Lautes Klopfen schallt über den Steilhang am Berglein in Marktgraitz. Von dort hat man eine wunderbare Aussicht auf das Dorf und die ganze Umgebung. So richtig genießen können die zwölf Teilnehmer des Jugendworkcamps diese nicht. Sie schlagen mit ihren Hämmern jede Menge Nägel in die Bretter, die mal einen Unterstand für Ziegen bilden sollen. Außerdem weht hier oben ein eisiger Wind und der nachösterliche Schnee macht den Boden nass und matschig. Deshalb haben sich auch alle warm eingepackt. Mit dicken Winterjacken, Mütze auf dem Kopf, manche gar mit Mundschutz, um dem Wetter zu trotzen.

Aus Südkorea, Finnland, Frankreich, Belgien, Serbien und ganz Deutschland kommen die 17- bis 26-jährigen freiwilligen Helfer, die am zweiwöchigen internationalen Jugendworkcamp teilnehmen. Schüler und Studenten können dabei Workcamps zu verschiedenen Themen besuchen.


Hauptsache, etwas geschaffen

Sabine Reckter (24) aus Kerpen in der Nähe von Köln hat sich für die Arbeit in der Natur am Obermain entschieden. Verglichen mit den anderen Angeboten findet die Studentin die Arbeit hier "körperlich schon ein bisschen anstrengend", sagt sie. Sechseinhalb Stunden arbeiten die Teilnehmer im Schnitt pro Tag in der freien Natur. "Man freut sich, wenn man sieht, dass etwas vorankommt. "

Auch Liesel Winter (26) aus Berlin freut sich über das Geleistete: "Es ist toll, an etwas Konkretem zu arbeiten. Zwar sind die meisten Laien, aber am Ende haben wir trotzdem etwas geschaffen."

Zuständig für die Umsetzung des Projekts ist der Landschaftspflegeverband Lichtenfels mit Projektleiter Gerhard Hübner, der die Weidelandschaft Obermain betreut. Im vergangenen Jahr wurde die Weide eingerichtet. Aber es gab Probleme mit der Verbuschung im Trockenbiotop. Vor allem mit den Robinien, erklärt Hübner. "Letztes Jahr kam man hier gar nicht mehr durch. Es ist immer sehr aufwendig, das alles wegzumachen, vor allem manuell am Steilhang." Außerdem schlagen die Wurzeln der Robinien immer wieder aus, wenn der Mensch den Baum einfach umsägt.

Die Idee: Ziegen ansiedeln, denn diese fressen die Robinien und verhindern somit das Nachwachsen. "Auf Dauer ist das viel effektiver und kostengünstiger", sagt Hübner. Allerdings gibt es dabei Vorschriften zu beachten - ein Unterstand für die Ziegen muss her. "Da wollten wir etwas Vernünftiges machen, und das Projekt hat sich dazu angeboten", sagt Hübner.

Am vergangenen Donnerstag hatte er mit einer kleinen Vorhut den Bauplatz eingeebnet. Seit Dienstag baut die Gruppe am Unterstand. Und schon am Mittwoch soll das neue Heim für die Ziegen stehen. "Das ist dann natürlich ein Erfolgserlebnis für die Leute", sagt Hübner. Untergebracht sind diese in Oberküps in einem Haus des Alpenvereins, wofür Hübner "sehr dankbar" ist.


Auf sich allein gestellt

Betreut von den beiden Campleiterinnen Reckter und Winter mussten sich die Teilnehmer meist selbst versorgen. So gab es im Camp etwa internationale Küche zu genießen. Nach der Arbeit war Zeit, die Gegend zu erkunden. Ausflüge nach Bamberg, in die Obermain-Therme oder Wanderungen standen auf dem Programm.

Auch mit der einheimischen Bevölkerung kamen sie in Kontakt, etwa wenn sich jemand etwas ausleihen musste. "Die Leute in Oberküps waren sehr an uns und unserer Arbeit interessiert. Wir haben uns da sehr wohl gefühlt", erzählt Reckter.

Untereinander verstanden sich die Teilnehmer ebenfalls gut. Das Kennenlernen sei unglaublich schnell gegangen, sagt Reckter. Verständigt haben sich die jungen Menschen hauptsächlich auf Englisch, auch wenn es bei manchen Teilnehmern etwas haperte. Für die sprachbegeisterte 24-Jährige machte gerade diese Erfahrung das Camp spannend. "Vor allem will ich aber herausfinden, wie ich mit anderen Leuten umgehen kann und wie die dann auf mich reagieren."

Der soziale Aspekt ist für Liesel Winter ebenfalls der Hauptgrund für ihre Teilnahme. "Es ist eine pädagogische Herausforderung, so ein Camp zu leiten", sagt die Studentin der sozialen Arbeit.

Neben dem Unterstand am Berglein haben die Camp-Teilnehmer in den Osterferien noch an einem Koppelzaun bei der Burgruine in Niesten gearbeitet. Wenn der Unterstand fertig ist, sollen die Ziegen am Berglein schon im Mai auf ihrer Weide leben können.