Für den Kunststoffpezialisten in Michelau wird es nun ernst. Das Insolvenzgericht in Coburg hat mit Wirkung zum 1. Juni das Insolvenzverfahren über Scherer und Trier eröffnet. Das bedeutet: Es wird kein Insolvenzgeld mehr an die Beschäftigten gezahlt, das vom Arbeitsamt kommt. Das Unternehmen muss nun aus eigener Kraft überleben und die Gehälter zahlen.

Doch da sieht es gut aus, Scherer und Trier sei auf Sanierungskurs, schreibt das Unternehmen in einer Erklärung, die am Montag veröffentlicht wurde. "In den letzten Wochen haben wir wichtiges Vertrauen bei den Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern zurückgewinnen können und zugleich eine nachhaltige Sanierung eingeleitet", betonte Scherer und Trier-Geschäftsführer Rolf Graf. "Unser Ziel ist es, den Betrieb mit Hilfe eines Investors wieder auf solide Füße zu stellen und so den Standort und möglichst alle Arbeitsplätze zu erhalten."

Auch jetzt plant Scherer und Trier keine Entlassungen, unterstreicht Graf. "Die Auslastung des Unternehmens ist gut, wir benötigen derzeit jeden einzelnen Arbeitnehmer", ergänzte der Insolvenzverwalter Joachim Exner aus Nürnberg.

Im Prinzip bestätigen damit beide den Trend, der sich schon auf einem Treffen am 4. April im Landratsamt abzeichnete: An diesem Tag war die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner in Lichtenfels, um sich ein Bild von der Lage in dem Unternehmen zu machen. Damals versicherten Insolvenzberater und Unternehmensleitung, dass Scherer und Trier aus eigener Kraft in eine neue Zukunft findet könnte. Mit der Gewerkschaft hatte man damals sogar eine Lohnerhöhung vereinbart.

Wie dieser Weg aussehen wird? Schon damals sprach man davon, dass ein Investor gefunden werden müsste. Mit Rolf Graf ist seit April auch ein ausgewiesener Spezialist für solche Fälle an Bord. Er hatte zuletzt die Übernahme des Familienbetriebes Gustav Wahler in Esslingen bei Stuttgart durch den US-Konzern Borg-Warner vorbereitet. Bei Scherer und Trier ist man in der Beziehung schon aktiv geworden: "Es haben mehrere Interessenten Angebote abgegeben, was zeigt, dass der Betrieb für Investoren attraktiv ist", sagte Rolf Graf. Der Umsatz habe zuletzt sogar leicht gesteigert werden können, meinte der für die Produktion zuständige Geschäftsführer Wolfgang Feibig.

Der Michelauer Familienbetrieb ist mit 2300 Beschäftigten nach dem Versandhändler Baur in Burgkunstadt der zweitgrößte Arbeitgeber im Landkreis.