Es hört sich ungeheuerlich an, was sich offenbar monatelang rund um den Nürnberger Hauptbahnhof abgespielt hat. Drogendealer sollen es gezielt auf Mädchen und junge Frauen aus prekären Verhältnissen abgesehen haben. Die Masche: Ihre Opfer erst mit Geschenken und harten Drogen gefügig machen und sie dann gnadenlos ausnutzen - bis hin zur Vergewaltigung.

Die Nürnberger Polizei hat jetzt einen 22-jährigen Syrer und einen 25-Jährigen (staatenlos) verhaftet, die im Zuge der Ermittlungen rund um die Fälle am Hauptbahnhof per Haftbefehl gesucht worden waren. Die Vorwürfe gegen die beiden Männer wiegen schwer. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken bestätigte auf Anfrage von inFranken.de, dass die beiden Gesuchten seit Mittwoch (27. Mai) in Untersuchungshaft sitzen. Weiterhin in Haft sitzt außerdem ein 23-jähriger Syrer, der im Kontext der Ermittlungen vor einigen Tagen zuerst verhaftet worden ist.

Nürnberger Ermittlungen: Verdächtiger soll 16-jähriges Mädchen vergewaltigt haben

Zunächst hatte die Polizei gegen zehn Tatverdächtige aus der Drogenszene am Hauptbahnhof ermittelt, darunter auch die drei verhafteten Männer. Mittlerweile, so der Polizeisprecher, habe man die Ermittlungen auf eine weitere Person ausgeweitet.

Außerdem werden zwei der verbleibenden Verdächtigen jetzt per Haftbefehl gesucht - sie sind aktuell flüchtig. Dem 22-jährigen, jetzt verhafteten Syrer legen die Ermittler zur Last, eine 16-jährige Jugendliche vergewaltigt zu haben. Die Tat soll sich nach einem Bericht  von welt.de in einer Wohnung nahe dem Hauptbahnhof zugetragen haben.

Bei den konkreten Anschuldigungen gegen die weiteren verhafteten Verdächtigen verweist die Polizei auf laufende Ermittlungen und hält sich bedeckt. Aber auch hier ist klar: Es geht um Drogen und sexuelle Handlungen mit Minderjährigen.

Hier suchten Dealer vorwiegend Kontakt zu ihren Opfern

In einer Pressemitteilung vom 21. Mai hatte sich das Polizeipräsidium Mittelfranken umfangreich zu Ermittlungen in der Nürnberger Drogenszene rund um den Hauptbahnhof geäußert. Demnach hätten sich Hinweise ergeben, "dass offenbar Angehörige der Betäubungsmittelszene gezielt mit jungen Mädchen in Kontakt treten würden".

Das Geschehen soll sich zumeist im Bereich des Nelson-Mandela-Platzes auf der Rückseite des Nürnberger Hauptbahnhofs sowie in der Südstadt und im Celtispark abgespielt haben. Bei den tatverdächtigen jungen Männern handelt es sich nach Angaben der Polizei "überwiegend um Personen mit syrischer, pakistanischer und nordafrikanischer Herkunft". 

Seit dem 18. Mai hat die Ermittlungskommission (EKO) "Kajal" der Kripo Nürnberg die Polizeiarbeit in diesem Fall übernommen. Zur Zahl der Opfer und zu deren Alter möchte sich die Polizei aktuell aus Gründen des Opferschutzes nicht äußern. Aus ermittlungstaktischen Gründen macht sie derzeit auch keine Angaben dazu, ob sie von einem Fall organisierter Kriminalität ausgeht.