4000 Besucher. Mindestens und das aus Tradition. Das Ragnarök-Festival ist Ort für Beobachtungen. Ein Festival zwischen Szenegehabe und Jugendkultur, ein Festival auch in Statistiken.
Während die eine Heavy-Band noch auf der linken Bühne spielt, spielt sich die andere hinter dem Vorhang auf der zweiten Bühne ein. Die Violinistin der Band Harpyhe lässt sich ein klassisches Glissando von den Fingern gleiten, wenig später geht ihre Kunstfertigkeit in Dezibel unter. Eine Stimme vom Band und voll Grimm zitiert oder erfindet alte Mythen. So ist es fast immer bei den insgesamt 27 Bands an diesem Wochenende.


Wotan, Odin und Thor

Es geht um das Nordische, das Alte, um Wotan und Odin und Thor. Dazu braucht es den fünfsaitigen Bass, Mischpult und Double-Bass-Drum, vor allem aber gespieltes Erzürnen in kratziger Stimme, in einem Gesang, der lautmalerisch auch ans Kotzen erinnert. Hatte Friedrich Siegburg noch einst von der Lust am Untergang geschrieben, zelebrieren hier Musiker und Fans die Lust an der Düsternis. Doch ihr Humor ist zumeist skurril und das Düstere scheinbar.
Benedikt Adolf ist Feuerwehrmann. Einer von 25, die an diesem Wochenende an der Stadthalle im Einsatz waren. Von Donnerstag, 19 Uhr bis Sonntag, 3.30 Uhr. Da, Samstagnachmittag, der erste Einsatz - endlich. Gruppenführer Benedikt nimmt die Beine in die Hand und rennt zu einem Aschenbecher, aus dem es qualmt und raucht. Zwei Güsse aus seiner Wasserflasche genügen. Das 20 Meter entfernt verpflichtend hier zu stehende Löschfahrzeug LIF 2399 fasst 1600 Liter Wasser. Davon abgeben musste es nichts. Dann, es ist 17.16 Uhr, vermeldet Benedikt Adolf eine wirklich wichtige Nachricht: "Bayern führt 4:1."


Rätseln über Zuschauerzahl

Über 4000 Zuschauer 2012. Und danach? Danach tauchen die Besucherzahlen der Folgejahre auf der Wikipedia-Seite des Festivals nicht mehr auf. Es seien jeweils über 4000 Besucher gewesen, manche hier auf dem Gelände vermuten sogar 6000. Aber damit soll es sein Bewenden haben, erklärt auch der in die Organisation eingebundene Christian Thiem, vielleicht nicht Mädchen für alles hier, aber doch Mädchen für vieles. "Wir wollen nicht mehr wachsen", sagt er.


Ruhiges Wochenende für das BRK

Stephan Braun ist Arzt. Und für das BRK vor Ort. Er und 35 andere über die Tage verteilt, in der Nähe einer mobilen Rettungsstation und von vier BRK-Fahrzeugen, darunter auch Rettungsfahrzeugen. Echte Herausforderungen angesichts der auf dem Fußballplatz feiernden und saufenden Festival-Camper? Fehlanzeige, nichts was ihn an den Rand der Ärztekunst gebracht hätte.
2010 war der Höchststand erreicht. 38 Bands. Nun 2018, sind es 27. 40 Minuten haben sie für ihre Auftritte und 15 für Autogrammzeiten, alles geregelt, alles getaktet. Nur viermal in seinen nun 15 Ausgaben fand es zu einem früheren Termin, also beispielsweise noch im März statt. Ansonsten Mitte/Ende April oder genau wie jetzt.
Kostete die Eintrittskarte 2004 noch zehn Euro, so sind es jetzt rund 60. Aber von 120 Besuchern und neun Bands in Hollfeld auf über 4000 und 27 Bands in Lichtenfels hat seinen Preis.
M. ist Pfandflaschensammler. Professionell und eine Institution vor Ort. Er nimmt sich Urlaub und reist zu Festivals. Ging er in den vergangenen Jahren noch mit dem Einkaufssack über das Campinggelände (Fußballplatz hinter Stadthalle) so bringen die Festivalbesucher die Dosen nun zu ihm und legen sie in den von ihm irgendwie organisierten Einkaufswagen. Man ist höflich zueinander, verbeugt sich mitunter und gibt sich Klapse auf die Schulter. Ms Reingewinn wird schon vierstellig sein.