Wer bei Dunkelheit ohne entsprechende Beleuchtung mit dem Fahrrad fährt, bringt nicht zuletzt sich selbst in Gefahr. "Ich stand einmal bei Nacht mit dem Streifenwagen an einer roten Ampel, als ein Radfahrer einfach an mir vorbei über die Straße fuhr", erinnert sich Michael Lang. Der Fahrradfahrer habe nicht einmal verstanden, warum er daraufhin eine Anzeige bekommen hat. Laut dem Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizei Lichtenfels ist es definitiv der Fall, dass sich Radfahrer wie auch Pkw-Fahrer nicht an den gängigen Verkehrsregeln orientieren: "In der Bamberger Straße sind stadteinwärts immer wieder Radfahrer auf dem Gehweg zu beobachten. Viele wissen außerdem nicht, dass in der Fußgängerzone Schritt gefahren werden muss."

Wie Lang berichtet, ist ein Grund für die Regelverstöße die Unwissenheit der Radfahrer. Als Kind haben viele einen Wimpel in der Grundschule bekommen. Nach der erfolgreich bestandenen Fahrradprüfung gibt es keine Weiterbildungsmaßnahmen mehr. "Viele Leute sind überrascht, wenn man sie auf Verstöße hinweist." Ein Beispiel dafür ist das Fahren auf dem Gehweg. Viele Radler seien sich nicht darüber im Klaren, dass sie eigentlich die Straße benutzen müssen. "Wer als Radfahrer auf dem Gehweg fährt, bringt Fußgänger in Gefahr, außerdem ist es schlecht, als Radfahrer den Platz auf der Straße aufzugeben", erklärt Lang. "Der Autofahrer gewöhnt sich sonst daran, dass die Radfahrer auf den Gehweg ausweichen und nehmen weniger Rücksicht", ergänzt Helmut Peschel. Wie der Spezialist in Sachen Zweirad der Polizei Lichtenfels weiß, kann es auch für den Radler gefährlich werden, auf dem Gehweg zu fahren. "Einer der schwersten Fahrradunfälle, den ich aufgenommen habe, wurde durch die Gehwegbenutzung des Radfahrers verursacht", erinnert er sich.

Unerwartete Gefahr

Für einen Unfall kann es mehrere Ursachen geben. Unter anderem ist es möglich, dass ein Autofahrer aus einer untergeordneten Straße oder Einfahrt fährt und dabei den Radfahrer übersieht. "Wenn zwei Fahrradfahrer, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen, den Gehweg benutzen, kann es in einer Kurve auch zu einem Zusammenstoß kommen, die Radfahrer sehen sich vorher schließlich nicht", berichtet Peschel.

Ein weiteres Problem ist das Fahren in der Fußgängerzone. "Viele können ihre Geschwindigkeit nicht richtig einschätzen und fahren mit 20 Stundenkilometern durch die Fußgängerzone. Das ist dann eindeutig keine Schrittgeschwindigkeit mehr", sagt Jürgen Hagel. Dem stellvertretenden Dienststellenleiter zufolge gibt es regelmäßige Kontrollen - mit einer Laserpistole in der Fußgängerzone habe die Polizei Lichtenfels allerdings noch nicht gestanden, um die Geschwindigkeit der Radfahrer zu messen. Es habe da noch keine Beschwerden, also auch keinen Handlungsbedarf gegeben. "In Bad Staffelstein, Lichtenfels, Burgkunstadt und Weismain gibt es im Frühjahr und in den Herbst hinein Kontrollaktionen - das größte Problem ist die Beleuchtung", sagt Hagel. Junge Leute würden oft Stecklichter an ihren Rädern anbringen, vor allem bei den Pedelec-Besitzern sei ein positiver Trend zu beobachten, was die Beleuchtung betrifft.

Alkohol und Geschwindigkeit

Was die Unfallursachen betrifft, sei kein Unterschied zwischen Fahrrädern, Pkws und Pedelecs, die umgangssprachlich als E-Bikes bekannt sind, zu beobachten. "Die Hauptunfallursachen im vergangenen Jahr waren eine nicht angepasste Geschwindigkeit oder Trunkenheit", berichtet Hagel. Lang zufolge war es bereits oft der Fall, dass Pedelec-Fahrer in Hecken gefahren oder gestürzt sind, weil sie mit der Geschwindigkeit überfordert waren. "Viele Verkehrsteilnehmer steigen auf Pedelecs um; es ist sehr wichtig, ein Gespür für die Geschwindigkeit zu entwickeln. Man setzt sich drauf, tritt kurz an und bekommt sofort Leistung", gibt Lang zu bedenken. Vor allem sei es wichtig, einen Helm zu tragen, der lebensrettend sein kann.

Leistung der Räder entscheidend

Beim Großteil der Elektrofahrräder, die hier im Umkreis unterwegs sind, handelt es sich um Pedelecs. "Der Unterschied zu den S-Pedelecs liegt in der Unterstützungsgeschwindigkeit. Pedelecs unterstützen bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern", erklärt Peschel. S-Pedelecs unterstützen bis zu einer Geschwindigkeit von 45 Stundenkilometern. "Wer ein S-Pedelec besitzt, muss dieses versichern, braucht eine Betriebserlaubnis und muss einen geeigneten Helm tragen - das gilt für alle Elektrofahrräder, die Geschwindigkeiten von mehr als 25 Stundenkilometern unterstützen."

Ein Problem sei es, dass viele mit der Unterstützung bis 25 Stundenkilometer nicht zufrieden sind. "Das Internet bietet zahlreiche Anreize, wie die Räder schneller gemacht werden können. Im vergangenen Jahr haben wir ein Rad sichergestellt, das gar keine Tretunterstützung mehr brauchte", berichtet Peschel. Der Fahrer war nicht versichert, hatte keine Betriebserlaubnis und auch keinen entsprechenden Führerschein. Darüber hinaus sei der Streifenwagen eines Kollegen vor kurzem mitten in Lichtenfels von einem getunten Pedelec überholt worden. "Das passiert uns nicht tagtäglich, der Fahrer bekam eine Anzeige und das Gefährt wurde sichergestellt."

Rad registrieren gegen Diebstahl

Abgesehen von den Verkehrsdelikten, in die Radler involviert sind, hat die Polizei regelmäßig mit Fahrraddiebstählen zu tun."Wir haben bestimmt 20 Fahrräder und außerdem unzählige Einzelteile hier im Präsidium, die wir sichergestellt haben - bei vielen wurde versucht, die Rahmennummer zu verschleiern." Wer sein Fahrrad registrieren lässt, hat eher die Möglichkeit, es nach einem Diebstahl wiederzubekommen. "Einen Vordruck gibt es bei der Dienststelle. Durch die Erfassung der Rahmennummer und eine genaue Beschreibung des Rads ist es nachvollziehbar, wem es gehört", berichtet Peschel. Vor allem in Hinblick darauf, dass der niedrigste Durchschnittspreis für ein Markenfahrrad mittlerweile bei etwa 500 Euro liege, sei eine Registratur sinnvoll. "Ein vernünftiges Elektrofahrrad kostet mindestens 2500 Euro."

Häufigste Verstöße von Radfahrern in Oberfranken

Verstöße Der Großteil der von Radfahrern in Oberfranken begangenen Verstöße verteilt sich auf die nachfolgend aufgelisteten Bereiche, die absteigend nach ihrer Häufigkeit sortiert sind.

Lichttechnische Einrichtungen

Hierunter fallen Verstöße, bei denen die lichttechnischen Einrichtungen am Fahrrad nicht vorschriftsgemäß sind, oder auch Verstöße gegen die Benutzungspflicht des Lichtes, wenn die Sichtverhältnisse es erfordern - zum Beispiel bei Dunkelheit. Hierfür sieht der Bußgeldkatalog jeweils ein Verwarnungsgeld von 20 Euro vor.

Benutzung von Mobiltelefonen

Die Nutzung des Mobiltelefons während der Fahrt stellt das zweithäufigste Delikt der angezeigten Fahrradfahrer dar. Für diese Fälle ist ein Bußgeld von 55 Euro vorgesehen.

Nutzung von Gehwegen

Die vorschriftswidrige Nutzung von Gehwegen durch Fahrradfahrer wird in der Regel ebenfalls mit 55 Euro geahndet.

Trunkenheit im Verkehr / Gefährdung des Straßenverkehrs

Bei diesen Delikten handelt es sich um Straftaten, diese sind daher nicht vom Bußgeldkatalog erfasst. Über eine entsprechende Strafe entscheidet das Gericht.

Rotlichtverstöße

Für die Missachtung von Rotlichtphasen durch Radfahrer ist ein Bußgeld von 60 Euro angesetzt. Hat die Am- pel bereits länger als eine Sekunde Rot angezeigt, sind sogar 100 Euro fällig.

Quelle: Polizeipräsidium Oberfranken