Dass Andreas Dreitz auf der Triathlon-Halbdistanzstrecke - das sind 1,8 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21,1 km Laufen - bereits zur Weltspitze gehört, hat er in den vergangenen beiden Jahren schon mit einigen Siegen und Topplatzierungen gezeigt.


Vorbereitung optimal

Im Frühjahr 2015 wurde der 27-jährige Profi des Teams Erdinger-alkoholfrei durch das Pfeiffersche Drüsenfieber noch in seiner Vorbereitung ausgebremst, doch in diesem Jahr will der Michelauer nach der Abgabe seiner Masterarbeit seines Sportökonomie-Studiums in Bayreuth voll angreifen.
"Die Vorbereitung heuer verlief optimal. Anfang Januar im Trainingscamp in Tschechien haben wir vor allem am Schwimmen gearbeitet. In Thailand habe ich mit sehr guten Athleten trainieren können, vor allem im Laufen. Dazu kam ein Camp mit dem Erdinger-Team, wo ja mit Michael Raelert einer dabei ist, der stets vorne mitschwimmt", erzählt Dreitz. Es gebe Selbstvertrauen in das eigene Leistungsvermögen, wenn er sieht, dass er im Schwimmen mit Raelert mithalten kann. "Man wird gelassener, das ist reine Kopfsache", weiß der Michelauer, der viel an den Kleinigkeiten gearbeitet hat. "Am Material und an meinem Umfeld hat sich nicht so viel getan, aber an meinem Training. Das Radtraining wurde spezifischer, mehr nach Wattzahlen, sodass ich im Wettkampf weiß, was ich geben kann. Im Laufen trainiere ich mehr im Wettkampftempo und mit höheren Umfängen, und im Schwimmen versuchen wir, öfter im höherem Tempo zu trainieren."


Am Start, um zu gewinnen

Und das hat sich bereits ausgezahlt. Zwei zweite Plätze in den 70.3-Rennen in Oceanside (Kalifornien) und in Texas gaben schon einen Fingerzeig. Doch zufrieden war Dreitz nicht. "Ich gehe immer an den Start, um zu gewinnen." Dass er im zweiten Rennen in Texas im Gerangel an der ersten Boje seine Schwimmbrille verlor, danach sich sein Radcomputer verabschiedete und er sich nicht mehr an der getretenen Wattzahl orientieren konnte, waren Ärgernisse. "Dass mich aber Lionel Sanders auf dem Rad überholte, gab mir schon einen Knick, da ich nicht daran geglaubt habe, ihn im Laufen einzuholen", gesteht der Oberfranke.
Am vergangenen Samstag bei der Challenge in Fuerteventura stürzte der Michelauer mit dem Rad sogar nach sechs Kilometern. "Eigentlich dachte ich, mein nächster Flug war am Dienstag geplant ", scherzte er in den sozialen Medien hinterher. Dank der Hilfe eines Motorad-Mechanikers konnte Dreitz das Rennen fortsetzen, allerdings wieder ohne Radcomputer. Trotzdem kämpfte sich der 27-Jährige zurück und ging nach der Hälfte des Halbmarathons sogar in Führung. "Danach bin ich aber gestorben", formulierte er es flapsig. So schob sich erst Andreas Böcherer, dann auch der Brite Will Clarke an ihm vorbei. Dem Freiburger gelang es an der Spitze, seinen knappen Vorsprung vor Clarke zu verteidigen, und er sicherte sich seinen ersten Sieg 2016. Dreitz wurde wenige Kilometer vor dem Ziel auch noch vom routinierten Eberbacher Timo Bracht abgefangen und auf den vierten Rang verwiesen - wieder nichts mit einem Sieg.


Ziel ist die WM im September

Am 7. Mai will Dreitz aber auf Mallorca seinen Vorjahressieg wiederholen. Das große Ziel liegt noch Monate entfernt. Am 4. September findet in Australien die 70.3-Weltmeisterschaft statt. Dort will der Oberfranke nach dem Titel greifen. "Klar gibt es viele Leute, die das wollen. Es muss schon alles passen. Es kann dann so enden wie bei der WM im letzten Jahr, als ich als Erster auf die Laufstrecke ging und am Ende Neunter wurde. Aber so ist meine Einstellung, lieber alles riskieren und auf Sieg setzen, als die Chance ungenutzt zu lassen. "
Der Profi weiß, dass der Sport kurzlebig ist: "Es geht nur um Siege. Von Zweiten oder Dritten redet nächstes Jahr keiner mehr." Die Konzentration liegt voll auf der Halbdistanz. Frühestens 2017 denkt Dreitz auch über die Ironman-Distanz nach. Olympia sei dagegen kein Thema. "Ein Wechsel auf die kurze Strecke ist nicht möglich - andersherum vielleicht. Das ist vergleichbar mit einem 800- und einem 100-Meter-Läufer."