Die verdienstvolle Kirchenmusikerin Jitka Maisel wird am Wochenende nach über 30-jähriger Dienstzeit für die beiden Lichtenfelser Pfarreien "Unsere liebe Frau" und "Heilige Familie" in den Ruhestand verabschiedet.

Am Samstag. 5. September, hält Stadtpfarrer Roland Neher um 18 Uhr den Abschiedsgottesdienst in der Stadtpfarrkirche bzw. bei schönem Wetter auf dem Kirchenvorplatz und am Sonntag, 6. September, steht der von Pfarrer George Thottankara um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche "Heilige Familie" zelebrierte Gottesdienst ganz im Zeichen der Verabschiedung von Jitka Maisel, wobei Bernd Legal (Bariton) und Anne-Rose Werners (Blockflöte) zusammen mit Jitka Maisel (Orgel) für die musikalische Umrahmung sorgen.

Die hervorragende Musikerin wuchs unter ihrem Geburtsnamen Jitka Hrabalová im südmährischen Zlin auf, besuchte sechs Jahre das Musikgymnasium in Kremsier und schloss danach die Musikhochschule in Brünn in den Hauptfächern konzertantes Orgelspiel, Klavier und Cembalo 1984 mit der Staatsprüfung ab. Schon ein Jahr vorher heiratete sie den Lichtenfelser Walter Maisel, der sie auf einer seiner Reisen in die Tschechoslowakei kennengelernt hatte. Ihre Tochter lebt mit ihrer Familie in Nordrhein-Westfalen.

Durch die vielen Kontakte ihres Mannes konnte Jitka Maisel in Lichtenfels sowohl in musikalischer als auch beruflicher Hinsicht schnell Fuß fassen. Dabei kamen ihr zwei Umbrüche im kirchlichen Bereich zugute: Nachdem der damalige Kirchenchor 1986 seine Tätigkeit einstellte, initiierte Pfarrer Alfred Bayer bereits im April 1987 mit Jitka Maisel als Chorleiterin einen Neuanfang. Der neu gegründete Liturgische Chor vereinte sich schließlich zwei Jahre später mit der seit 1910 bestehenden Sängergilde zur heute noch bestehenden Chorgemeinschaft. Mit der Don-Bosco-Schola, der Männerschola und der 2011 gegründeten gemischten Vokalgruppe "Nuova Canzone" kamen weitere Gesangsgruppen hinzu.

1989 übernahm sie dann die frei gewordene Stelle als hauptamtliche Kirchenmusikerin in den beiden Lichtenfelser Pfarreien, wobei sie sowohl als Organistin als auch als Leiterin der Vokalgruppen für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste verantwortlich war.

"Ich sah in meiner Tätigkeit durchaus eine gesellschaftliche Prägung, schließlich begleitete ich die katholischen Christen von der Taufe über Erstkommunion, Hochzeit, Ehejubiläum und Jubelkommunion bis zur Beerdigung, also von der Wiege bis zur Bahre, und habe dadurch an den Schicksalen der Pfarrmitglieder teilgenommen", unterstrich Jitka Maisel.

Stimmen und Pflege

Zu ihren Aufgaben zählten auch das regelmäßige Stimmen der Orgeln und die Pflege der Instrumente. Während ihrer Amtszeit begleitete sie zudem den Neubau einer Friedrich-Orgel in der Burgberg-Kapelle, den Einbau einer Steinmeyer-Orgel in der Spitalkirche, die Generalsanierung der Walcker-Orgel in der Pfarrkirche "Heilige Familie" und die Umgestaltung der Eisenbart-Orgel in der Stadtpfarrkirche. Auch oblag ihr die Ausbildung nebenamtlicher Kirchenmusiker, von denen etliche die Gottesdienste in verschiedenen Pfarreien an der Orgel musikalisch begleiteten.

Auch den Chören widmete sich die Kirchenmusikerin mit Herzblut. Mit großer Begeisterung und unter Opferung von viel Freizeit trafen sich die Sänger und Sängerinnen der Chorgemeinschaft jährlich zu den etwa 40 Proben unter ihrer Leitung, um gut vorbereitet ihre vielen Auftritte in den Festgottesdiensten oder bei kirchlichen und weltlichen Konzerten bewältigen zu können. Mit viel Engagement und Freude am Gesang sind auch die Don Bosco Schola mit ihrer Flötengruppe, die Männerschola und die Vokalgruppe "Nuova Canzone", die sich vor allem dem Neuen Geistlichen Lied widmet, bei der Sache. Zudem beteiligt sich die Chorgemeinschaft auch an Veranstaltungen der Sängergruppe Maintal und der Stadt Lichtenfels.

Die Stadt würdigte die herausragenden Verdienste der Kirchenmusikerin um das kulturelle und gesellschaftliche Leben mit der Verleihung der Kulturmedaille im Jahr 2007. Besonders freut sich natürlich Jitka Maisel über die Unterstützung durch Stadtpfarrer Roland Neher, der sich selber als Sänger in die Chorgemeinschaft und die Vokalgruppe "Nuova Canzone" einbringt. Sie hoffe, dass die gute Stimmung, die in den Chören herrsche und die auch bei den jährlichen Ausflügen zum Ausdruck komme, ansteckend auf musikalisch interessierte Bürger wirke. Das kirchenmusikalische Wirken an der Orgel und mit den Chören stifte Gemeinschaft zwischen den Menschen und Gott sowie zwischen den Menschen untereinander, was auch durch die sehr guten ökumenischen Begegnungen mit der evangelischen Kirchengemeinde auf musikalischer Ebene zum Ausdruck komme, betonte die Kirchenmusikerin.

Äußerst ausgeprägt und vielseitig war auch die konzertante Tätigkeit von Jitka Maisel.

Hochkarätige Konzerte

Zu den 82 Konzerten in Lichtenfels, darunter die stets gut besuchten Kammermusikkonzerte in der Burgbergkapelle St. Jakobus, und den 19 Konzerten an der barocken Orgel in Kloster Banz kamen noch etwa 25 Konzerte im gesamten fränkischen Raum. Bei vielen Konzerten wurde sie auch von einer oder mehreren der von ihr geleiteten Vokalgruppen oder auch von unterschiedlichen Solisten unterstützt.

Jitka Maisel prägte über 30 Jahre das kirchenmusikalische Leben in den beiden katholischen Pfarreien und erfreute die Musikliebhaber mit vielen hochkarätigen Konzerten. Viele gute Wünsche begleiten sie in den Ruhestand.