Seit zwei Jahren wird das Lichtenfelser Rathaus im laufenden Betrieb "vom Dach bis runter saniert", wie Ulrich Sünkel vom Hochbauamt sagt. Die Außenarbeiten sind nun großteils abgeschlossen. Aus diesem Anlass zeichnete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Rathaus mit einer Bronzeplakette aus. Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) nahm diese entgegen. Überreicht wurde die Auszeichnung von Uwe Franke, Ortskurator Oberfranken der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gemeinsam mit Ulrich Krückel, der die Bezirksstelle von Lotto Bayern in München leitet. Die Institutionen förderten die Instandsetzung von Dach und Decken mit 70 000 Euro.


Umfassende Sanierung

Rund zwei Millionen Euro betragen die Gesamtkosten für die Sanierung. Ausschlaggebend, so Bürgermeister Andreas Hügerich, war der desolate Zustand der Dachkonstruktion. Diese war stark beschädigt, ebenso mussten die Dachentwässerung und der Blitzschutz erneuert werden. Daneben bestand weiterer Sanierungsbedarf an der Fassade - dort bildeten sich Risse, die Decken und Außenwände setzten sich. Auch mussten alle Gauben erneuert werden. "Nun befindet sich das Rathaus in einem hervorragendem Zustand und auch innen hat sich einiges getan", sagt der Bürgermeister erleichtert.
"Der Denkmalschutz freut sich, dass das Rathaus nicht einfach abgerissen oder anderswo neu gebaut wurde", sagt Ortskurator Uwe Franke. "Die Plakette wird aber nicht einfach so übergeben, es müssen bestimmte Qualitätskriterien erfüllt werden." So müsse eine moderne Nutzung ermöglicht werden, welche die Bausubstanz nicht zerstört. "In Lichtenfels gab es ein sehr gutes Sanierungskonzept", erzählt er weiter. Der Bürgermeister erklärt: "Wir haben die Gelegenheit genutzt, neben barrierefreien Zugängen auch die Verwaltungsabläufe zu optimieren". So soll der Bürgerservice zum Beispiel nach vorne in den Eingangsbereich verlegt werden. Darüber hinaus wurden, so Franke, energetische Aspekte berücksichtigt, die Arbeitsbedingungen nach modernen Kriterien, wie Licht und Luft, umgesetzt und die Sicherheitsbestimmungen für den Brandschutz und Fluchtwege beachtet. "Das alles in einem historischen Gebäude in Einklang zu bringen ist hier gelungen, deshalb erhält die Stadt die Plakette." Zudem sei das Rathaus aufgrund seines Alters ein herausragendes Denkmal, das es zu wahren gilt.


Schwieriger Umbau

1740 wurde das Gebäude errichtet. Es zählt bayernweit zu den bedeutendsten Bauwerken seiner Gattung. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehrfach umgebaut. "Das sieht man auch im Dachboden, dort waren sieben Böden übereinander gelegt. Wenn einer kaputt gegangen ist, hat man einfach einen neuen drüber gelegt", erzählt Sünkel. Die Zusammenarbeit mit den Handwerkern laufe aber, trotz solcher "Überraschungseier" sehr gut. "Wir haben im Sitzungssaal zum Beispiel Balken ausgewechselt, ohne dass das Dach heruntergekommen ist. Es macht mich stolz und freut mich, dass alle den Mut haben, auch mal andere Wege zu gehen", so Sünkel. Doch die ungewollten Überraschungen schieben die Zeitpläne immer wieder nach hinten. "Altbauhäuser sind eben Bastelhäuser", sagt er. Deshalb sei die komplette Fertigstellung der Sanierung auf Frühjahr 2019 angesetzt. "Das Ganze könnte man auch bis September oder Oktober schaffen, aber dann müssten alle Mitarbeiter ausgesiedelt werden", erklärt der Bürgermeister. Das käme für sie nicht in Frage.
Außerdem habe er, auch in Hinblick auf die Landtagswahlen, "gerne Luft im Zeitraum".
Denn die einzelnen Abteilungen räumen Schritt für Schritt ihre Zimmer für den Umbau. "Eines kommt nach dem anderen dran, damit der alltägliche Arbeitsablauf funktioniert", sagt er. "Wir schauen, zügig voranzukommen aber nichts zu übereilen." "Die Bürger haben Verständnis für dafür, ich habe bisher mehr als 90 Prozent positive Resonanz zum Umbau erhalt", sagt Ulrich Sünkel. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht sei der Umbau positiv für zu betrachten. "Die Stadt gibt Geld an die heimischen Firmen und dieses Geld wird dann wieder im Landkreis eingenommen", erklärt der Ortskurator. Das Rathaus habe in vielerlei Hinsicht einen Mehrwert für die Region und eine symbolische Tragkraft.

"Es geht nicht darum, groß Geld zu verteilen", sagt Franke. "Vielmehr können sich Bürger, die ebenfalls ein Altbauhaus besitzen, ein gutes Beispiel daran nehmen, wie man denkmalgerecht saniert." Das sei wichtig, denn durch den Erhalt der Bauwerke bliebe das kulturelle Erbe erhalten. "In Zeiten der Globalisierung lohnt es sich, die kulturelle Identität, zu der auch Bauwerke gehören, zu pflegen und zu wahren." Das sei mit der Sanierung gelungen. Ulrich Sünkel ist optimistisch: "Das was wir gemacht haben, hat Bestand. Es ist unser Wunsch und Ziel, dass es noch weitere 270 Jahre standhält."