Auf Anordnung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) muss nach einem Beschluss des bayerischen Kabinetts seit dem ersten Juni ein Kreuz in allen Landesbehörden des Freistaats aufgehängt werden. Das christliche Symbol soll im Eingangsbereich sichtbar angebracht sein. Der Erlass hat für große Diskussion im Freistaat gesorgt. Auch der Landkreis ist sich nicht einig.

Während in vielen Dienststellen des Freistaats der Beschluss ordnungsgemäß umgesetzt wurde, sind Hochschulen, Museen, Theater aber auch Behörden der Kommunen, wie beispielsweise die Rathäuser, von der Verpflichtung ausgenommen. Den öffentlichen Einrichtungen wurde aber angeraten, ein Kreuz in ihren Foyers aufzuhängen. Wie sieht es im Landkreis aus?


Umsetzung in den Behörden

Sebastian Müller, Leiter des Bürgermeisteramts, teilt mit, dass im Lichtenfelser Rathaus kein Kreuz aufgehängt wurde. "Das würde mit dem Umbau gerade sowieso nicht gehen." Außerdem sei, soweit er sich erinnere, noch nie ein Kreuz dort angebracht gewesen. "Als der Erlass kam, haben wir überlegt und diskutiert, was wir machen. Aber da die Pflicht ja nur staatliche Behörden betrifft, haben wir uns entschieden, keines anzubringen." So soll auch in Zukunft, nach Fertigstellung der Sanierung, kein Kreuz aufgehängt werden.

Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) erklärt: "Ich tue mir schwer damit, Kreuze in öffentliche Behörden anzubringen. Die Ämter sind für alle Menschen, ganz egal welcher Religion sie angehören, gleichermaßen da. In unserer Stadt gibt es Menschen anderer Religion, für die hier auch ein Platz sein soll, wo sie sagen können: Das ist meine Stadt."

Im Landratsamt hingehen sind, laut Landrat Christian Meißner (CSU), seit "eh und je Kreuze in den Sitzungssälen und Zimmern angebracht". Im Foyer wurde nun zusätzlich eines aufgehängt. "Durch den Beschluss ist uns bewusst geworden, dass wir im Eingangsbereich ja noch gar kein Kreuz hatten. Ich finde das ist eine schöne Sache, wenn das christliche Symbol dafür steht, wie wir hier arbeiten sollen." Für ihn sei das Thema ohnehin nicht so aufgeladen, wie für andere.

Auch im Bad Staffelsteiner Rathaus hängen schon immer mehrere Kreuze in den Sälen und Zimmern, teilt Wolfgang Hörath, Geschäftsleiter der Stadt, mit. Im Eingangsbereich wurde aber kein Kreuz zusätzlich aufgrund des Erlasses angebracht. Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) möchte seine Meinung gegenüber der Zeitung nicht äußern.

Im Gegensatz dazu äußert Bernhard Storath (CSU), Bürgermeister von Markt Ebensfeld, deutlich seine Meinung: "Ich halte davon nichts. Das muss von unten kommen, von den Menschen selbst, und nicht von oben bestimmt werden. Wenn ein Ungläubiger ein Rathaus betritt und dort ein Kreuz sieht, wird er wohl kaum deshalb gläubig werden." Die Anbringung des christlichen Symbols sei für ihn eine Selbstverständlichkeit: "Wir hatten schon immer mehrere Kreuze im Rathaus, allerdings nicht im Eingangsbereich sondern im Sitzungssaal, in den Zimmern und eines in meinem Büro." Im Foyer hänge anstelle eines Kreuzes das Gebet der vereinten Nationen. Das sei ihm wichtig gewesen, denn das Gebet soll zum Nachdenken anregen. "Und das ist ja schon quasi wie ein Kreuz", fügt er hinzu.


Blickwinkel der Pfarrer

So unterschiedlich die Meinungen in Ämtern ausfallen, so verschieden positionieren sich auch die Pfarrer in der Region. Matthias Hagen, evangelischer Pfarrer in Bad Staffelstein und Herreth, hält nichts von dem Kreuzerlass: "Ich war entsetzt, denn es verbietet sich, das Kreuz für politische Zwecke und Ziele zu instrumentalisieren und zu missbrauchen."

Das Kreuz sei nicht Zeichen einer Leitkultur, sondern das Zeichen der Not, des Leidens, der Solidarität und der geschundenen Kreatur. "Ich bin froh, wenn das Kreuz sichtbar und spürbar Menschen hilft und tröstet, aber nicht für politische Maßstäbe von Macht, schon gleich gar für aktuelle Interessen herangezogen wird. Wenn ein Politiker dieses Symbol hernimmt, mit dem ich sonst als Pfarrer unterwegs bin, schockiert mich das."

Der evangelische Pfarrer Ralph-Peter Zettler in Lichtenfels empfindet ähnlich: "Das Kreuz als kulturelles Symbol herzunehmen, da bekomme ich schon die Krise. Ich war sauer über die Angelegenheit. Wenn dann plötzlich in Hochschulen, Museen und Theatern keine Kreuze hängen sollen, dann erkennt man, dass es in Wirklichkeit gar nicht ums Kreuz geht, sondern um den Wahlkampf. Das hat mich schon in Wallung gebracht. Entweder ganz oder gar nicht."

Dennoch sehe er auch einen positiven Aspekt, denn das Kreuz sei ein wichtiges Zeichen - es stehe für die Liebe Gottes zu allen Menschen. Es sei wichtig, so Zettler, danach zu handeln, und wenn Menschen, die dort arbeiten, menschlicher miteinander umgehen, sei das eine gute Sache.
Letzteren Aspekt greift auch der katholische Dekan Lars Rebhan auf. "Wenn wir es dort bewusst aufhängen, wo wir handeln, ist das positiv zu bewerten. Grundsätzlich ist es etwas Begrüßenswertes, wenn man das Bekenntnis zum Glauben öffentlich zeigt."

Das Kreuz sei aber mehr als ein Kulturgut, sondern Zeichen von Gottes Liebe zu allen Menschen. "Man muss verstehen, dass es kein abgrenzendes Zeichen zu anderen ist. Es wäre wichtig, das zu ergänzen und das Kreuz nicht nur als Kulturgut stehen zu lassen." Dem schließt sich auch Georg Birkel, katholischer Pfarrer in Bad Staffelstein, an: "Wenn Christen das Kreuz als etwas erleben, das Hoffnung macht, stellt sich die Frage, wie man das anderen erklären kann. Da ist Toleranz gefragt." Er nehme ja auch nicht das Kreuz von der Kirche herunter, nur um andersgläubigen Leuten diesen Anblick zu ersparen.
Vielmehr sei es gut, sich damit auseinanderzusetzen. "Ich kenne kaum etwas, das Menschen mehr helfen kann, wenn sie Hilfe suchen." Es sei sinnvoll ein Zeichen zu haben, das verbindet und zeigt "du bist nicht alleine". Und das kann, so Birkel, wenn man sich darauf einlässt, auch ein Angebot sein.