Wer Suzan Baker online folgt, auf den Plattformen Facebook oder Instagram, der findet dort zuletzt vor allem Frühlingsbilder - von knospenden Zweigen, dem Staffelberg vor einem wolkenlosen Himmel, oder einem Sonnenuntergang. "Ich bin ein Naturmensch. Jede freie Minute gehe ich mit dem Hund spazieren", sagt sie. Besonders rund um Bad Staffelstein gebe es viel zu genießen. "Deswegen lebe ich so gerne hier."

Die Zeit, die Suzan Baker nun vorerst nicht auf der Bühne stehen wird, verbringt sie deshalb oft im Grünen. In den kommenden Monaten hätten die Staffelsteiner Musikerin und ihr Partner Dennis Lüddicke eine ganze Reihe an Konzerten spielen sollen, unter anderem bei Kronach leuchtet oder dem Blues- und Jazz-Festival in Bamberg. Aber wegen der Corona-Pandemie fallen diese aus.

"Ich versuche jetzt, so gut es geht, die Sachen, die liegen geblieben sind, zu erledigen und mich auszuruhen." Denn Auftritte fänden im normalen Betrieb das ganze Jahr über statt, seit Jahren habe sie keinen richtigen Urlaub mehr gehabt, sagt Suzan Baker. Einmal pro Woche unterrichtet sie zudem an der Förderschule. Die einzigen Zeiten, in denen eine Auszeit möglich sei, seien meist kurz nach den Ferien. "So arbeitet man immer zu. Das merke ich jetzt."

Die kleinen Dinge sehen

Keine Auftritte und kein Unterricht - und somit gerade auch kein Einkommen: Gedanken über das Virus oder die fehlenden Einnahmen beunruhigen sie aber noch nicht zu sehr. "Im Moment hält es sich noch die Waage", sagt sie. Einen Antrag auf Künstler-Unterstützung habe sie schon gestellt, bisher warte sie aber noch auf eine Bewilligung.

Doch Suzan Baker ist mit wenig zufrieden. Sie lebe nicht auf großem Fuß, sagt sie über sich selbst. "Nicht trainieren zu können und kein Geld zu verdienen, das sind die einzigen Dinge, die gerade einschränken." Die entschleunigte Zeit, wie sie es empfindet, ermögliche es ihr, auch wieder die kleinen Dinge zu sehen und sich darüber zu freuen.

Bei einem ihrer letzten Spaziergänge hat sie so am Waldrand bei Bad Staffelstein eine Lenzrose entdeckt: eine Wildblume, die ihren Weg von Kleinasien an den Obermain gemacht hat. "Das sind Momente, in denen einem das Herz überläuft", freut sie sich. Ansonsten habe Suzan Baker, die zurzeit auch Theologie studiert, viel Zeit, um zu Hause die Bibel aufzuschlagen und darin zu lesen. Eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben, durch die sie wieder besser in sich hineinhören könne.

Ihr Glaube unterstützt und trägt sie, auch durch jetzige Krisenzeiten. "Ich betrachte die Welt schon länger ein wenig sorgenvoll", sagt Baker. Generell könne sie das Streben nach mehr Besitz, Immobilien oder größeren und umweltschädlicheren Autos nicht nachvollziehen und hofft, dass der ungewohnte Alltag durch die Ausbreitung des Corona-Virus daran etwas ändert. "Ich habe die starke Hoffnung, dass die Menschen sensibilisiert bleiben für das, was wirklich schön ist", sagt die Sängerin. Sensibilisieren für das Schöne im Leben und mit Klängen berühren, das möchte das Künstlerpaar Baker und Lüddicke auch mit seiner Musik.

Vorerst kein Online-Konzert

Während der konzertfreien Zeit bleibt Suzan Baker weiterhin mit ihren Fans in Kontakt. Rückmeldungen bekomme sie einige per E-Mail, manche auch über die Social-Media-Kanäle. Ein Konzert aus dem eigenen Wohnzimmer, aufgenommen und live ins Netz übertragen, wie es zurzeit einige Musiker handhaben - das werde es von ihr aber erst einmal nicht geben. "Im Internet ist es mir zu distanziert", sagt die Sängerin, sie wolle das Publikum bei einem Auftritt lieber direkt vor sich haben.

Bis das wieder stattfinden kann, greift sie zwischendrin aber trotzdem zur Gitarre, um ihre Songs zu üben. "Dennis ist da ein bisschen fleißiger", verrät sie. Möglicherweise entstehe sogar ein neuer Song, denn Kreativität brauche Raum, so wie sie ihn sich zurzeit nehmen könne.

Suzan Baker bleibt optimistisch

Und auch Konzerte werden irgendwann wieder möglich sein, bleibt Suzan Baker optimistisch. Es sei durchaus denkbar, dass sie und Dennis Lüddicke als Duo zu den ersten gehören könnten, die vor kleiner Gruppe wieder auftreten dürfen. Bands hätten es da wohl schwieriger.

Bedauern über die ausfallenden Konzerte kann sie nicht verbergen. "Es tut schon weh, auch wenn wir bei den Veranstaltungen für das nächste Jahr vorgesehen sind." Trotz allem aber findet sie, der Gesundheitsschutz sollte unter allen Umständen im Vordergrund stehen. Sie hofft, dass die Arbeit des Pflegepersonals weiterhin so geschätzt wird wie derzeit. "Der Mensch lernt nur durch Krisen."