Viel war in den vergangenen Wochen nicht los in den bayerischen Kindergärten, denn am 16. März hatte die Staatsregierung die Schließung der Kindertagesstätten verkündet. Eine Handvoll Kinder war seitdem dennoch da, wenn die Eltern die zu Beginn strengen Voraussetzungen für die Notbetreuung erfüllten, zu der die Kindergärten gesetzlich verpflichtet sind. Stichwort: Kritische Infrastruktur und systemrelevante Berufe. Nach der Lockerung der Bedingungen für die Notbetreuung kehrt in den Kitas wieder deutlich mehr Leben ein - auch in Bad Staffelstein und Ebensfeld.

"Im Moment sind sechs Kinder da", sagte Sabine Kotschenreuther, eine der beiden Leiterinnen der Kindertagesstätte St. Anna in Bad Staffelstein, Ende der vergangenen Woche. Schon da war abzusehen: Es werden mehr werden. "Es melden sich täglich Eltern, die nachfragen, wie es ausschaut." In der evangelischen Kindertagesstätte, wo Beate Wagner Teil des Leitungsteams ist, gab es zu diesem Zeitpunkt schon konkrete Zahlen: 17 Kinder waren für diese Woche angekündigt.

"In der ersten Phase waren nur Kinder da, deren Eltern beispielsweise im Krankenhaus arbeiten", erklärt Wagner. Durch die Änderungen der Regierung können nun deutlich mehr Eltern ihre Kinder wieder vorbeibringen (siehe Kasten): "Viele Eltern wussten gar nicht, dass sie mittlerweile zur kritischen Infrastruktur gehören. Darum haben wir alle angerufen, bei denen wir wussten, wo sie arbeiten. Sonst hätte sich die Hälfte gar nicht gemeldet."

Denn grundsätzlich freuen sich die Erzieher über die Rückkehr der Kinder - auch wenn man von den 75, die normalerweise den evangelischen Kindergarten Bad Staffelstein besuchen, noch weit entfernt ist. "Es war jetzt schon sehr ruhig. Wir sind ja gewohnt, dass das Haus voll ist. Das war auch für die Kinder komisch, die hier waren."

Mehr Kinder bedeuten aber auch eine deutlich größere Herausforderung, was die Umsetzung von Schutzmaßnahmen angeht. "Bisher haben wir so gearbeitet, dass wir die Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt haben, die sich möglichst nicht vermischen", sagt Sabine Kotschenreuther. Auch das den Gruppen zugeteilte Personal sollte nach Möglichkeit dasselbe bleiben. Dieses Prinzip wird weiterhin aufrechterhalten: "Wir haben genug Zimmer", sagt Kotschenreuther. Im evangelischen Kindergarten überlegt man, vielleicht auch das Gemeindehaus hinzuzunehmen. "Wir müssen uns eben gut aufteilen", sagt Beate Wagner.

Aus München kamen erst am Freitagabend Informationen, wie der Kindergartenalltag mit deutlich mehr Kindern ab Montag auszusehen haben soll. "Das hätten wir uns gerne einen Tag früher gewünscht. Aber man muss aktuell Geduld haben - auch mit dem Ministerium. Die Situation ist für alle neu", sagt Ulli Zenk, Leiterin der Kindertagesstätte St. Michael in Ebensfeld. Thema in der Handreichung war beispielsweise das Tragen von Mundschutz: "Zum Beispiel bei Kontakt nach außen, wenn die Eltern ihre Kinder abholen. Oder beim Wickeln." Auch zum Ablauf des Alltags im Kindergarten gab es Hinweise: "Man soll unter anderem viel raus gehen, oft lüften und Kontaktflächen desinfizieren", sagt Zenk. Regelmäßiges Händewaschen ist Pflicht. "Und wir müssen schauen, dass sich die Kinder nicht so nahe kommen."

Medaille mit zwei Seiten

In allen Kindergärten ist man sich aber bewusst: Social Distancing ist Kindern kaum zu vermitteln: "Sie hüpfen aneinander hoch oder bauen sich zusammen eine Höhle", sagt Beate Wagner. Das wiederum bedeutet ein Risiko für die Erzieher: "Für uns ist das schon eine große Belastung. Wir Erzieher sind der ganzen Sache extrem ausgesetzt." Auch in Ebensfeld sieht man die Situation zwiegespalten: "Zum einen schlägt natürlich unser Pädagogen- und Erzieherherz und wir freuen uns, wenn die Kinder wieder da sind", sagt Ulli Zenk. "Das Kinderlachen, das fehlt schon." Zum anderen gebe es aber Unsicherheiten und Ängste: "Wir wissen nicht: Wie sehr übertragen die Kinder das Virus? Was ist, wenn ein Fall unter den Kollegen eintritt? Wie geht das Jahr weiter? Ständig mit Mundschutz zu arbeiten, ist auch schwierig." Zumal es sich dabei lediglich um selbstgenähten Schutz handele. Medizinische Masken werden weiter an anderer Stelle gebraucht, andere Schutzausrüstung gibt es nicht.