Wegen der Corona-Pandemie saßen und sitzen viele Stadtmenschen lange in ihren Wohnungen fest. Hinzu kommt, dass viele Firmen dazu übergegangen sind, ihre Mitarbeiter ins Home-Office zu schicken. Das nehmen offenbar zahlreiche Menschen zum Anlass, über ihren Wohnort nachzudenken und sich zu informieren, ob es nicht besser wäre, eine Wohnung in einer ländlichen Gegend zu suchen. Wir fragten Immobilienmakler und Kommunalbeamte, ob sie diesen Trend bestätigen können.

Der Staffelsteiner Immobilienmakler Peter Schlund hat einen solchen Stadt-Land-Trend bisher noch nicht festgestellt: "Wir hatten schon immer viele Zuzüge nach Bad Staffelstein gehabt", sagt er, doch spezielle Wohnortwechsel wegen Corona konnte er nicht verzeichnen.

Die optimal ausgelegte Infrastruktur Bad Staffelsteins sei für die Leute sehr lukrativ, fährt er fort. Nicht nur ältere Menschen zögen gern in die verkehrstechnisch gut angebundene Kurstadt, sondern auch viele jüngere und berufstätige Paare. "Wir haben Anfragen von Brosianern, wobei ein Partner in Coburg, der andere in Bamberg arbeitet - Bad Staffelstein liegt da als Lebensmittelpunkt genau dazwischen."

Infrastruktur muss passen

Das oft gehörte Vorurteil, es zögen nur Alte hierher, kann Peter Schlund nicht bestätigen. Auch viele Jüngere, die sich Wohneigentum schaffen wollen oder eine Mietwohnung suchen, kämen gern nach Bad Staffelstein. Das sei aber auch schon vor Corona der Fall gewesen. Alle diese Menschen schätzten die guten Einkaufsmöglichkeiten und die vorzügliche medizinische Infrastruktur sowie die vielseitige Gastronomie. Zudem sei die ausgezeichnete Verkehrsinfrastruktur ein Standortvorteil Bad Staffelsteins. Wer zum Beispielabends in Bamberg ausgehen möchte, der ist mit der Bahn oder einem Sammeltaxi in 20 Minuten dort. Das gute Radwegenetz sei ein weiterer Vorteil - zumal in Zeiten der Pandemie viele Menschen mehr mit dem Rad unterwegs seien und viele das E-Bike für sich entdeckten.

Es sei zu früh, von einem Trend beim Stadt-Land-Wohnungswechsel zu sprechen, sagt Schlund. "Die Findungsphase beginnt jetzt erst." Für Bad Staffelstein und Umgebung stelle sich die Frage: Wo bleiben wir in den kommenden Jahren?

Der Staffelsteiner Quartiersmanager Michael Böhm bewertet die Voraussetzungen der Stadt als sehr gut: "Wir haben in Bad Staffelstein eine perfekte Lage - wir können auch vereinzelte Nachfragen bedienen, aber wir haben nicht das große Angebot. Wenn wir was haben, ist es relativ schnell weg - es ist ein riesiger Markt vorhanden, die Nachfragen sind da. Wir legen derzeit den Wert auf innerörtliche Modernisierungsmöglichkeiten und versuchen bestehende Häuser an den Markt zu kriegen." Umnutzungen seien dabei eine Möglichkeit.

Große Nachfrage in der Region

Pressesprecherin Jana Linder-Okrusch von der Sparkasse Coburg-Lichtenfels sagt: "Wir können aktuell bei Immobilien keine coronabedingten Veränderungen feststellen. Die Nachfrage nach Immobilien und Grundstücken ist in unserer Region nach wie vor groß."

Dieter Haimann, Geschäftsführer des Coburger Immobilienbüros Engel & Völkers, beantwortet unsere Anfrage so: "Seit der Eröffnung unseres Immobilienshops im Sommer 2017 beobachten wir die Herkunft unserer Kunden. Fazit: Die Hälfte aller Suchkunden stammt nicht aus Franken. Für Immobilienangebote am Obermain bis in den Frankenwald interessieren sich ortsunabhängige Menschen aus ganz Deutschland und Auslandsrückkehrer. Das gute Preis-/Leistungsverhältnis und die hohe Lebensqualität sprechen für unsere Region."

Gibt es einen solchen Trend am Obermain - vor allem für den Kreis Lichtenfels, aber auch für die angrenzenden Kreise? Das wollen wir von Sonja Haimann, der Büroleiterin von Engel & Völkers, wissen. Sie antwortet: "Der Trend erlebt durch die Pandemie und den Lockdown Dynamik. Stadt und Landkreis Lichtenfels, Orte entlang der A 73, B 173 und der Bahntrasse - mit einem weiteren Zentrum in Bad Staffelstein - geraten vor allem bei Menschen aus der Metropolregion Nürnberg in den Fokus."

Große Grundstücke gesucht

Michelle Crettaz, die für Bad Staffelstein zuständige Immobilienmaklerin von Engel & Völkers, ergänzt: "Gute Infrastruktur, Leben in der Natur, viel Freiraum - und das alles bezahlbar - das sind die Argumente. Im Gegensatz zu den Metropolen sind große Grundstücke und Gärten bei uns Standard, hier fällt Abstand halten leichter. Fast jeder zweite Suchkunde möchte jetzt unbedingt eine Immobilie mit Balkon, Terrasse oder Garten. Durch Corona ist ihnen bewusst geworden, wie wertvoll das ist."

Der geschäftsleitende Beamte der Stadt Bad Staffelstein, Wolfgang Hörath, beantwortet unsere Frage, ob sich in jüngster Zeit mehr Menschen aus Großstädten bei der Stadt nach Immobilien auf dem Land erkundigten, wie folgt: "Nein, es sind keine Veränderung feststellbar - es gibt kein außergewöhnliche Nachfrage diesbezüglich."

Gerhard Schneider vom Bauamt der Marktgemeinde Ebensfeld kann ebenfalls keinen Trend feststellen: "Das kann ich so nicht bestätigen. Es ist ein relativ großer Boom da, aber das sind vor allem Leute aus der Region."