Dass es nötig ist, in der Alten Darre Sanitäranlagen einzubauen, die den heutigen Ansprüchen genügen, darüber waren sich alle Räte quer durch die Fraktionen bei der jüngsten Stadtratssitzung einig. Doch ist eine Erweiterung der Kulturstätte nötig?
Und, wenn ja, wie umfangreich und zu welchem Preis? Bei diesen Fragen schieden sich die Geister. Nachdem Stadtbaumeister Andreas Ender das Sanierungskonzept vorgestellt hatte, wurde eifrig und kontrovers diskutiert.


Hohe Zuschüsse erwartet

Erste Überlegungen, die Alte Darre am Stadtturm zu renovieren, stammen aus dem Jahr 2016. Damals hatte die Stadt die angrenzende Garage und die direkt anschließende Pergola erworben, mit dem Ziel, die Kulturstätte, die vornehmlich von der Kulturinitiative (KIS) genutzt wird, zu erweitern. Die ersten Planungen gingen der Regierung von Oberfranken, von der sich die Stadt hohe Zuschüsse erwartet, nicht weit genug. So arbeitete das Bauamt nach, nahm auch die Gasse "Am Stadtturm" in die Überlegungen mit auf. Die sehr konkreten Kostenberechnungen des Entwurfs belaufen sich auf rund 624 000 Euro. Die Regierung von Oberfranken wird wohl die zuschussfähigen Kosten (Bürgermeister Jürgen Kohmann geht davon aus, dass das die Gesamtkosten sein dürften) mit 60 Prozent bezuschussen, eventuell beteiligt sich auch die Oberfrankenstiftung.


Eine Rampe am Eingang

Das Hauptaugenmerk der Umgestaltung liegt auf einer Vergrößerung der Spielstätte und der Barrierefreiheit. Letztlich soll die Bühne, die derzeit im Hauptraum für beengte Verhältnisse sorgt, in die bisherige Garage gerückt werden. Was viel Platz für mehr Besucher bringt. Dank einer Rampe sollen auch Gehbehinderte in den Kulturgenuss kommen. Für sie wird im Untergeschoss eine behindertengerechte Toilette geschaffen werden. Im Obergeschoss entstehen laut plan weitere moderne Sanitärbereiche, doppelt so viele wie bisher - dann je Geschlecht zwei.


Neue Heizungsanlage

Komplett ersetzt werden soll die Heizungsanlage (bislang Nachtspeicheröfen) und die Elektroinstallation. "In den Innenräumen könnte man, zumindest stellenweise, die Original-Stadtmauer wieder zeigen", so Stadtbaumeister Andreas Ender. Das äußere Fachwerk der Alten Darre ist übrigens kein Original mehr, sondern wurde in den 1970/1980er Jahren nachgebildet. Deshalb soll es nun verputzt werden. "Die Gasse ,Am Stadtturm' ist in einem desolaten Zustand", führte Andreas Ender aus. "Der Asphalt ist netzartig gerissen." In einem zweiten Bauabschnitt könnte sie gepflastert werden. Durch neue große Fenster-Tür-Konstruktionen könnte sie beispielsweise das Publikum der Kulturstätte sie in Pausen nutzen. Und die rustikale Pergola sowie das Vordach könnten durch eine moderne Stahl-Glas-Konstruktion ersetzt werden.
Während Walter Mackert (CSU) von einer "Wertschätzung für Kulturschaffende" sprach und Parteikollege Andreas Pfarrdrescher "das stetig wachsende Kulturangebot" lobte und das Projekt eine "Investition in die Zukunft" nannte, brachte Winfried Ernst (Freie Wähler) massive Bedenken vor: Im Haushalt 2018 seien nur 200 000 Euro verankert, und man habe kürzlich erst bei der Adam-Riese-Schule eine "Explosion" der geschätzten Kosten hinnehmen müssen. Hinzu käme der Umbau des "Bären-Areals", die Umnutzung des Bahnhofs, der Kauf des Hypo-Gebäudes - und, und, und.


Georg Müller stimmt dagegen

Georg Müller (SPD) gab zu bedenken, dass im "Bären" ja auch eine Kulturstätte für 350 bis 400 Besucher angedacht sei und stellte die Erweiterung der Alten Darre infrage. Auch Ottmar Kerner (CSU) plädierte dafür, "irgendwann mal die Bremse reinzuhauen". Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) argumentierte, dass die Regierung von Oberfranken aber wohl keine bloße Sanierung fördern würde, sondern ein durchdachtes städtebauliches Konzept. Letztlich stimmten die Räte mehrheitlich für die Sanierung der Alten Darre in zwei Bauabschnitten - vorbehaltlich, wie Ernst einforderte, dass die förderfähigen auch die tatsächlichen Kosten sind. Nur Stadtrat Georg Müller votierte dagegen.