Eine fränkische Marke made in Unterleiterbach: bunt, robust und praktisch - TBanger. Nüchtern betrachtet, kann man formulieren: Tanja Winbauer macht aus alten Kletterseilen neue Produkte.

Schaut man genauer hin, wird man auf ein Herzensthema aufmerksam: Tanja Winbauer möchte alten Kletterseilen ein neues Leben schenken - zum Beispiel in Form von Chalkbags, Gürteln oder Mäppchen.

Robustes und vielseitiges Material

Ist sie früher selbst viel geklettert, kommt sie heute nur noch selten dazu. Das erklärt jedoch, warum sie zum einen selbst einen großen Bestand an eigenen Kletterseilen zu Hause hat, zum anderen, warum sie sich für das robuste und vielseitige Material begeistert.

Die meisten Kletterseile sind aus Polyamid und variieren in Länge und Kaufpreis, müssen aber irgendwann ausgetauscht werden. Tanja Winbauer weiß, was sie da in den Händen hält: "Du musst dir vorstellen, die meisten Kletterseile haben ein langes und erfülltes Leben. Aber sie müssen einiges aushalten. Oft werden sie durch den Dreck gezogen, müssen leichte und schwere Stürze wegstecken, sind der Witterung ausgesetzt, aber sie sehen auch wunderschöne Fleckchen Erde. Wenn sie dann aussortiert werden, landen sie meist im Keller oder auf dem Dachboden ..." Das verhindert sie, indem sie diese sammelt und Sendungen aus ganz Deutschland entgegennimmt. In Form von Produkten oder Rabatten gibt sie einen Teil davon an ihre "Spender" zurück. So viel Energie, wie sie den Seilen zuspricht, so viel Energie besitzt sie wohl auch selbst.

Zuerst müssen die Seile gewaschen und zum Trocknen aufgehängt werden. Anschließend werden sie in Stücke geschnitten und das Innere, der Seilkern, langsam herausgelöst. Diese Substanz, die oftmals weggeworfen wird, verwendet sie als Füllmaterial für Kissen oder gibt es an andere Kreative weiter, die daraus die beliebten Deko-Makramees fertigen. "Ich komme viel mit anderen kreativen Menschen in Kontakt: im Internet, über Kindergärten und andere Einrichtungen zum Beispiel", freut sie sich. Aus ihren "Seilmänteln", die zu Hunderten in ihrer Werkstatt in Unterleiterbach hängen, entstehen dann unter der Nähmaschine Gürtel, Taschen, Untersetzer, Geldbeutel und vieles mehr. Durchschnittlich dauert die "Erschaffung" eines Gürtels mit verstellbarer Schnalle beispielsweise 60 bis 90 Minuten.

Die Idee für das Kletterseilupcycling ist 2010 in der Fränkischen Schweiz geboren worden: Ein Freund bat Tanja Winbauer bei einer Rast, etwas aus seinem alten Kletterseil zu nähen. "Erst habe ich gelacht, aber der Gedanke hat mir keine Ruhe gelassen", erzählt die 36-Jährige heute. Zu Hause habe sie dann im Laufe der Jahre viel mit dem Material und verschiedenen Techniken experimentiert und Erfolg gehabt.

Ihre ersten "neuen" Produkte waren Chalkbags und Gürtel. Denn mit der Gewerbeanmeldung im Jahr 2016 musste auch eine Marke her: In TBanger steckt noch ihr Mädchenname Tanja Schneiderbanger. Mittlerweile hat die Powerfrau geheiratet und einen kleinen Sohn. Bald wird sie auch wieder als Schulpsychologin und Lehrerin arbeiten.

Wann sie dann ihrem außergewöhnlichen Hobby nachgeht? "Nachts wohl. Wobei mein Mann mir abends beim Fernsehen beim Entkernen der Seile hilft", sagt sie. Bei aller Hingabe hat sie nun trotzdem die ersten Aufträge an eine Näherei in der Region vergeben. "Anders wäre es nicht mehr zu schaffen", erklärt Tanja Winbauer. "Außerdem kann ich selbst dann mehr neue Produkte entwickeln."

Deren Grundidee liegt übrigens meist eine persönliche Notwendigkeit zugrunde: Oft braucht die 36-Jährige selbst irgendeinen Gegenstand, der gerade nicht greifbar ist. Dann beginnen die Überlegungen, wie sie diesen aus Seil umsetzen kann. Als ihr eigener Geldbeutel einmal kaputt war, entschied sie sich spontan für eine neue Variante und an ihrer standesamtlichen Hochzeit trug sie eine eigens gefertigte Handtasche - beides natürlich aus Kletterseil.

Bekenntnis zu Franken

Ihre Verbindung zu so manchem Kunden ist persönlich: Eine Frau habe sie einmal angeschrieben, ob sie aus ihrem Kletterseil eine Fliege für die Hochzeit ihres besten Freundes nähen könne. "Das Besondere daran war: Die Frau ist mit diesem Kletterseil oft mit ihrem Mann und dessen bestem Freund klettern gegangen. Als ihr Ehemann gestorben war, wurde aus dessen besten Freund ihr bester Freund. Auf seiner Hochzeit soll er die Fliege mit all ihren gemeinsamen Erinnerungen in sich tragen", erinnerte sich Tanja Winbauer zurück. "Es war nur ein ganz kleines Stück Seil und es durfte nichts schiefgehen. Ich hatte beim Nähen Tränen in den Augen."

Nicht alle Kletterseile erzählen solche Geschichten. Sicher ist jedoch: Jedes erzählt eine andere. Das macht die neuen Produkte zu unverwechselbaren Begleitern und einzigartigen Accessoires. Momentan sind die Produkte u. a. über den Onlineshop www.tbanger.de erhältlich.