Wofür andere Eintritt bezahlen, dafür muss Barbara Starklauf nicht einmal ihre Wohnung verlassen. "Sie sind richtig wie Jugendliche, fliegen herum, streiten sich wie Teenager und legen sich mit den Dohlen an", sagt die Staffelsteinerin über die Turmfalken, die in einer Nische am Stadtmuseum ausgebrütet wurden und vor kurzem ausgeflogen sind.

Barbara Starklauf, die direkt neben dem Museum wohnt, berichtet, dass sich die Turmfalken das ganze Jahr über im Umfeld des Stadtmuseums aufhalten. Die Zeit, in der die Jungvögel vier Wochen nach dem Schlüpfen die Nische verlassen, schätzt sie besonders. "Die Eltern versorgen die vier Jungen noch immer - sie legen ihnen Mäuse bereit, die sie dann fressen können", berichtet sie. Auch miteinander sei das Turmfalkenpaar während der Brut sehr liebevoll umgegangen. Wie Barbara Starklauf erzählt, habe der Falke, der gerade nicht gebrütet hat, den anderen regelmäßig mit Nahrung versorgt.

In unserer Region häufig

"Turmfalken sind eine der Greifvogelarten, die bei uns am häufigsten vorkommen", sagt Jan Ebert, Sachbearbeiter bei der Kreisgruppe Lichtenfels des Bund Naturschutz. Der Bestand der Vogelart sei in den vergangenen Jahren mindestens gleich geblieben oder sogar gestiegen. "Vorausgesetzt, dass es Brutmöglichkeiten gibt, ist der Turmfalke in vielen Dörfern des Landkreises zu beobachten - in Lichtenfels ist er häufig am Oberen Tor zu beobachten."

Turmfalken sind Halbhöhlenbrüter, die auch im Winter an ihrem Standort bleiben. Eigene Nester bauen sie nicht. "Die Greifvögel sind darauf angewiesen, dass schon etwas da ist, wie zum Beispiel halboffene Mauernischen", beschreibt der Mistelfelder die Vögel. Es gebe auch den Fall, dass Turmfalken ein Nest so lange attackieren, bis die eigentlichen Bewohner dieses aufgeben. Turmfalken seien sehr durchsetzungsfähig. Wegen der Art und Weise, wie der Turmfalke jagt, ist dieser auch als Rüttelfalke bekannt. "Der Turmfalke steht rüttelnd auf der Stelle in der Luft, wenn er etwas anvisiert", erklärt Jan Ebert. Diese Methode ist nach Angaben des 49-Jährigen in unserer Region einzigartig. Andere Greifvögel, wie beispielsweise der Mäusebussard, würden in der Luft Kreise ziehen oder ihre Beute von einem festen Standpunkt aus anvisieren.

Der Turmfalke macht vor allem Jagd auf Mäuse. "Hier in der Region sind außerdem der Wander- und der Baumfalke heimisch - während der Wanderfalke Kleinvögel bis zur Größe einer Krähe frisst, jagt der Baumfalke größere Insekten, wie etwa Libellen, und Kleinvögel", sagt Ebert. Im Gegensatz zum Turmfalken seien der Wander- und der Baumfalke im Landkreis jedoch sehr selten.

Vom Artensterben verschont

Dass der Turmfalke nicht vom Artensterben betroffen ist, ist laut Ebert auf dessen Lebensweise zurückzuführen. Er passe sich als Kulturfolger gut an die vom Menschen gegebenen Bedingungen an.

"Wie durch das Volksbegehren Artenschutz im vergangenen Jahr bekannt wurde, haben es vor allem Insekten und Feldflurbrüter schwer", bedauert Jan Ebert. Durch die industrielle Landwirtschaft haben die betroffenen Vogelarten nicht mehr ausreichend Zeit, um ihre Brut großzuziehen: "Große Flächen werden in kurzen Abständen bearbeitet." Von dieser Entwicklung ist nach Jan Eberts Angaben in der Region vor allem der Kiebitz betroffen. Auch die Feldlerche stehe inzwischen auf der Roten Liste.

Umso mehr freut sich Adelheid Waschka, die Leiterin des Stadtmuseums Bad Staffelstein, dass die Falken schon seit etwa sieben Jahren eine Nische an der Hausfassade besetzen. "Früher haben die Falken am Kirchturm genistet, dann wurden sie von den Mauerseglern vertrieben und sind bei uns eingezogen", sagt Waschka.

Auf einem der Bäume beim Stadtmuseum lebe außerdem ein Taubenpaar, das regelmäßig brüte. In ein paar Jahren, so befürchtet die Stadtarchivarin, könnte es ein Problem mit der Renovierung der Hausfassade geben. "Es wird bestimmt schwer, einen Handwerker zu finden, der dann kann, wenn die Brutzeit vorbei ist." In diesem Jahr ist keine Renovierung mehr geplant.

Blick mit der Kamera ins Nest

Was sich Adelheid Waschka wünscht, ist eine Webcam, wie sie es auf der Bamberger Altenburg gibt. "Die Kamera wurde dort so platziert, dass die Turmfalken über einen Bildschirm von den Besuchern der Burg beobachtet werden können", erläutert sie. In Bad Staffelstein wäre es beispielsweise denkbar, eine solche Kamera am Haus gegenüber oder an einem Baum anzubringen. "Von dort aus hätte man eine gute Sicht in die Nische, in der die Falken nisten - dazu bräuchten wir aber einen Sponsor."