einer Diktatur zu tun, sondern lediglich mit kurzfristigen Maßnahmen, die das Leben von Menschen schützen sollen. Dass wir uns nicht auf dem Weg in eine Diktatur befinden, zeigt alleine schon, dass die gestrigen Demonstrationen stattfinden konnten. In einer Diktatur wäre dies nicht möglich gewesen oder der Protest wäre von der Polizei rigoros beendet worden - im Zweifel auch gewaltsam. Durch solche Demonstrationen werden die Maßnahmen schärfer und die gesamte Gesellschaft darf dann ausbaden, was einige Hunderte verbockt haben.

In einer Stadt mit einer Inzidenz von 307,3 (Stand 04. Januar 2021; Quelle: Stadt Nürnberg), in der die Intensivbettkapazitäten nahezu ausgeschöpft sind (von 186 verfügbaren Betten sind noch 21 frei; Quelle: proplanta), zeugt eine Demonstration gegen die Coronamaßnahmen auch nicht vom Streben nach Freiheit oder der Angst vor einer Diktatur. Sie zeigt nur die Unvernunft und die Verweigerung, sich mit dem Schicksal anderer Menschen auseinanderzusetzen.

Kurz gesagt: Die Demonstranten interessieren sich nicht für ihre Mitmenschen. Und Freiheit kann nur erreicht werden, wenn die Infektionszahlen sinken – dafür ist Zusammenhalt, Vernunft und Solidarität gefragt - Eigenschaften, die die "Querdenker" vermissen lassen. Sonst geht diese Freiheit auf Kosten der Menschen, die an Covid-19 sterben.