Nicht nur für Senioren, für Mütter mit Kindern und Schwangere ist ein Toilettenbesuch während des Einkaufsbummels oder des Spaziergangs durch Stadt und Gemeinden manchmal notwendig. War die Notwendigkeit durch den coronabedingten "Lock-Down" in den letzten Wochen eher gesunken, stellt sie sich nun in besonderem Maße wieder ein. Viele Bürger "bündeln" ihre Einkäufe und versuchen möglichst viele Besorgungen am Stück zu erledigen. Gleichzeitig erlebt das "To-Go"-Geschäft in der Gastronomie eine neue Blütezeit, die Kunden genießen die Mahlzeiten möglicherweise auf dem Marktplatz oder in den Parks.

Manche öffentliche Toiletten waren bis vor kurzem geschlossen. Doch wohin, wenn es dringend wird und man nicht zum "Wildpinkler" werden möchte?

Öffentliche Toiletten

Die öffentlichen Toiletten am Rathaus, am Bahnhof sowie in unmittelbarer Nähe zum Ortswiesensee Oberwallenstadt in der Stadt Lichtenfels sind zugänglich. Dementsprechend könnten Besucher auch davon ausgehen, eine geöffnete Toilette vorzufinden, verspricht Andreas Schönwald vom Haupt- und Personalamt der Stadt Lichtenfels. Die Corona-Krise habe nicht dazu geführt, dass die öffentlichen Toiletten der Stadt Lichtenfels geschlossen worden sind. Vielmehr werde durch eine Anpassung des Reinigungszyklus sowie der verwendeten Reinigungsmittel versucht, eine bessere Hygiene zu gewährleisten. Das heißt konkret: Die Toiletten am Badesee sowie am Rathaus werden morgens gründlich gereinigt, Verbrauchsmaterialien werden aufgefüllt und es erfolgt eine umfangreiche Desinfektion. Im Laufe des Tages sowie nach Aufkommen werden die "Örtchen" noch dreimal desinfiziert und nach Bedarf gereinigt. Mehrkosten für die neue Handhabung seien dafür derzeit noch nicht entstanden. Ist das überall so?

Schönwald: "Die Ausstattung mit öffentlichen Toiletten auf Kreisebene können wir schwer einschätzen, da unseres Wissens kein Verzeichnis aller WCs existiert und wir die Toilettenverfügbarkeit in anderen Gemeinden nicht beurteilen können."

Doch wie findet man zeitnah eine geöffnete Toilette? Die Toiletten am Marktplatz sind durch Schilder über den Eingangstüren kenntlich gemacht. Eine sonstige Ausschilderung besteht derzeit nicht, wird jedoch in die Überarbeitung des innerstädtischen Beschilderungskonzeptes mit eingebracht, erklärt Andreas Schönwald. Gesetzlich festgelegt ist eine bestimmte Anzahl an öffentlichen Toiletten in einem städtischen oder kommunalen Gebiet aber nicht. "Ein Recht auf öffentliche Toiletten besteht nicht. Selbstverständlich sind wir jedoch im Rahmen unseres kommunalen Selbstverwaltungsrechts sowie im Rahmen der Möglichkeiten bestrebt, allen Betroffenen ein möglichst rasches und hygienisch sauberes Erleichtern zu ermöglichen."

Erst geschlossen, nun wieder offen

Auch die Stadt Weismain hat die öffentlichen Toiletten, etwa im Kastenhof, im Rathaushinterhof oder beim Friedhofsgebäude, die jedoch extern betreut wird, seit vergangener Woche wieder geöffnet. "Vorher war das vom Personal nicht stemmbar", verrät Frank Gebhardt von der Stadt Weismain. "Nun kriegen wir das wieder hin. Eigentlich müssten wir dafür sorgen, dass die ganze Zeit jemand davor steht. Wir versuchen es nun zweimal am Tag mit einer hygienischen Desinfektionsreinigung." In den Wochen zuvor sei die Einschränkung, dass die "stillen Örtchen" geschlossen waren, wenig spürbar gewesen. Vor dem Hintergrund des "Lock-Downs" verständlich. Erst jetzt hätte eine Schließung größere Auswirkungen auf das öffentliche Leben, da wieder mehr Touristen und somit Anfragen kommen. Gebhardt: "Gerade in einer kleinen Stadt halte ich es für wichtig, öffentliche Toiletten vor Ort zu haben, weil nicht jedes Geschäft ein WC hat, aber in der Stadt viele Leute und auch Touristen unterwegs sind!"

In Bad Staffelstein befinden sich öffentliche und behindertengerechte Toiletten unter anderem am Bahnhof, im Rathaus am Marktplatz sowie im Kurpark am Haupteingang. "Alle diese Toiletten sind in unserem Stadtplan, im Stadtplan des aktuellen Gastgeberverzeichnisses und im Stadtplan des Genuss- und Erlebnisführers eingezeichnet und auch zugänglich", sagt Wolfgang Hörath, Geschäftsleiter der Stadtverwaltung Bad Staffelstein. Auswirkungen auf das öffentliche Leben seien nicht wahrgenommen worden. "Die Toiletten werden täglich nach den Vorgaben der bekannten Hygieneregeln durch eigenes Personal gereinigt. Zusätzliche Kosten entstehen kaum, da diese Toiletten sowieso täglich gereinigt werden, auch ohne Corona-Krise."

Lage nicht zentral genug?

Das Angebot öffentlicher Toiletten hat aber auch Schattenseiten: Viele öffentliche Toiletten sind nicht rund um die Uhr geöffnet und befinden sich zum Teil nicht in unmittelbarer Nähe vieler Geschäfte oder Einkaufszentren, wo viel Bewegung herrscht. Oder doch? Entgegen der Meinung einiger Bürger aus Burgkunstadt gibt es beispielsweise eine öffentliche Toilette in der "Unter-Stadt": Am Parkplatz der Raiffeisenbank Obermain-Nord in der Bahnhofstraße gibt es zwei Toiletten, die für jeden frei zugänglich sind. Eine Vereinbarung mit dem dortigen nahen Imbissbetreiber macht das möglich. "Das ist auch so ausgeschildert", berichtet Sven Dietel, Geschäftsleitender Beamter der Stadt Burgkunstadt. Zusätzlich existiere ein öffentliches "stilles Örtchen" am Deutschen Schustermuseum am Marktplatz, das frisch renoviert wurde, und je eines am Rathaus sowie an den Friedhöfen Burgkunstadt und Mainroth. Eine Beschilderung im Stadtgebiet weise auf dieses Angebot hin, das während der bisherigen Wochen der Corona-Krise eingeschränkt nutzbar gewesen sei: teils baubedingt, teils durch Teilschließungen des Rathauses. "Nach unseren Kenntnissen gibt es keine Mehrauflagen bezüglich der Hygiene an den öffentlichen Toiletten", sagt Sven Dietel: "Der Reinigungsplan ist derselbe wie vorher. Eine Reinigungsfirma übernimmt das." Er geht davon aus, dass der Verschmutzungsgrad der öffentlichen Toiletten in Burgkunstadt auch eher gering ist - bedingt durch eine geringe Frequentierung: "Ich schätze, da gehen fünf, sechs oder sieben Leute am Tag rein - anders als zum Beispiel in einer Kurstadt mit vielen Gästen und Touristen wie Bad Staffelstein." Von der Stadt Bad Staffelstein lagen bei Redaktionsschluss noch keine Antworten vor.

Wer ist in der Pflicht, Toiletten für die Bürger im Stadtgebiet und auf Landkreisebene bereitzustellen? Es ist so etwas wie ein Glücksspiel, in einem Ladengeschäft eine geöffnete Toilette vorzufinden: Das Kaufhaus Weka in Lichtenfels zum Beispiel lässt seine Kundentoiletten wegen der Corona-Krise geschlossen, während McDonalds in Lichtenfels sowie die Drogeriekette dm in Burgkunstadt oder der Supermarkt Edeka Werner in Burgkunstadt ihre "stillen Örtchen" geöffnet haben.

Life-City-Center erhält Toilette

Das Life-City-Center besitzt keine öffentliche Toilette auf seinem Areal, jedoch laufen derzeit schon die Ausschreibungen für den Bau einer solchen, teilte die Swiss Life KG auf Anfrage mit. Die Kosten seien in der Planung schon hinterlegt. Sollte keine coronabedingten neuen Hindernisse entstehen, sei eine Realisierung noch in diesem Jahr geplant. Wo sich die öffentliche Toilette befinden soll sowie zur Frage, ob diese entgeltfrei sei, konnte keine Auskunft erteilt werden.

Die Notwendigkeit einer öffentlichen Toilette auf diesem Areal und anderen Einkaufsflächen ist groß. "Viele ältere Menschen laufen von zu Hause in die Einkaufsmärkte oder kommen mit dem Bürgerbus aus den Ortschaften", erklärt Sylvia Heib, Vorsitzende des VdK-Ortsverbandes Burgkunstadt. Kundentoiletten in Norma, Kik oder Netto Burgkunstadt seien beispielsweise nicht vorhanden. "Was sollen die Leute aber auch tun? Sie haben beim Einkaufen schon mal teilweise einen Anfahrtsweg, kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Einkaufen, sind längere Zeit mit Einkaufen beschäftigt und haben den gleichen Weg noch zurück. Also muss doch auch dann eine Möglichkeit bestehen, auf die Toilette zu gehen." Auf die Kulanz benachbarter Restaurants oder Cafes zu hoffen, könne auch keine Lösung sein.

In Privatgesprächen hört man von Ladeninhabern oft, die Kunden hinterließen die Toiletten oft verdreckt, weswegen man kein solches Angebot mehr offeriere.

Wird "Wildpinkeln" gefördert?

"Ich denke, dass jeder vernünftige Mensch gerne gewillt ist, für sein dringendes Bedürfnis 50 Cent zu bezahlen, und hat eine saubere Toilette, vor allem aber: Er hat eine zur Verfügung. Und jeder, der klar denkt, kann das nachvollziehen", meint Sylvia Heib. "Auf die Toilette müssen doch wohl alle. Frauen, speziell die älteren Damen, können doch nicht einfach hinter einem Busch sitzen. Männer machen das leider oft, sie haben es einfacher. Aber auch kleine Kinder müssen mal, da muss es schnell gehen."

Die Lösungsmöglichkeiten gehen noch tiefer: Bei großen Supermärkten könnte man es ja wie in den Autobahnraststätten handhaben. Einen Teil des Bons kann man dort wieder einlösen.

"Es wird natürlich auch einige Menschen geben, die das nicht einsehen", sagt die VdK-Ortsverbandsvorsitzende, die viel Erfahrung mit diesem Problem hat, etwa bei Verbandsreisen. Der Busfahrer pausiere ohnehin mindestens alle zwei Stunden und halte dann eben gleich an einer öffentlichen Raststätte. Bei den Besichtigungen und den Gaststättenbesuchen werde darauf geachtet, dass es saubere Toiletten gibt, möglichst noch behindertengerecht, denn viele ältere Menschen könnten nicht längere Treppen steigen.

"Auch bei allen unseren Veranstaltungen und Ausflügen achten wir darauf, dass möglichst ebenerdige Toiletten vorzufinden sind, und wenn möglich noch eine behindertengerechte dazu", so Sylvia Heib.

Toiletten in den Einkaufszentren

Wenn auch die Wege in den Kommunen des Landkreises kürzer sind, bleibt das Problem dasselbe: Im Gemeindegebiet Redwitz etwa gibt es nur eine öffentliche Toilette an der Aussegnungshalle des Friedhofes, in der Gemeinde Ebensfeld wurde die Frage verneint.

Wird das Thema also totgeschwiegen? "Meiner Meinung nach wäre es besonders wichtig, die Toiletten in den Einkaufszentren zu fördern. Das heißt, die größeren Märkte in die Pflicht zu nehmen, vor allem aber ein Umdenken anzustoßen." Sylvia Heib ist der Meinung, wer Kunden anlockt und Umsatz haben will, müsse auch für die menschlichen Bedürfnisse etwas investieren.