Die Afrikanische Schweinepest (ASP) beherrschte am Dienstag die Fachtagung der Schweinemäster im Fleischerzeugerring Oberfranken in der Gaststätte "Goldene Rose" in Grub am Forst. Während Thüringens Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Linke) mit einem baldigen Ausbruch der Seuche rechnet, hält man sich in Bayern mit Prognosen zurück.


Jäger sind gefordert

Keller verwies auf ein erkranktes Tier Anfang Januar in Tschechien. Alexander Troullier vom Landratsamt Coburg gab einen umfassenden Überblick über die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Angesichts des aktuellen Seuchenverlaufes in Europa sei insbesondere die Jägerschaft aufgefordert, ein vermehrtes Auftreten von Fallwild zu melden und Proben amtlich abklären zu lassen. In Deutschland und Thüringen seien bereits Maßnahmen ergriffen worden, um auf einen solchen Fall vorbereitet zu sein. Obwohl die Krankheit eine große Gefahr für Hausschweine und damit ein großes wirtschaftliches Risiko für Tierhalter sei, gebe es keinen Grund zur Panik. Er machte deutlich, dass die Seuche für den Menschen ungefährlich sei.
Ursprünglich aus dem südliche Afrika gelangte die Seuche 1978 nach Sardinien. Seit 2007 tritt sie in Russland auf und gelangte 2014 nach Polen, Litauen, Estland und Lettland. Seit Juni 2017 wurde in Tschechien und Rumänien die Seuche festgestellt. Der Virus bleibt bis zu sechs Monaten in konserviertem Schinken, bis zu 18 Monaten in gekühltem Blut und viele Jahre in tiefgefrorenen Schlachtkörpern. "Das Risiko für Einschleppung von der ASP in der Wildscheinpopulation ist größer als für den Ersteintrag bei Hausschweinen", stellte der Veterinär fest. Die Konsequenzen für den Fall eines Seuchenausbruchs sei die sofortige Schließung der Drittlandmärkte und Handelsbeschränkungen im EU-Binnenmarkt. Das habe massive Absatzschwierigkeiten und einen Preisverfall zur Folge.


Abschussprämie für Schwarzwild

"Trotz jährlich vermeldeter Rekordstrecken nehmen die Schwarzwildbestände weiterhin zu", so der Referent. Im Jahr 2016 überschritte die Population 90 000 Tiere. Daher sollten Jagdstrategien weiterentwickelt, die Seuchenprävention intensiviert und die Seuchenbekämpfung optimiert werden. Es müssten im Krisenmanagement Übungen durchgeführt und grenznahe Tiertransportfahrzeuge desinfiziert werden. Außerdem sollte dringend der Entwurf einer Verordnung zum Schutz vor der Verschleppung erarbeitet werden. Die Regierung könne Maßnahmen in Bezug auf die Tötung von Wildschweinen für den gefährdeten Bezirk anordnen.
In der Hochrisiko-Zone müsse eine passive Überwachung aller toten Wildschweine erfolgen. Ähnlich wie in Tschechien sollten 160 Euro für jedes gefundene tote Wildschwein gezahlt werden. Ein Jagdverbot, Fütterungsverbot und Ernteverbot müsse erlassen und ein Elektrozaun um die Zone errichtet werden. Die Beseitigung und Probengewinnung dürfe nur unter Überwachung erfolgen. Verbote der Freilandhaltung von Hausschweinen und die Verfütterung von Grünfutter aus dem gefährdeten Gebiet seien erforderlich.
Der Vorsitzende des Fleischerzeugerringes Oberfranken, Jan Schrijer, berichtete über die aktuelle Lage auf dem Schweinesektor. So seien nach einigen stabilen Jahren die Preise für Mastschweine regelrecht eingebrochen. Gerade noch einmal 1,28 Euro erhalte der Schweinemäster für ein Kilogramm Schlachtgewicht. Anfang Oktober waren es noch 1,53 Euro. "In der Schweinemast wird derzeit keine zufriedenstellende Rentabilität erreicht", sagte er. Die Produktionskosten lägen weit unter dem Erlös.
Klar sei auch, dass die Rahmenbedingungen die Schweinemäster zunehmend vor größere Probleme stellten.
Die betriebswirtschaftliche Situation und der Ausblick in die Zukunft bildeten ein zentrales Thema der Tagung. Neue Herausforderungen wie die Tierwohlinitiative und das Antibiotika-Monotoring gelte es auch bei den Schweinemästern zu meistern. "Nicht alles, was Tierwohl genannt wird, ist auch Tierwohl", so Schrijer. "Es ist langsam an der Zeit, die Tiere auch vor den Politikern zu schützen."
Der fachliche Leiter des Fleischerzeugerringes, Rüdiger Wintersperger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg, untermauerte die Referate mit Zahlen. In Oberfranken standen im Geschäftsjahr 2016/17 200 322 Tiere in den Ställen. Das Einstallgewicht betrug 30,4 und das Mastendgewicht 122,8 Kilogramm. Die Futterkosten lagen bei 54,7 und die Ferkelkosten bei 70,4 Euro. Der Bruttoerlös pro Tier betrug im Schnitt 171,70 Euro. Die organisierten Ferkelmastbetriebe nahmen in zehn Jahren von 257 auf 96 in Oberfranken ab.