Sommerzeit, Tropenzeit, auch in Franken. Nur darf sich keiner wundern, wer bei Prügelhitze mit Kamerateam und Scheinwerfern durch fränkische Städte wie Bamberg, Coburg oder Bad Staffelstein tourt, dass dergleichen nicht unbemerkt bleibt. "Den kenn' ich", meint der langhaarige Studententyp mit dem T-Shirt, auf dem steht "Irgendwann landet jeder beim Erdinger Weißbier", und der das Geschehen von der Straßenseite gegenüber aus verfolgt. "Das ist Steffen Hensler, den schau' ich mir immer am Sonntagabend an."

Nicht ganz. Der etwas füllige Herr mit signifikantem Drei-Tage-Silberbart, der energisch vor den Kameras artikuliert und gestikuliert, ist zwar regelmäßig bei den Sendungen von Steffen Hensler zu sehen ("Grill den Hensler") oder bei Tim Mälzer ("Kitchen Impossible") als deren charismatischer Gegenspieler am Herd. Die Rede ist von Christian Lohse, seines Zeichens Zwei-Sterne-TV-Koch, Genussmensch und Küchenmagier.

Zwei-Sterne-Koch Christian Lohse für Dreh in Franken unterwegs

In Franken ist er für eine andere Sendung unterwegs, die täglich abends auf Kabel 1 ausgestrahlt wird und sich "Mein Lokal, Dein Lokal" nennt. Normalerweise übernimmt da Moderation und Beurteilung der nicht weniger bekannte Sterne-Koch Mike Süsser. Nur muss der auch einmal Urlaub machen, und deshalb hatte die Produktionsfirma bei Christian Lohse angefragt. Der hat das Format gerne ersatzweise übernommen und sich von Berlin nach Franken aufgemacht, um vier lokale Restaurants in einer Woche mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Ein genauer Sendetermin steht derzeit noch aus, und über die getesteten Restaurants fällt noch die Nacht des Schweigens oder der Mantel der Barmherzigkeit. Je nach Sichtweise.

Wer sich mit Lohse unterhält, wie an diesem Abend im "Viktor-von-Scheffel-Gourmet-Restaurant" des Kurhotels an der Therme Bad Staffelstein, erkennt einen unprätentiösen Menschen, der gerne lacht, unkompliziert von Thema zu Thema springt und mit bratpfannengroßen Händen gestikuliert.

Das war nicht immer so. In seinen beruflichen Anfangsjahren, als er sich in seiner Heimat Bad Oeynhausen mit seinem Restaurant "Windmühle" selbstständig gemacht und zwei Michelin-Sterne erkocht hatte, war er, so sagt er selbst, ein "schlimmer Finger". Da blieb es nicht nur bei wüsten verbalen Beschimpfungen, wenn etwas nicht rund oder gar komplett aus dem Ruder lief. Das ging solange, bis ein guter alter Freund den Zirkus einmal in Realität erlebte, den Lohse in der Küche veranstaltete.

Das Erfolgs-"Rezept" von Christian Lohse

Der Freund orderte eine Flasche besten Champagner, kam zu Christian Lohse ins Büro, stieß mit ihm an und schmiss sein Glas mit den Worten aus dem Fenster: "Du bist als Koch das größte menschliche Arschloch, das ich je gesehen habe." Damit war die Freundschaft gekündigt. Ein Erlebnis, das Lohse bis heute als den Punkt beschreibt, an dem er sein Verhalten und seine Einstellung gegenüber Mitarbeitern in der Küche grundlegend geändert hat: "Gemeinsamkeit, Energie und eine positive Grundeinstellung sind für mich seitdem entscheidende Komponenten für den Erfolg."

Ansonsten ist der TV-Koch ein Besessener, ein Getriebener in Sachen Kulinarik. Bereits mit zwölf Jahren kannte er den gesamten Michelin-Führer mit allen Spezialitäten und Köchen auswendig. Da war es nur konsequent, dass ihn seine Lehr- und Wanderjahre quer durch Frankreich führten, einige Praktika in Italien und dann zurück nach Deutschland. Mit 21 Jahren wechselte er nach London in das legendäre Hotel "The Dorchester": "Wir arbeiteten damals in sechs Küchen und mit mehr als 140 Mitarbeitern. Das erste Bankett, bei dem ich dabei war, war ein Catering für 5000 Menschen bei einem Polospiel für die Königsfamilie. Mit acht Lkw sind wir damals rausgefahren." Im "The Dorchester" war es auch, wo der Sultan von Brunei ihn zu seinem persönlichen Leibkoch beförderte. "Es war eine verrückte Zeit, bei der wir für einen Hummer und ein Weißbrot durch die halbe Stadt gejagt wurden. Als dann alles fertig war, hat der Mann einen Bissen Weißbrot und eine Hummerschere gegessen. Der Rest ist dann im Abfall gelandet", erinnert sich 53-jährige Koch nachdenklich.

In seiner Woche in Franken hat er nicht nur die Landschaft und die urigen Städtchen schätzen gelernt. Die Obermain-Therme wurde von ihm zur Entspannung nach dem Dreh am Abend mehrfach besucht. Dass das "Kurhotel an der Therme" über einen eigenen Bademantelgang verfügt, war für den TV-Koch eine feine Sache.

Und Christian Lohse wäre nicht Christian Lohse, wenn er sich nicht auch mit der ihm eigenen Leidenschaft in die fränkische Kulinarik gestürzt hätte. "Also so eine fränkische Tafelspitz-Sülze mit Bamberger Kren hat eine wunderbare Ausgewogenheit." Eine eigene Klasse für sich war für ihn das "Knusprige Schäuferla vom fränkischen Hausschwein in Altenkunststadter Biersauce und mit hausgemachten Knödeln". Und für die frisch über Kiefernzapfen gegrillten Coburger Bratwürste gab es für den Starkoch dazu nur eine Einschätzung: "Drei Sterne!" Ein Wiedersehen mit Franken ist auf jeden Fall geplant. Vielleicht auch mit einem eigenen Kochevent, bei dem Christian Lohse das Menü zusammenstellt und selbst in der Küche das Zepter schwingt. Angedacht ist unter dem Motto "Ein lo(h)ser Abend" eine internationale kulinarische Reise im Kurhotel. Ein Termin steht noch nicht. Aber schön wär's schon, den Meister einmal persönlich in der Praxis erleben zu dürfen.