Von der Bundesstraße aus wirkt die Anlage verlassen. Doch als wir um das Hauptgebäude herumfahren, sehen wir eine Landebahn aus Naturrasen, Flugzeuge, Helikopter und Männer in Arbeitskleidung. Wir treffen Michael, der einst in Rumänien Flugzeuge baute. Regelmäßig kommt er nach Sendelbach, genau wie Christoph Schneider, Andi Herrmann und Josef Badum .

Sie alle sind Mitglied im Flugsport-Club. "Wir kümmern uns um die Anlage und die Fluggeräte, die hier stehen", sagt er. Und bezieht das nicht nur auf Finanzen, sondern auf praktische Arbeit. Gemeinsam schrauben sie an Leichtflugzeugen, mähen die Landebahn und bieten Rundflüge über die Sehenswürdigkeiten der Region an.

Vom alten Glanz zu neuen Höhen

An den Wänden des kleinen, betagten Vereinsheims hängen eingerahmte Berichte aus früheren Zeiten, in denen in Sendelbach große Flugschauen stattfanden. Heute kommen neben Vereinsmitgliedern und Gästen, die einen Rundflug buchen, vor allem werdende Piloten. "Der Verein hat eine Flugschule gegründet, die gut läuft", sagt Josef Badum. Bis zu 15 000 Euro koste es üblicherweise, die Lizenz zu erwerben. "Hier kostet der Flugschein nur 6000 Euro", sagt er. Über seine eigene Stiftung organisiert Badum zudem Rundflüge für Kinder und Menschen mit Behinderung. "Das kommt immer gut an", freut er sich.

Glück und Zufriedenheit strahlt auch Michael aus, als wir nach dem Verhältnis von Aufwand und Nutzen fragen: "In der Luft zu sein fühlt sich nach Freiheit an. Dieses Gefühl ist den ganzen Aufwand wert." Wir glauben ihm.

Der zweite Blick lohnt sich

Zwei Wochen, nachdem die Pfeile auf eine Frankenkarte geworfen wurden, machen sich zwei Volontäre aus Bamberg auf den Weg. Zwischen Sendelbach und Gräfenholz, nahe der Grenze von Unter- zu Oberfranken, ist unser Redaktionspfeil gelandet. Die Fahrt führt über die B279, kurz hinter dem Flugplatz biegen wir ab. Das Foto am Ufer der Baunach ist schnell erledigt, wir überqueren die Bundesstraße und stehen im Ortskern von Sendelbach.

Viel los ist an diesem sonnigen Dienstagvormittag nicht. Zumindest auf den ersten Blick. Der mit Entengrütze bewucherte Dorfteich ruht still, am gepflegt wirkenden Feuerwehrhaus ist auch niemand anzutreffen. Einzig das Bellen eines Hundes durchbricht die entspannte Stille. Er bewacht den gegenüber liegenden Bauernhof. "Wenn du liebst, was du tust, wirst du nie mehr in deinem Leben arbeiten", prangt an der Fassade des Milchhofs. Dieses Motto scheint man wörtlich zu nehmen, Menschen sind nicht in Sicht.

Kleiner Ort, große Feste

Als wir um die Ecke biegen, stehen wir fast schon im Garten von Familie Rosenberger. "Der Milchhof hat 70 Kühe, er ist der letzte landwirtschaftliche Betrieb im Ort", klärt uns Familienoberhaupt Ludwig Rosenberger auf. Mit 87 Jahren sei er der älteste Bewohner des Dorfs, in dem er mit Frau und Kind verwurzelt ist. Als Kind lief er regelmäßig auf hölzernen Stangen durch den Ort. Seitdem nennt man ihn den "Stelzenmann".

"Es gibt viele Aktivitäten im Ort. Die Gemeinschaft wird hier immer noch groß geschrieben", findet er. Kaum vorzustellen, denken wir, doch sofort beginnt seine Frau Marianne zu erzählen. Von den regelmäßigen Feuerwehr-Feierlichkeiten wie dem Maifest, bei dem das ganze Dorf zusammenkomme. Und vom Weihnachtsmarkt, bei dem Krapfen, Bratwurst und Glühwein in Eigenproduktion entstehen.

"Alles, was dort angeboten wird, stellen wir selber her", erklärt Marianne. Vor allem die Bratwürste seien sehr beliebt, kein Wunder, denn "sie sind die besten in der Gegend. Das hat hier Tradition", sagt sie voller Stolz.

Zum Kulturgut habe auch die Rivalität zum benachbarten Gräfenholz gehört, wie uns der Stelzenmann berichtet. "Vor vielen Jahren wurde an der Verbindungsstraße ein Schild vor deren Ortseingang aufgestellt", erinnert sich Ludwig. "Ab zum Elendsviertel" habe darauf gestanden. "Heute ist das Verhältnis deutlich besser, die junge Generation hat damit nichts zu tun", sagt er.

Abgesehen von der Bushaltestelle am Ortseingang, an der die Schulbusse Richtung Rentweinsdorf und Ebern halten, haben wir von der Dorfjugend noch nichts mitbekommen. Das ändert sich, als wir am Feuerwehrhaus vorbei auf den Gutshof gehen.

Sofa, Bands, kühle Getränke: Gottesdienst für Jugendliche

Der Hof gehört dem Adelsgeschlecht der Rotenhans, bewohnt wird er jedoch von Daniel. Der 36-Jährige stammt aus Gaustadt und arbeitet in Bamberg. Doch vor drei Jahren zog er mit seiner Frau und mittlerweile vier kleinen Kindern im Haupthaus des Anwesens ein. "Die Mieten in Bamberg waren für uns nicht bezahlbar. Wir fühlen uns hier wohl, gerade für die Kinder ist es super, im Grünen aufzuwachsen".

Im Nebengebäude war früher die Eiertankstelle untergebracht. Heute beherbergen die zwei Räume das "Rocksofa", das die evangelische Jugend der Gemeinde betreibt. Daniel schließt die Tür auf und zeigt uns den Hauptraum. Er steht voller alter Sofas, die auf eine kleine Bühne ausgerichtet sind. Auch eine Lichtanlage und das Soundsystem gibt es. "Während der Schulzeit halten sie sonntags um 18 Uhr einen Gottesdienst ab, auf der Bühne spielen Bands Kirchenlieder", erklärt Daniel, den das Engagement der Jugendlichen beeindruckt: "Die Jungs und Mädels organisieren das alles selbst. Sie finanzieren sich über Spenden."