Bad StaffelsteinWohl als richtiger Glücksgriff erwies sich im Nachhinein die Idee zum Tag der offenen Tür direkt bei den Genussanbietern vor Ort. Nachdem coronabedingt die Veranstaltung "Genuss im Grünen" nicht stattfinden durfte, öffneten am Sonntag viele Höfe und Direktvermarkter.

Ströme an Besuchern zu Fuß und mit dem Rad erkundeten Bad Staffelstein und Umgebung. "Das ist die Ersatzidee - und die ist gut", freute sich Genussbotschafterin Adelgunde Gagel. Bei ihr in Loffeld gab es geschnittene Hasen, ein Traditionsgebäck, das üblicherweise bei Hochzeiten und Taufen auf den Tisch kommt. Auch ihr Kochkäse interessierte die Besucher. Adelgunde Gagel weiß einiges über diesen deftigen Brotaufstrich zu erzählen. Es sei ein sehr altes Rezept. "Wenn der Bäuerin der Quark schon zu säuerlich war, wurde er zu Kochkäse weiterverarbeitet."

In vielen Produkten verwendet sie außerdem heimisches Bier: Biersenf und Bockbierzwetschgen verkauft sie, auch Fett vom Wildschwein nebst dem bekannten Griebenfett. "Man kann die alten Rezepte ruhig modern aufmotzen."

Neues Trendgetränk: Gin

Handgemacht und ursprünglich trifft auf außergewöhnliche Kreationen. Das hat sich auch Florian Leicht von der Brennerei in Unterzettlitz überlegt. Er hat am Tag der offenen Tür die Besucher zu einem Blick in seine Brennerei eingeladen. "Das neuen Trendgetränk ist Gin", sagt er und zeigt auf seine Destillieranlage und die Kupferkessel. "Der hier ist ganz mild, den kann man auch blank trinken." Dann überprüft er den Alkoholgehalt mit der Spindel. Mit rund 90 Volumenprozent tropft das Destillat in den ersten Behälter, zum Genießen wird der fertige Gin dann auf 40 Volumenprozent herunterverdünnt. Fast 100 Obstbäume stehen auf der großen Streuobstwiese hinter dem Anwesen, meterlang wachsen Beerenhecken und viele Kräuter. "Schnaps ist nicht gleich Schnaps", erklärt Florian Leicht die Unterschiede: "Geist" darf sich das Produkt nur nennen, wenn in neutralem Alkohol frische Früchte gebrannt werden. "Brand" sagt man, wenn man die Früchte vergären lässt. In der fünften Generation schon brennt die Familie Hochprozentiges, zu den alten Geschmacksrichtungen wie Obstler und Zwetschgen gesellen sich immer mehr neue Produkte. Der "Zelzer Magenfreund" steht im Verkaufsregal neben Brombeerlikören, Vogelbeer- oder Holunderschnaps. Liköre mit Ingwer, Trauben oder Pfefferminze (aus Eigenanbau) werden ebenso angeboten wie traditioneller Schlehen- oder Holunderbrand.

Loffeld in den frühen Morgenstunden: Irene Grasser schürt ein. Bis ihr gemauerter Backofen mit Holzbefeuerung auf 320 Grad erhitzt ist, dauert es. Diese Zeit nutzt sie, um den Brotteig vorzubereiten. Schon zwei Tage zuvor hat die Frau ihren eigenen Sauerteig angesetzt. Nun werden noch 30 Kilogramm Roggen- und Weizenmehl im Verhältnis 80 zu 20 benötigt, Gewürze und Kümmel, Wasser. Jetzt ist die Knetmaschine dran, vermengt die Zutaten. Der Teig darf nun für eineinhalb Stunden ruhen. Danach kommt er portionsweise in die "Schüsseln" , wie Irene Grasser die geflochtenen Körbchen nennt.

Brote backen bei 220 Grad

Hier ruhen die Laibe erneut eine Stunde. Schließlich hat der Ofen die Temperatur erreicht. Die Glutreste werden entfernt, der Backbereich mit einer "Holzkrücke" ausgekehrt und die umgestürzten Laibe mit einem Holzschieber auf den blanken Ofenboden eingeschossen. Zuvor werden sie noch mit Wasser benetzt, dann backen sie bei 220 Grad. Eine gute Stunde später sind die Brote fertig.

Es duftet herrlich auf dem Hof der Direktvermarkterin.  Irene Grasser holt das erste Brot heraus, macht den Test: Beim Draufklopfen klingt es hohl, das passt. Auch die Reihenfolge im Ofen ist wichtig, erklärt die gelernte Bäckereifachverkäuferin: ganz hinten die großen Laibe, die Vierpfünder, ganz vorne die kleineren Zweipfünder. Nachdem die Brote gebacken sind, kommen die Blechkuchen ins Rohr. Der Backofen hat da noch immer eine Temperatur von mehr als 200 Grad. Je nachdem, welches Holz die Bäckerin schürt, variiert die Backzeit: "Ich kann net sagen, zwischendurch mach' ich dies und das, ich muss mich nach meinem Feuer richten", sagt sie. Schon stehen die ersten Kunden vor dem Backhäuschen.

Wer die kulinarische Rundreise weitermachte, traf auch auf Manfred Reichert in Uetzing. Zum hausgebrauten Metzgerbräu gab es hier deftige Brotzeiten. In Gößmitz hatte die Getreidemühle von Ludwig Ultsch ihre Türen geöffnet. Susi Mayr in Bad Staffelstein hatte einen Stand vor ihrem Café aufgebaut. Hier wurden Krapfen und geschnittene Hasen vor den Augen der Zuschauer gebacken. Zur Besichtigung ihrer Streuobstwiese lud Direktvermarkterin Anita Ostler ein. Auf dem Familienanwesen in Grundfeld stehen mehr als 50 Obstbäume. Da wunderte es nicht, dass die Familie zum Tag der offenen Tür feine fruchtige Kuchen anbot, dazu verschiedene Sorten Sirup und Hiffenmark.

Eine umfangreiche Tomatenausstellung mit Früchten und Info konnte man bei Helga Dressel (Grundfeld) bestaunen. Sie  bot außerdem den ersten oberfränkischen Tomatengeist an. "Man glaubt nicht, was man aus 100 verschiedenen Tomaten für ein fruchtiges Aroma heraus holen kann", meint sie.

Anna Maria Schneider vom Kur- und Tourismus-Service war überrascht, mit wie viel Liebe zum Detail die Ausstellungen hergerichtet waren. Ob es eine derartige Auslagerung aus dem Kurpark ins Stadtgebiet und Umland auch im nächsten Jahr geben wird, ist noch nicht klar. Einige Anbieter haben die Laufkundschaft im Kurpark vermisst. Andererseits habe es nicht so lange Schlangen gegeben.