Nach der umstrittenen Hausdurchsuchung im Juni bei einem älteren Ehepaar gibt es zumindest offiziell keine neuen Erkenntnisse. Wer die Fahrbahn der Oberlangheimer Straße mit recht professionell wirkenden "Tempo 50"-Symbolen beschriftete und dadurch unbeabsichtigt Schaden an einem darüberfahrenden Auto verursachte, ist bislang nicht bekannt. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Coburg hält sich bedeckt. "Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen", sagt Johannes Tränkle. Und auch bei der Lichtenfelser Polizei verweist man auf das laufende Verfahren. Dass es erst am letzten Juli-Wochenende in dieser Sache eine Zeugenvernehmung gab, wie vor Ort zu hören war, wird eingeräumt. Konkrete ent- oder belastende Erkenntnisse hätten sich daraus aber nicht ergeben.

In Klosterlangheim hat sich die erste Aufregung über die Hausdurchsuchung bei dem 81-jährigen Anwohner und seiner Frau gelegt. "Den beiden geht es, glaube ich, etwas besser, auch wenn sie die Sache immer noch mitnimmt", sagt Ortssprecher Thomas Goller.

Ehepaar wird anwaltlich vertreten

Sie hätten sich einen Anwalt genommen. An dem Thema, das dem Ganzen zugrunde liegt, hat sich nichts verändert. Es werde weiterhin von vielen zu schnell in den Ort hineingefahren, und zwar nicht nur auf der Oberlangheimer Straße, sondern auch auf der Rother Straße und auf der Staatsstraße. Goller engagiert sich seit zwei Jahren als Schulweghelfer, ist jetzt im Vorruhestand. Er war Betriebsleiter bei der Omnibusverkehr Franken GmbH, hatte dabei auch mit Unfällen zu tun. "Das nimmt einen schon mit", merkt er an.

Was die Ortsdurchfahrt betrifft, verspricht er sich von der geplanten optischen Verengung etwas. Denn die dort festgelegte Tempo-30-Begrenzung ist zeitlich befristet; sie war nur aufgrund der 2018 bekannt gewordenen Schäden an den historischen Kanälen angeordnet worden. Mit dem neuen Straßenausbau, der im Zuge der Dorferneuerung zwischen 2021 und 2023 erfolgen soll, würde das Tempolimit wieder wegfallen. Man hofft aber, dass die Umgestaltung mit einer festen Querungshilfe und Gehsteigen die Durchfahrenden eher dazu bringen wird, den Fuß vom Gas zu nehmen.

An der heute beklagten Problematik ändert dies freilich nichts. Selbst das von der Stadt vor drei Jahren an der Oberlangheimer Straße aufgestellte Geschwindigkeitsmessgerät werde vielfach ignoriert, so die Meinung vor Ort. Sind es nur gefühlte oder tatsächliche Verstöße gegen die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h? Mit den aufgezeichneten Daten ließe sich das, zumindest für den erfassten Zeitraum, feststellen. Doch die Stadtverwaltung nimmt keine Auswertung vor. Pressesprecher Sebastian Müller erklärt das so: Die Stadt verfüge insgesamt über 20 Anlagen dieser Art, alle auszuwerten wäre ein großer Aufwand. Die Geräte seien wegen ihrer Warnfunktion aufgestellt worden, und der abschreckende Effekt sei nachgewiesen. Ob sich dieser Effekt bei Ortskundigen schon abgenutzt hat? Jedenfalls wurde und wird in Klosterlangheim immer wieder der Ruf nach verstärkter polizeilicher Präsenz und Radarkontrollen laut.

Für die Polizei ergaben sich bislang dort jedoch keine besonders häufigen oder signifikanten Verstöße. Für ein Tempolimit auf den Einfahrtsstraßen gibt es keine rechtliche Grundlage: Die Straßenverkehrsordnung sieht auf übergeordneten Straßen wie Kreis-, Staats- und Vorfahrtsstraßen Tempo 50 vor. Streckenbezogene Ausnahme sind möglich vor öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Altenheimen oder Kindergärten und an Stellen, wo sich viele Unfälle ereignet haben. Punkte, die für Klosterlangheim nicht greifen.

Erich Günther, Chef der Lichtenfelser Polizeiinspektion, sieht vor diesem Hintergrund noch am ehesten einen Weg durch verkehrstechnische, bauliche Maßnahmen. Er betont die Rechtsvorschriften und den Gleichbehandlungsgrundsatz: "Ich kann in Klosterlangheim nichts anderes machen als anderswo." Auch wenn er die Leute, die sich über zu schnelles Fahren beklagen, verstehen könne. Eine Rechtfertigung für die eigenmächtige Straßenmarkierung sei das aber nicht.

Gleichwohl hat sich in Klosterlangheim eine gewisse Sympathie für den "Künstler", wie der Ortssprecher den Unbekannten nennt, breitgemacht. Die juristische Sichtweise, dass hier ein Schaden von mehreren Tausend Euro an einem Auto verursacht wurde und diese Tat deshalb zu ahnden ist, herrscht unter den Dorfbewohnern nicht vor. Stattdessen gibt es stillen oder auch ganz offen kundgetanen Beifall für diese Art der "Selbsthilfe". Den weiteren Verlauf des Ermittlungsverfahrens wird man mit Interesse verfolgen.