Dienstag Nachmittag, halb drei, in Großziegenfeld. Lavendel-Duft strömt vom Bauerngarten über den Hof, schneeweiße Enten gönnen sich ein Nickerchen im Schatten eines Traktors. Die warme Sonne lässt das Weizenfeld am Hofrand golden leuchten.
Eine Sau grunzt ihren Kommentar, wie eine Zustimmung, zu Henrik Giegers Feststellung: "Die ist trächtig." Mittendrin im Hof-Idyll geht es für den jungen Mann in weißem Schutzanzug und mit Ultraschallgerät, dem sogenannten Pregtone, in der Hand ums Ganze: Er legt die praktische Abschlussprüfung zum Landwirt ab.
Insgesamt 45 Prüflinge werden heuer vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Coburg an fünf Tagen geprüft. 28 Prüflinge sind Absolventen der Berufsschule Coburg und haben eine klassische duale Ausbildung durchlaufen. 17 sind Absolventen des Bildungsprogramms Landwirt am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg - Quereinsteiger, die bereits eine außerschulische Ausbildung haben und sich am Abend oder in Blockkursen über drei Jahre die wesentlichen Inhalte angeeignet haben.
Der theoretische Teil, die schriftliche Prüfung, findet kommende Woche statt. Dann wird Wissen in Wirtschaftslehre und Sozialkunde abgefragt. Henrik Gieger aus Klosterlangheim ist einer von acht angehenden Landwirten, die zum praktischen Teil der Abschlussprüfung im Ferkelzucht-Betrieb der Familie Schwarzmann im prämierten Juradorf antreten.
"Die Absolventen können wählen, ob sie am Rind oder Schwein geprüft werden", erläutert Thomas Schwarzmann, Hausherr, Prüfer und Fachberater am Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Bayreuth in Personalunion. "Ein Azubi hat als Ausbildungsbetrieb einen Hühnerhof gewählt", ergänzt Berufsschullehrerin Tanja Schilling. Sie fiebert mit ihrer Schützlingen in Großziegenfeld mit. In zwei Abschnitten, verteilt auf Vormittag und Nachmittag, müssen die Absolventen jeweils zwei Prüfern Rede und Antwort stehen.


Moderne Betriebe

Denn so romantisch das Dorfleben auf den ersten Blick daherkommt, die meisten Bauernhöfe sind heute moderne Betriebe, die mit der Zeit gehen und sich technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen stellen. Um einen solchen Hof zu führen, brauchen Landwirte technisches Know-How sowie Sachverstand in Pflanzen- und Tierzeugung - ein breit gefächertes Wissen, das die Prüflinge in Großziegenfeld unter Beweis stellen müssen. Aufregung gehört bei Prüfungen dazu. Der Klosterlangheimer aber wirkt selbstsicher. "Klar gibt es Themengebiete, die einem mehr liegen als andere", gibt er kritisch zu, bleibt aber souverän. Der 19-Jährige und seine Kollegen beantworten Fragen zur Viehzucht: Wie beurteilen Sie eine Gruppe Ferkel hinsichtlich ihrer Masteigenschaften? Wie hoch ist der Kaufpreis? Wie sieht die Dokumentation für einen Arzneimitteleinsatz sowie eine Bestandsveränderung aus? Wie berechnet sich eine Mischung mit den vorhandenen Futtermitteln für dieselbe Gruppe Ferkel? Und sie lösen Aufgaben zur pflanzlichen Erzeugung: Bereiten Sie alle Arbeiten für die Aussaat von geeigneter Wintergerste im Prüfungsbetrieb auf einer Fläche von 2,5 Hektar vor. Berechnen Sie den Düngerbedarf für diese Gerstenfläche. Beurteilen Sie den vorhandenen Gerstenbestand im Betrieb. Auch Fragen zur Betriebssicherheit und technischen Einstellung der Landwirtschaftsmaschinen gilt es zu beantworten. "Um Chancengleichheit zu gewährleisten, weil nicht alle Ausbildungsbetriebe über gleiche Maschinen verfügen, können sich die Prüflinge in ihrem Prüfungsbetrieb vorher umsehen und sich mit allem vertraut machen", erklärt Thomas Schwarzmann.

Die angehenden Landwirte müssen sich in allen Aspekten des Berufs auskennen, selbst wenn sie sich im Berufsleben dann spezialisieren. So wie Henrik Gieger. Er hat seine Ausbildung in einem Betrieb für Schweinemast gemacht, auf dem elterlichen Hof wird Ackerbau betrieben. Wird er also Landwirt, weil es von zu Hause erwartet wird? "Eher nicht", meint der Klosterlangheimer schmunzelnd. Seine Eltern hätten es auch unterstützt, hätte er einen anderen Beruf erlernt.
Doch er sei in die Landwirtschaft reingewachsen. Für ihn ist nach der Prüfung noch nicht Schluss. "Ich möchte meinen Techniker machen." Und es klingt fast schwärmerisch, wenn er sagt, dass kaum ein anderer Beruf so abwechslungsreich ist. Er variiert mit den Jahreszeiten. "Man ist in der Natur und hat immer etwas zu tun." Und wie zur Zustimmung grunzt jetzt nicht die Sau, sondern schnauben die Haflinger Max und Moritz, die dem Klosterlangheimer beim abschließenden Prüfungsgespräch im Stall fast über die Schulter sehen konnten.