Gute Laune, familiäre Atmosphäre, bestes Wetter und tolle Leistungen - der vom TSV Staffelstein zum zwölften Mal ausgerichtete Obermain-Marathon hatte wieder alle Zutaten, damit die Veranstaltung einmal mehr zum Laufsport-Leckerbissen geriet. Schon im Startbereich in der Bischof-von-Dinkel-Straße, wo zeitversetzt die verschiedenen Läufe sowie das Nordic-Walking ihren Auftakt nahmen, kam der familiäre Ausdruck des Obermain-Marathons zum Ausdruck.


Ganz Staffelstein in Bewegung

"Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen", meinte schon Sokrates. An diesem Sonntagmorgen war in der Adam-Riese-Stadt alles in Bewegung. Für das Organisationsteam um Karl-Heinz Drossel hatte es schon die Vorbereitung in sich, zumal der TSV Staffelstein dieses Mal auch die bayerische, ober- und mittelfränkische Halbmarathon-Meisterschaft und erstmals einen 12,5-Kilometer-Lauf ausrichtete.
Dank der guten Vorarbeit und hunderten ehrenamtlichen Helfern stimmten die Rahmenbedingungen. Auch das Wetter spielte wieder mit - trocken und nicht zu warm. Dass die 250 Männer und Frauen, die an diesem Sonntag die anspruchsvolle Marathonstrecke mit Anstiegen hinauf nach Vierzehnheiligen und Banz sowie zum Gipfelplateau des Staffelbergs bewältigten, dennoch etliche Schweißperlen vergossen, kann man sich an fünf Fingern abzählen.


Ungefährdete Siege im Marathon

In der "Königsdisziplin" der Leichtathletik sahen die Zuschauer heuer deutliche Siege. Ungefährdet gestaltete sich der Triumph von Markus-Kristan Siegler vom TB 1888 Erlangen, der nach 2:44:25 Stunden die Ziellinie überquerte und am Ende über 26 Minuten Distanz zwischen sich und dem Zweitplatzierten Dr. Robert Hammer aus Kronach (3:11:07) gelegt hatte.
In Topform präsentierte sich einmal mehr die Siegerin bei den Frauen, die Duisburgerin Antje Möller, die das Profil des Obermain-Marathon auch als Nicht-Fränkin mittlerweile wie ihre Westentasche kennt. Nach ihrem Hattrick in den Jahren 2008 bis 2010 stand sie nun zum vierten Mal ganz oben auf dem Podest und ließ das Rennen anschließend überglücklich Revue passieren: "Ich konnte relativ wenig trainieren. Umso besser war es, dass ich auf dem Staffelberg wusste, ich habe genug Vorsprung. Das gab mir die Möglichkeit, im restlichen Verlauf des Rennens mein Tempo gut einzuteilen."


Rund 1100 beim Halbmarathon

Dichtes Gedränge herrschte beim Start des Halbmarathons. Aufgrund der bayerischen Meisterschaften freute sich der Ausrichter über rund 1100 Teilnehmer. Hier wurde es ungleich spannender. Katka vom Dorp (PTSV Rosenheim), die am Ende in 1:22:08 Std. gewann, musste sich bis zum Schluss ihrer Haut erwehren, um gegen die mit zehn Sekunden Rückstand einlaufende Constanze Bold vom SWC Regensburg die Oberhand zu behalten. Elvira Flurschütz vom SC Kemmern wurde Dritte und zugleich oberfränkische Meisterin.
Bei den Herren hatte Solomon Meme Eshete vom TV Wasserlos am Ende mehr Körner als das Verfolgerfeld, gewann in 1:07:58 Std. vor dem Coburger Addisu Tulu Wodajo (1:08:39), der sich den zumindest den oberfränkischen Titel sicherte. Auch Landrat Christian Meißner, der dankenswerterweise wieder die Schirmherrschaft übernahm, ging hier an den Start, bekam im Ziel freilich nach 1:52:05 Std. Sonderapplaus.


Topathleten starten über 12,5 km

Mit Spannung erwartet wurde der Ausgang der Premiere des 12,5-Kilometer-Laufes. Mit der Neuerung ermöglichte der Veranstalter auch den Laufsportler die Gelegenheit zur Teilnahme, die im Vorfeld nicht wie gewünscht trainieren konnten oder sich vielleicht noch keinen Halbmarathon zutrauen. Natürlich probierte sich auch mancher etablierte Athlet auf der Kurzdistanz. Nico Jahreis vom SC Sparkasse Hochfranken, der schon dreimal den Obermain-Halbmarathon gewonnen hatte, entschied in 45:35 Min. diesen Lauf für sich. Der Zweitplatzierte war ebenfalls kein Unbekannter: "Der Uwe kommt", raunten sich die Zuschauer im Stadion zu, als Uwe Bäuerlein (46:12) ins weite Rund einlief. Als Lokalmatador wurde der sympathische Athlet des TSV Staffelstein von den Fans frenetisch bejubelt. Den zweiten Rang musste Bäuerlein allerdings energisch verteidigen, saß ihm doch Roland Rigotti (TSVNeuburg) bis zum Schluss im Nacken, der zwölf Sekunden nach dem Staffelsteiner ins Ziel kam.
In der Damenkonkurrenz lief Elke Richter in 55:44 Min. ungefährdet den Sieg über die 12,5 Kilometern nach Hause. Schon in jungen Jahren mit den etablierten Läufern auf Augenhöhe agierte Theresa Musiol vom TSV Staffelstein als Zweite (57:30). Die 1998 geborene Athletin trat letztmals in der Jugendwertung an. Als weitere heimische Läuferin komplettierte Claudia Krauß vom RVC Trieb als Dritte in 58:48 Min. das Treppchen.
Die besten Läufer wurden von Verantwortlichen der Leichtathletikabteilung des TSV später in der Peter.-J.-Moll-Halle geehrt. Doch jeder Teilnehmer war an diesem Sonntag ein Gewinner.


78-Jährige bewältigt Marathon

"Durch Bergsprint-Intervalle habe ich mich speziell hierauf vorbereitet", meinte etwa der für den Ifl Hof startende 18-jährige Rehauer Max Ziegler, der seinen dritten Marathon absolvierte und den sehr guten 29. Rang belegte. Auch nicht unerwähnt lassen darf man hier die ältere Generation, die wie in den Vorjahren ihrer unermüdlichen Bewegungsfreude und Sportbegeisterung Ausdruck verlieh. Als Beispiel darf das hessische Ehepaar Mader gelten. Als Jutta Mader - Jahrgang 1938 - als älteste Marathonläuferin die 42,195 Kilometer hinter sich gebracht hatte, stand manchen Zuschauer vor Staunen der Mund offen, als Stadionsprecher Michael Cipura das stolze Alter der Hessin verriet.


16 km durch den Wald gewalkt

Der Ehemann der knapp 80-Jährigen absolvierte wie rund 250 weitere Teilnehmer die 16 Kilometer lange Nordic-Walking-Route durch die Wälder von Kloster Banz und die Mainauen. Wenngleich hier die Zeiten im Vergleich zu den Läufen eine geringe Rolle spielten - auch den Nordic-Walkern stand die Bewegungsfreude und Sportsgeist ins Gesicht geschrieben. Und 16 Kilometer sind dennoch eine famose Leistung, zumal manche Teilnehmer ein ganz schön flottes Tempo an den Tag legten.
"Jetzt kann ich endlich richtig durchschnaufen. Danke an die Athleten für die Teilnahme und ein dickes Dankeschön an alle Helfer", war Karl-Heinz Drossel die Erleichterung anzumerken, als der letzte Läufer wohlbehalten ins Ziel kam. Eine gelungene und stimmungsvolle Siegerehrung in der Peter-J.-Moll-Halle rundete die Veranstaltung ab.
Den 9. April 2017 hat sich so mancher Läufer oder Nordic-Walker schon jetzt vorgemerkt, wenn es, dann in der 13. Auflage, wieder heißen wird: Herzlich willkommen zum Obermain-Marathon.


Heimische Läufer kaum vorn zu finden

Top-Platzierungen heimischer Läufer in der "Königsdiszplin" waren beim Obermain-Marathon diesmal eher Mangelware, was vielleicht in der steigenden Zugkraft der Veranstaltung bayern- und sogar deutschlandweit und demzufolge wachsenden Leistungsdichte begründet liegt. Lobende Erwähnung verdient Jens Neumann, der für das Team Brose Bamberg in 3:16:02 Stunden als Achter den Sprung in die Top Ten schaffte.
Laufurgestein Peter Boysen vom TSV Staffelstein, mittlerweile in der M50 angekommen, wurde in 3:32:41 Std. respektabler 27. von exakt 200 im Ziel ankommenden Marathonis.


Hohe Leistungsdichte im Halbfmarathon

Hoch war die Leistungsdichte im Halbmarathon. So erreichten 2015 acht Läufer eine Zeit unter 1:20 Std., heuer waren es 40. Nicht anders sah es bei den Frauen aus: Hier unterboten 43 Läuferinnen die 1:40-Stunden-Marke, im vergangenen Jahr waren dies sieben.
Neben dem zweitplatzierten Coburger Addisu Tulu Wodajo, zugleich oberfränkischer Meister, kam mit Daniel Götz vom SV Bergdorf-Höhn immerhin ein zweiter Läufer aus der Region unter die ersten Zehn. Das gelang dem Schwürbitzer Alexander Finsel zwar nicht, aber als Gesamt-18. gewann er zumindest die AK M40.
Sandra Nossek (TSV Staffelstein) überzeugte als 24. von 263 Finisherinnen in 1:35:07 Std.


71-jährige Kemmernerin unter zwei Stunden

Alterserscheinungen scheint es bei der 71-jährigen Kemmernerin Sibylle Vogler nicht ansatzweise zu geben. Sie gewann im Halbmarathon - wenig überraschend - die Altersklassenwertung in der W70, blieb dabei aber mit 1:59:09 unter der Zwei-Stunden-Marke und ließ damit rund 100 Läuferinnen hinter sich, die ihre Kinder oder gar Enkel sein könnten.
Über 12, 5 km blieben Claudia Krauß vom RVC Trieb als Dritte sowie die auf Rang 4 einlaufende Schwürbitzerin Liane Thiem unter einer Stunde. Michaela Looshorn (Ebensfeld) kam nach 1:04:12 Std. ins Ziel.


Ergebnisse

Marathon Männer: 12. (3. M40) Patrick Gensel (LG Bamberg) 3:22:32 Stunden; 20. (4. M40) Jochen Rauscher (Team Brose) 3:28:23; 23. (4. M45) Stefan Rühr (RVC Altenkunstadt) 3:31:05;.
Halbmarathon Männer: 6. Daniel Götz (SV Bergdorf-Höhn) 1:11:52 Stunden; 14. (5. M30) Timo Gieck (TV 1848 Coburg) 1:14:45; 16. (2. M45) Oliver Weingarth (SV Bergdorf Höhn) 1:15:15; 28. (3. M40) Marco Sahm 1:17:04; 29. (5. M45) Roland Wild 1:17:10; 35. (7. M45) Tobias Teuscher (alle LG Bamberg) 1:18:52; 42. (2. M50) Andreas Neuwald (SV Bergdorf-Höhn) 1:20:18; 87. (1. ml. Jugend) Oliver Wernsdörfer (TDM Bamberg) 1:23:55;
12,5-Kilometer-Lauf Männer: 10. Eric Fleischhauer (SV Bergdorf-Höhn) 50:47 Minuten; 11. (1. M55) Wolfgang Thiem (TV 1848 Coburg) 55:36; 24. (4. M45) Bernhard Krauß (RVC Trieb) 1:00:00; 25. (3. M50) Helmut Stingl (Baur Versand) 1:00:08; 26. (4. M40) Thomas Kremer (Team Aberio) 1:00:13; 31. (5. M40) Harald Hucke (RVC Trieb) 1:00:45; 37. (4. M55) Bernhard Elflein (TSV Staffelstein) 1:01:30; 46. (7. M45) Olaf Märkl (Team Aberio) 1:03:44; 54. (8. M55) Hans Jürgen Bechtl (Redwitzer Sonntagsläufer) 1:05:16; 59. (8. M30) Viktor Kondradjuk (Team Aberio) 1:06:07; 60. (8. M50) Stefan Hanke (Carpe Diem Weismain) 1:06:10; 62. (3. M65) Heinrich Grebner (TV Weismain) 1:06:35; 74. (9. M45) Thomas Schug (TSV Staffelstein) 1:08:26; 76. (9. M40) Jürgen Achtmann (Team Aberio) 1:08:39; 86. (3. ml. Jugend) Linus Konetzny (Team Aberio) 1:10:26;

Marathon Frauen: 1. Antje Möller (ASV Duisburg) 3:27:39 Std; 6. (1. W40) Elke Beierlieb 3:55:03; 18. (4. W45) Franziska Dussold (beide LG Veitenstein) 4:12:59; 25. (4. W50) Ute Lausch (ASC Burgberg Lichtenfels) 4:34:01; 30. (5. W40) Rebekka Tezel (Running Bros Coburg) 4:40:24.
Halbmarathon Frauen: 19. (3. W35) Cornelia Michaelis (SV Bergdorf-Höhn) 1:33:17 Std.; 28. (2. W30) Gudrun Michels 1:36:48; 34. (6. W35) Jessica Vogt 1:38:45; 41. (7. W40) Susi Rademacher 1:39:34; 42. (5. W45) Martina Eigner-Loch 1:39:37; 43. (2. W50) Christine Geuß 1:39:52; 52. (3. W30) Linda Wagner (alle SC Kemmern) 1:42:41; 57. (9. W35) Katja Messerer (TSV Staffelstein) 1:43:59; 60. (9. W30) Monika Lindenberger (Moll Batterien) 1:44:48; 67. (7. W50) Christine Lieb (TV 48 Coburg) 1:45:28; 68. (8. W30) Kerstin Büchner 1:45:35; 72. (9. W30) Kristin Sauer (beide Run and Bike Coburg) 1:47:51; 91. (2. W60) Daniela Christ (TV 48 Coburg) 1:52:06
12,5-Kilometer-Lauf Frauen: 12. (2. wl. Jugend) Alisia Trautmann (Moll Batterien) 1:04:05 Std.; 21. (2. W 55) Marion Fischer (TSV Staffelstein) 1:06:43; 40. (7. W40) Stephanie Beuschel 1:13:03; 41. (8. W50) Silke Leikeim (beide Team Aberio) 1:13:03; 42. (2. W35) Kerstin Zillig (TSV Staffelstein) 1:13:19; 66. (6. W40) Nicole Ortlauf (Team Aberio) 1:21:10; 68. (9. W40) Silvia Deuerling-Rehe (Sparkassse Coburg.Lichtenfels) 1:21:40