"Der Großteil der Bevölkerung hat sich gut verhalten und viel Geduld gezeigt. Das ist etwas sehr Positives, vor allem, wenn man bedenkt, dass so eine Situation ja allen unbekannt war", so Sebastian Herrmann von der Polizeiinspektion Lichtenfels. Während man bei Verstößen gegen die corona-bedingten Auflagen im Gewerbebereich nur einen Fall verzeichne, zählten die Beamten 99 Fälle gegen die geltenden Kontaktbeschränkungen - seit Beginn der Auflagen für den gesamten Landkreis Lichtenfels.

Besonders viele Verstöße habe es in den Monaten März und April gegeben, seit Mai habe sich die Situation gebessert. "Für diese Zeit und die Größe unseres Gebiets also sehr positiv", bestätigt auch der Leiter der PI Lichtenfels Erich Günther. Die Fälle wurden an das Landratsamt Lichtenfels weitergeleitet, das die jeweiligen Bußgelder verhängt oder den Fall bei einer Ermahnung belässt.

Menschen sind belehrbar

Einen besonderen "Hotspot" mit besonders vielen Verstößen habe es aber nicht gegeben. Das Gebiet um die Mainau und den Bahnhof war auch schon vor der Corona-Krise sowohl ein beliebter Treffpunkt für Jugendgruppen als auch ein Ort natürlicher Menschenansammlungen. Hier seien immer wieder Einzelverstöße zu verzeichnen gewesen. Sebastian Herrmann hält Fakten bereit: "Es ist nicht so, dass immer die gleichen Personen auffallen. Vielmehr sind zum Beispiel nur sieben Personen aufgefallen, die mehr als zweimal gegen die Bestimmungen verstoßen haben." Das zeigt auch: Die "Übeltäter" sind belehrbar. Die Polizei Lichtenfels versucht, solche Einsätze mit Fingerspitzengefühl zu handhaben. "Wir sind uns bewusst, dass die Beschränkungen massive Einschnitte in das menschliche Leben bedeuten und gleichzeitig etwas völlig Unbekanntes sind. Wir gehen daher behutsam vor und wollen die Menschen nicht unnötig gegen uns aufbringen."

In uneindeutigen Situationen etwa habe man es auch bei einer Ermahnung belassen - das heißt: ohne Anzeige. "Mit Maß und Ziel", ergänzt Erich Günther. Tätlich angegriffen worden seien die Polizeibeamten in dieser Zeit nicht öfter als in "normalen Zeiten". Zwar widersetzten sich in zwei Fällen Personen der Polizei und wurden in Gewahrsam genommen, doch sei hier ein hohes Aggressionspotenzial und viel Alkohol im Spiel gewesen. Der grundsätzliche Anlass der Kontrolle sei ein Verstoß gegen die Kontaktbeschränkung gewesen, die anschließende Festnahme geschah jedoch aus Gründen der Gemeingefahr und weiteren.

Eine große Rolle für manche der Fälle spielt die stetige Änderung der geltenden Regeln rund um die Corona-Krise: Waren zu ihrem Beginn noch viele Maßnahmen deutlich und strikt, stieg mit jeder Lockerung die Unsicherheit.

Unsicherheit nach Lockerungen

Die Polizeiinspektion Lichtenfels habe in dieser Zeit viele Anrufe zur Frage "Was ist genau erlaubt?" beantwortet. "Die Tatsache, dass solch eine Krise noch nie da war und es auch keine Phase zur Erprobung gibt, macht die Situation besonders schwierig. Es sind viele verschiedene Bereiche der Gesellschaft betroffen - Gesundheitsministerium, Innenministerium, die Gewerbe, Privatpersonen usw. Da ist es zum einen schwer, einfache und verständliche Regeln zu finden, aber auch diese zu lesen und umzusetzen", so der Leiter der Polizeiinspektion. Die Polizeiinspektion Lichtenfels kann jedoch auf eine Datenbank mit Beispielen an Auslegungsfällen zurückgreifen, die stetig erweitert wird.

Eindeutig ist jedoch die geltende Maskenpflicht, Zuwiderhandlungen stellen jedoch nur wenige Einzelfälle dar. Ebenso habe niemand der Covid-19-Infizierten gegen die Quarantäneauflagen verstoßen. Zuletzt seien daher öfter Delikte im Rahmen von privaten Partys oder Grillfeiern zu verzeichnen gewesen. Diese werden jedoch nicht durch bewusst positionierte Polizeikontrollen aufgedeckt, sondern meist durch Bürger, denen in der Nachbarschaft oder während der Autofahrt etwas auffällt und dies dann melden.

Generell jedoch sei die Zahl der Einsätze überhaupt zurückgegangen - wohl wegen den geltenden Kontaktbeschränkungen oder auch der Tatsache geschuldet, dass keine Menschenansammlungen, in denen zusätzlich noch viel Alkohol konsumiert wird, möglich waren. Das spricht für die Gesellschaft und mindert das Risiko der Infektionsgefahr der Polizisten mit Covid-19 zumindest etwas: "Generell sind wir aber in unserem Beruf einem höheren Risiko ausgesetzt, aber das geht manch anderen Berufsgruppen auch so. Wir sind es ein Stück weit gewohnt. Auch, wenn die Situation völlig neu ist, so laufen wir sonst auch Gefahr, uns mit anderen Krankheiten anzustecken", so Sebastian Herrmann. Bislang wurde niemand der Polizeiinspektion Lichtenfels positiv auf das neue Virus getestet - bei insgesamt drei Kontakten mit nachweislich infizierten Personen. Zwar tragen die Beamten im Kontakt mit anderen Menschen auch eine Mund-Nasen-Bedeckung, "aber, wenn es mal ad hoc gehen muss, bleibt manchmal nicht die Zeit, diese noch schnell aufzusetzen", weiß Erich Günther.

Wenn die Polizeiinspektion auch eine positive Bilanz zur Einhaltung der Corona-Bestimmungen zieht, darf nicht vergessen werden: Eine "Dunkelziffer" an nicht beanstandeten Regelbrüchen bleibt. Und: "Corona ist noch nicht vorbei. Das müssen wir uns immer wieder bewusst machen und uns auch so verhalten", schließt Sebastian Herrmann.