Die deutsche Luftwaffe führt im Herbst 2026 eine mehrtägige Übung am Flughafen Nürnberg durch. Schaulustige können dann gleich mehrere Kampfjets des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 aus Neuburg an der Donau bestaunen, die in Franken für den Ernstfall trainieren.

Wie ein Sprecher der Luftwaffe auf Nachfrage von inFranken.de erklärte, soll die aufwendige Übung vom 5. bis 9. Oktober 2026 stattfinden und auch zivile Kräfte einbinden. Ebenso außergewöhnlich war zuletzt ein Roboter-Experiment am Nürnberger Airport.

Vorbild Ukraine: Luftwaffen-Übung am Flughafen Nürnberg

"Dispersed Operations" - unter diesem Namen will die Luftwaffe in aus geopolitischer Sicht zunehmend herausfordernden Zeiten ihre Einsatzbereitschaft proben - und das auch in Nürnberg. "Aktuell planen wir mit vier Luftfahrzeugen vom Typ Eurofighter", so der Sprecher. Prinzipiell solle in allen Bereichen, die Anteil an diesen Übungen haben, die Zusammenarbeit zwischen zivilem und militärischem Personal geübt werden. Es gelte, "Verfahren zu harmonisieren und ein gegenseitiges Verständnis für Abläufe zu schaffen". Dazu würden Dinge, wie Zugangsregelungen, das Einhalten der Sicherheitsvorschriften, Kommunikationsanbindungen, Treibstoffversorgung und Wartungsarbeiten gehören, aber auch das gemeinsame Vorgehen bei Notfällen oder Sicherheitsvorkommnissen.

Aus dem Sinn und Zweck der "Dispersed Operations" macht die Bundeswehr kein Geheimnis: "Moderne Konflikte folgen einem klaren Muster: Wer angreift, zielt zuerst auf die Luftwaffenstützpunkte des Gegners. (...). Die Antwort auf diese Bedrohung ist simpel, aber wirkungsvoll: Verteilung. Wer nicht an einen Ort gebunden ist, bleibt handlungsfähig. Auf viele Standorte ausweichen zu können, zwingt den Gegner, seine Kräfte zu streuen. Deutschland verfügt über rund 30 größere Verkehrsflughäfen, die militärische Jets aufnehmen können. Im Alltag rein zivil genutzt, werden sie im Ernstfall zur Reserve.", heißt es in einem offiziellen Statement.

Wie effektiv diese Verteilung sein kann, zeigte sich bei der russischen Invasion der Ukraine im Jahr 2022. Um Jets und Hangars zu zerstören, Rollbahnen unbrauchbar zu machen und Personal zu töten, wurde eine massive Anzahl an Marschflugkörpern auf ukrainische Militärflugplätze geschossen. Wie die russische Armee in den nächsten Tagen und Wochen allerdings feststellen sollte, war die ukrainische Luftwaffe selbst nach dieser Attacke schlagkräftig genug, um dabei zu helfen, die Truppen Moskaus aufzuhalten, und sie in vielen Teilen des Landes schließlich sogar zurückzuwerfen. Ein Schlüsselfaktor für das Überleben der Luftstreitkräfte war die gezielte Verstreuung von Material und Personal auf verschiedene Stützpunkte im ganzen Land.

Eurofighter-Jets in Nürnberg - tägliche Flugrunden geplant

Um auf diese Weise das Überleben der deutschen Luftwaffe im Kriegsfall zu sichern, wird nun auch hierzulande die zivil-militärische Zusammenarbeit geübt. Angesprochen auf die Wahl des Nürnberger Flughafens, der auch abseits der Übung als Ausweichflugplatz für den allgemeinen Flugbetrieb des Luftwaffengeschwaders 74 fungiert, erklärt der Sprecher der Luftwaffe: "Mit dem Flugplatz Nürnberg besteht ein sehr enges Vertrauens- und Zusammenarbeitsverhältnis, welches von gegenseitigem Verständnis der jeweils anderen Notwendigkeiten, Möglichkeiten und Fähigkeiten geprägt ist". Auch ein renommiertes Online-Portal zeigte sich zuletzt in einem globalen Ranking angetan vom Airport Nürnberg - und platzierte ihn als einzigen deutschen Flughafen in den Top 30.

Trotz des ernsten Hintergrunds wird das Spektakel mit Sicherheit den ein oder anderen Schaulustigen anziehen, denn der Eurofighter gilt als einer der besten und modernsten Kampfjets der Welt. Entsprechend teuer ist er in der Anschaffung, jede Maschine dürfte um die 100 Millionen Euro aus dem Verteidigungshaushalt beansprucht haben. Flugzeugfans werden in Nürnberg auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen - für jeden Tag der Übung ist eine Flugrunde geplant.

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