Die Amtskette von Bürgermeister Udo Dauer (CSU) glänzte bei der konstituierenden Sitzung am Montagabend. Doch bekanntlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn an diesem Abend flossen auch Tränen. Keine Tränen der Freude, sondern der Wut. "Das ist ein abgekartetes Spiel", machte sich Gabriele Huber von der Gemeinschaft unabhängiger Bürger (GUB) ihrem Ärger Luft, als sie sich wieder gefasst hatte. Was war geschehen? Hans Schott von der CSU hatte bei der Wahl zum Zweiten Bürgermeister mit elf zu fünf Stimmen der bisherigen Amtsinhaberin ihren Posten weggeschnappt.
Doch das Drama ging dann erst richtig los: Bei der Wahl zum Dritten Bürgermeister kandidierte Huber erneut. Es kam zum Patt: acht Stimmen für sie, acht Stimmen für Michael Dreiseitel (SPD). Da es keinen Gewinner gab, musste die Abstimmung wiederholt werden. Wieder Stimmengleichheit. "Jetzt muss das Los entscheiden. Das sehen die Geschäftsordnung und das Gesetzt so vor", kommentierte Geschäftsstellenleiter Dietmar Zwillich den Wahlkrimi.

Verspätete Rache vermutet

Einen Losentscheid wollte sich Huber aber nicht auch noch antun und erklärte ihren Verzicht auf eine Kandidatur. Wie nicht anders zu erwarten, setzte sich der Sozialdemokrat durch: Zehn Stimmen entfielen auf ihn, zwei Räte votierten für Huber, zwei für Julia Spörlein (CSU), die gar nicht zur Wahl gestanden hatte, und zwei Stimmen waren ungültig. Für Huber stand fest: "Das war eine verspätete Rache von Herrn Dauer. Er konnte es nicht verwinden, dass ich im Wahlkampf gegen ihn angetreten bin", erklärte eine sichtlich enttäuschte Kandidatin gegenüber der Presse.
So wie in Lichtenfels geschehen, hätte man auch in Weismain jede größere Fraktion mit einem Bürgermeisterposten bedenken können. "Man hätte mehr Taktgefühl an den Tag legen können", griff ihre Fraktionskollegin Janine Brunecker diesen Gedanken auf. "Das verstehe ich nicht", guckte Dauer ganz entgeistert. Als Dank für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren - Huber war von 2002 bis 2008 Dritte und von 2008 bis 2014 Zweite Bürgermeisterin - wollte Dauer Huber einen Strauß Blumen überreichen. "Den nehme ich nicht an. Der passt schön in den Innenhof des Rathauses", wies sie das Präsent brüsk zurück.
CSU-Fraktionsvorsitzender Hans Popp wies den Vorwurf vom abgekarteten Spiel im Gespräch mit der Presse weit von sich. Sicherlich hätte man, wie in der Korbstadt geschehen, jede größere Fraktion mit einem Bürgermeisterposten bedenken können. In der CSU-Fraktion sei man jedoch mehrheitlich der Meinung gewesen, dass man nach dem exzellenten Wahlergebnis auch den Zweiten Bürgermeister stellen sollte. "Uns daraus einen Vorwurf zu machen, halte ich für nicht richtig", betonte Popp. Verwundert zeigte er sich darüber, dass Huber bei der Wahl zum Dritten Bürgermeister angetreten sei. Im Vorfeld habe es anderslautende Aussagen aus den Reihen der GUB gegeben. Darauf angesprochen, ob die Angelegenheit Unfrieden säen werde, meinte Popp: "Das wird man sehen. Ich denke, alle müsse jetzt das Ergebnis akzeptieren und zum Wohle der Stadt arbeiten."
Schott und Dreiseitel freuten sich über ihre Ämter. Ersterer hob hervor, dass er gut in den Weismainer Vereinen vernetzt sei und als Pensionär Zeit für Termine wie zum Beispiel Geburtstage habe. Dreiseitel sprach von einem wichtigen Ehrenamt, das er nun bekleide.

Alois Dechant erscheint nicht

Verwirrung gab es um die Verabschiedung von Urgestein Alois Dechant. Dieser hatte bereits im April mit einer emotionalen Rede für einen furiosen Abgang gesorgt und verärgert angekündigt: "Das Rathaus betrete ich nicht mehr!" Er hatte Wort gehalten und war nicht erschienen. In seiner Laudatio sagte Bürgermeister Udo Dauer, dass sich Dechant seit Mai 1978 im Stadtrat zum Wohle Weismains engagiert habe. Dechant hatte aber immer - auch gegenüber der Presse - betont, dass er seit 42 Jahren dem Gremium angehöre. Auf den Krügen, den die ausgeschiedenen Stadträte erhalten hatten, waren neben dem Namen die Jahreszahlen ihres Wirkens eingraviert. "Unseren Unterlagen zufolge ist Herr Dechant erst seit 1978 Mitglied im Stadtrat. Wir werden dem ganzen noch einmal nachgehen. Sollte sich dabei herausstellen, dass uns ein Fehler unterlaufen ist, dann erhält Herr Dechant selbstverständlich einen neuen Krug", versicherte der Bürgermeister am Rande der Stadtratssitzung.

Verwirrung um die Jaherszahl

Tags darauf durchforsteten Geschäftsstellenleiter Dietmar Zwillich und die Sekretärin des Bürgermeisters, Manuela Gast-Scholl, noch einmal das Archiv. "In den Stadtratsprotokollen findet Herr Dechant erst ab 1978 Erwähnung", stellte Zwillich fest. Nach Erinnerung von Altbürgermeister Fritz Dietz ist Alois Dechant seit 1972 Stadtrat. Dechant selbst ist weiterhin der Ansicht, dem Gremium seit 1972 angehört zu haben, wollte aber in dem Telefonat auch nicht gänzlich ausschließen, sich zu irren. Er werde seine Aktenordner durchgehen und mit Herrn Zwillich das Ganze klären.
Den Krug werde er vorerst nicht annehmen, erklärte der ehemalige Stadtrat gegenüber der Presse. Warum? "Weil ich schon genügend Krüge von Herrn Dauer erhalten habe. Zudem bin ich ihm böse, weil er im Wahlkampf vor den Wohltaten eines Alois Dechant gewarnt hat. Dadurch werde Weismain angeblich in ein Abhängigkeitsverhältnis zu mir geraten." Dauer rief er auf, sich erst einmal bei ihm für die unwahre Äußerung zu entschuldigen. Dann könne man, was die Annahme des Kruges anbetreffe, weitersehen.
Neben Dechant waren noch fünf weitere Stadträte und vier Ortssprecher ausgeschieden. Dauer würdigte auch die Verdienste der Stadträte Jochen Bauer (CSU/2008-2014), Günter Herold (CSU/2002-2014), Karlheinz Göring (CSU/2002- 2014), Joachim Kremer (Grüne/2011-2014) und Michael Müller (CSU/2008-2014) sowie der Ortssprecher Michael Bienlein (Siedamsdorf), Dieter Herbst (Geutenreuth), Hans Knauer (Weiden), Reinhard Schütz (Kleinziegenfeld) und Alfons Spörlein (Buckendorf). Die Ausgeschiedenen wünschten ihren Nachfolgen ein glückliches Händchen bei ihrer Stadtratsarbeit zum Wohle von Weismain und seinen Bürgern. Bürgermeister Udo Dauer vereidigte die neuen Stadträte Matthias Müller, Jürgen Dietz, Michael Bienlein, Jasmin Schardt, Jochen Schäfer und Julia Spörlein.