Rund 40 Bürger nahmen an der Versammlung im katholischen Pfarrjugendheim teil. Noch schwerer als die Schließung der Baur-Kaufwelt zum 15. Dezember dieses Jahres wiegt für Gemeinderat Otto Schuhmann (SPD) der Abbau von 300 Beschäftigten in der Verwaltung des Versandhauses. Schuhmann, bekannt für klare Worte, hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: "Es werden Stellen auf hohem Niveau abgebaut. Wie sollen wir da gut ausgebildete junge Menschen in der Region behalten? Das ist für mich noch bestürzender als die Kaufhausschließung."
Rolf Gnatzy gab zu Bedenken, dass von der Schließung des Kaufhauses auch Lieferanten betroffen seien. "Es kommt zu einer Kettenwirkung", sagte er. Eine Einschätzung, die von vielen im Saal geteilt wurde.
Schuhmann appellierte an die Friedrich-Baur-Stiftung, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Bürgermeister Georg Vonbrunn stellte heraus, dass er diesbezüglich bereits Gespräche mit dem Geschäftsführer der Stiftung, Bernhard Betz, sowie Landrat Christian Meißner (CSU), der Mitglied im Stiftungsbeirat ist, geführt habe. "Dabei sind deutliche Worte gefallen." Mit der Schließung des Kaufhauses gehe für die Einwohner ein Stück ortsnaher Versorgung verloren, die über die Güter des täglichen Bedarfs hi nausgehe. Vonbrunn hob seine Bemühungen hervor, die in der Kaufwelt integrierten Einzelhandelsgeschäfte in Altenkunstadt zu halten. Einige davon hätten ihr Interesse bekundet, in Altenkunstadt zu bleiben. Sein Plan: die Schaffung eines Nahversorgungszentrums. "Ich führe unentwegt Gespräche mit möglichen Investoren", sagte er. Namen nannte Vonbrunn nicht.
Gemeinderat Walter Limmer (JWU) meinte, auch die Werbegemeinschaft "Blickpunkt" und das örtliche Handwerk müssten in die Gespräche mit eingebunden werden. Es gehe nicht nur darum, Ladenflächen und leerstehende Gebäude zu finden, sondern auch darum, gemeinsame Ziele zu entwickeln. Vonbrunn versicherte, dass bei einem zweiten Gespräch auch der örtliche Handel und das Handwerk mit einbezogen würden.
Gemeinderat Ludwig Winkler (Freie Bürger der Ortsteile) schlug mit Blick auf das Versandhaus Baur, das in Burgkunstadt, Altenkunstadt und Weismain beheimatet ist, die gedankliche Brücke zur kommunalen Zusammenarbeit. Er zeigte sich enttäuscht darüber, dass sich der Burgkunstadter Stadtrat dafür ausgesprochen habe, Weismain nicht in ein mögliches Mittelzentrum zu integrieren. Mit Kirchturmpolitik komme man nicht weiter. Als beschämend bezeichnete es Winkler, dass der Beschluss in nichtöffentlicher Sitzung gefällt wurde. "Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, zu erfahren, wer wie abgestimmt hat", sagte er. Ins gleiche Horn blies auch Vonbrunn: Es sei falsch gewesen, die Angelegenheit hinter verschlossenen Türen zu besprechen.
Ein eifriger Fragesteller war Hans Hümmer. Als erstes wollte er wissen, wie es um die Widersprüche bestellt sei, die Bürger der Langheimer Straße gegen ihre Beitragsbescheide eingelegt hatten. Die Straße war im Rahmen der Städtebauförderung saniert worden. Ein Teil der Kosten war über die Straßenausbaubeitragssatzung auf die Anlieger umgelegt worden. Die Beiträge fielen jedoch höher aus, als vom Ingenieurbüro prognostiziert, und die Bürger aus allen Wolken. "Die Widersprüche wurden an das Landratsamt weitergeleitet", informierte ihn Vonbrunn. Eine Bearbeitung erfolge in Kürze. "Das Ganze zieht sich schon ein Dreivierteljahr hin", beschwerte sich der Einwohner. Zugleich vertrat er die Meinung, dass die zwei gemeindeeigenen Brunnen ausreichend für Altenkunstadt seien. Den dritten Brunnen, der von der Firma Südwasser betrieben wird, hielt Hümmer für überflüssig. Vonbrunn und Limmer verteidigten die Lösung als richtig. "Man müsse sicherstellen, dass immer genügend Trinkwasser für die heimische Industrie vorhanden sei", sagte Letzterer mit Blick auf einen örtlichen Getränkehersteller. Wassermeister Joachim Wilde unterstützte diese Meinung: Aus einem Brunnen dürfe nicht unbegrenzt Wasser entnommen werden. Das schreibe das Wasserrecht vor. Vonbrunn erinnerte daran, dass der Vertrag mit dem Unternehmen Südwasser im Jahre 2017 auslaufe. "Wir sind also nicht auf Ewigkeit gebunden."
Mit Jürgen Christ, dem Vorsitzenden der Modellfluggruppe Phoenix, meldete sich auch ein Nichtaltenkunstadter zu Wort. Die Modellflieger nutzen für ihr Hobby ein Grundstück zwischen Zeublitz und Wolfsloch. Christ betonte, dass dem Verein an einem harmonischen Miteinander mit den Bürgern gelegen sei: "Wir halten uns an Recht und Ordnung und suchen auch nicht den Konflikt, sondern wollen uns in das gesellschaftliche Leben Altenkunstadts einbringen."
Ein Trink- und Abwassernetz auf hohem Niveau ist nicht zum Nulltarif zu haben. Das stellte der Bürgermeister in seinem Vortrag klar. Er stimmte die Einwohner auf steigende Trink- und Abwasserpreise ein. Auch Verbesserungsbeiträge schloss er nicht aus. "Derzeit kostet ein Kubikmeter Trinkwasser 1,78 Euro, ein Kubikmeter Abwasser 2,71 Euro. Die Verwaltung ist derzeit dabei, die erforderliche Kalkulation vorzubereiten", sagte Vonbrunn.
Den Griff in den Geldbeutel der Altenkunstadter rechtfertigte er damit, dass Abwasser- und Wassergebühren nach dem Bau des neuen Wasserwerks kostendeckend sein müssten. Mit der neuen Trinkwasseraufbereitungsanlage habe man einen entscheidenden Schritt zur Sicherung der örtlichen Wasserversorgung getan und kommenden Generationen optimale Voraussetzungen für eine qualitativ und quantitativ hervorragende Wasserversorgung geschaffen, sagte das Gemeindeoberhaupt.

Zur Haushaltslage


Vonbrunn freute sich darüber, dass man bei der Pro-Kopf-Verschuldung - allerdings ohne Berücksichtigung des Kassenkredits - mit einer Summe von 629 Euro den Landesdurchschnitt von 750 Euro zum 1. Januar dieses Jahres unterschritten habe. Wegen des Neubaus einer Kinderkrippe, des Wasserwerks und der Dorferneuerung Strössendorf habe die Gemeinde einen Kassenkredit in Höhe von zwei Millionen Euro aufnehmen müssen. Der Bürgermeister zeigte sich zuversichtlich, dass nach Bezahlung aller Schlussrechnungen, Abruf aller Fördermittel und Erhebung der betreffenden Beitragsbescheide das Darlehen stark reduziert beziehungsweise überhaupt nicht mehr benötigt werde.

Schnelles Internet


In den Altenkunstadter Ortsteilen kann seit Mai 2012 mit 50 MBit pro Sekunde gesurft werden. Wie ist es um den Ortskern bestellt? Auch hier strebe man einen schnellen Internetzugang an, so Vonbrunn. Hierzu werde man Mittel aus einem neuen Förderprogramm des Freistaates in Anspruch nehmen.

Der Redner informierte die Bürger auch darüber, wie es um den geplanten Wirtschaftsweg von Maineck nach Baiersdorf bestellt ist, der auch als Geh- und Radweg dienen soll. Die Verwirklichung ist wegen der Weigerung eines Grundstückseigentümers, Fläche abzutreten, ins Stocken geraten. Es gebe einen Enteignungsbeschluss des Landratsamtes, sagte Vonbrunn, gegen den der Betroffene Rechtsmittel eingelegt habe. "Es bleibt abzuwarten, wie das Verwaltungsgericht den Beschluss der Behörde bewertet."

Bauplätze verkauft


Voran geht es hingegen im Baugebiet Evangelische Kirche. Nach Auskunft des Bürgermeisters wurden von den 16 Bauplätzen bereits acht verkauft. Auch die ersten Wohnhäuser seien bereits errichtet worden.
Die Dorferneuerung in Strössendorf geht laut Vonbrunn im nächsten Jahr in eine weitere Runde. Im Haushaltsplan für das nächste Jahr werde man den Ausbau der Baumgartenstraße berücksichtigen. stö