Es war so ziemlich ein bisschen von allem: Information, Vortrag, Musik. Die Kulisse dazu boten am Mittwochabend das Stadtschloss, ein Wehrturm und der Abendhimmel. Und eben darum verging die Zeit wie im Flug. Mit "Ringelnatz - ein echter Schatz!" gelang Helga Siebert und Angelika Eger eine lohnende Verbeugung vor dem Dichter Joachim Ringelnatz, mit Sprachakrobatik und Hintersinn.

Eine kleine Drohung lag über dem Geschehen, zu dem in der zweiten Programmhälfte die Lichter über der Bühne zu scheinen begannen. Donner und Blitz waren im Gespräch, blieben letztlich aber aus. Sie hätten nur bei der Erkundungsfahrt in die ringelnatz'schen Gefilde gestört, dorthin, wo die Hamburger Kabarettistin und Schauspielerin Siebert die Gedichte des Wurzeners Hans Bötticher mit dem ulkigen Ringel-Pseudonym auf die ihr eigene Weise interpretierte, und dorthin, wo die Timmendorfer Vollblutmusikerin mit ihrem Akkordeon dazu interessante Rahmen setzte.

Wohl rund 60 Zuschauer zog das an, so viele, dass kein Stuhl im Biergarten des Stadtschlosses mehr frei blieb. Eigentlich wollte jener Hans Böttcher (1883-1934) Seemann werden. Daraus wurde nichts und so wurde er eben Beobachter, Dichter, Wortakrobat und benannte sich nach einem norddeutschen Begriff für das Seepferdchen.


Die Subtilitäten der Sprache

Durchaus norddeutsch war auch die Vortragsweise von Helga Siebert. Wie auch Eger im äußeren Erscheinungsbild an den Seemann und die Ringelnatz-Figur Kuttel Daddeldu erinnernd, hielt sich Siebert davon entfernt, aus der Fabulierkunst eines Ringelnatz Schenkelklopfer zu machen. Viel lieber betonte sie die Subtilitäten seiner Sprache und auch so gelangen ihr eine Reihe guter Gags.
Zu einem kam es sogar ungeplant, dann, als die Geschichte vom Vogel Greiff erzählt wurde und sich just in diesem Augenblick ein unweit befindlicher Abendvogel Gehör verschaffte. "Das kannst du nicht inszenieren", kommentierte Siebert vor einmal mehr erheiterten Zuschauern.

Dass Siebert mit dem Stoff vertraut ist, dass sie ihn auch verinnerlicht haben dürfte, zeigte sich schon zu einer Begebenheit am Anfang des Programms, dann nämlich, als sich der Wind unter ein Textblatt schob und es mitnahm. Die Hamburgerin, die über die Distanz von 570 Kilometern hinweg mit einem Mann vom Obermain verheiratet ist, memorierte ihre Textpassage dennoch souverän zu Ende. Kluges, Weises, Heiteres und Absurdes zwischen Lyrik und Gesellschaftskritik sollten so für eineinhalb Stunden Raum greifen.


Grandiose Eigenkomposition

Und Angelika Eger? Die, eine Freundin Sieberts und gleichfalls aus dem Norden und noch dazu unter Reifenpanne anreisend, führte über Noten in die Behaglichkeit. Zwischen Zarah Leanders "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen", das von Siebert in interessantem Sprechgesang begleitet wurde, bis hin zu Tangoweisen und dem Klassiker La Paloma reichte ihr Repertoire zwischen Maritimem und Fernweh, wobei auch eine grandiose Eigenkomposition Egers deutlich Anklang beim Publikum fand. Eine interessante Darbietung, in so mancherlei Hinsicht.