Der Blick in den Atlas zeigt: Bad Staffelstein ist tiefblau. Allerdings ist nicht etwa der Main über die Ufer getreten, sondern die Rede ist vom Breitbandatlas, den das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) herausgibt. Dort bedeutet eine dunkelblaue Färbung ausschließlich etwas sehr Gutes, nämlich eine flächendeckende Versorgung mit Breitband-Internet über Glasfaser.

Eine Datenübertragungsrate von 50 Megabit in der Sekunde (Mbit/s) wird meist als Richtwert für eine schnelle, den aktuellen Anforderungen (z.B. Videostreaming) gerecht werdende Internetverbindung herangezogen, und über die verfügt in der Staffelsteiner Kernstadt jeder Haushalt. Selbst 1000 Mbit/s sind für die meisten Anwohner verfügbar. Damit ist die Kurstadt der Highspeed-Internet-Vorreiter im Kreis.

Doch auch der Blick auf den gesamten Landkreis kann sich sehen lassen. Siegbert Reuther vom Staffelsteiner Ingenieurbüro Reuther NetConsulting war und ist an vielen Glasfaser-Ausbauprojekten im Landkreis Lichtenfels beteiligt. "Überdurchschnittlich gut" sei die Situation. "Da kann man schon stolz sein." Doch sei der weitere Ausbau des Glasfasernetzes dringend notwendig. So sieht es auch das Landratsamt: "Zufrieden kann man sicherlich nur sein, wenn 100 Prozent Abdeckung erreicht sind", sagt der stellvertretende Pressesprecher Helmut Kurz.

"Ein schnelles Netz ist sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen sehr wichtig."

Siegbert Reuther spricht Bad Staffelstein in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle zu. Nicht nur in Oberfranken, sondern bayernweit sei man an der Spitze. Spätestens der von der Telekom auf eigene Kosten als Pilotprojekt durchgeführte Anschluss aller Haushalte in der Kernstadt an das Glasfasernetz habe der Kurstadt eine sehr komfortable Situation beschert. "Die anderen Kommunen im Kreis sind aber dabei, da aufzuschließen."

Ebensfeld schon dabei

Grund ist aktuell ein neues Förderprogramm, das 90 Prozent der Kosten für die Verlegung von Glasfaser bis in die Häuser übernehmen würde. Mit den meisten Lichtenfelser Kommunen würden die Gespräche hierzu bereits laufen.

Ebensfeld ist als erste oberfränkische Kommune in das Förderverfahren eingestiegen. "Wichtig ist immer, dass der Bürgermeister dahintersteht", sagt Reuther. Für die Kommunen sei der Ausbau langfristig auch eine Möglichkeit um Geld zu verdienen, wenn sie nach dem Ausbau zwar Eigentümer des Netzes bleiben, mit dem Betrieb aber beispielsweise die Telekom beauftragen.

Entscheidend ist für Reuther, dass auch die Bevölkerung hinter dem Projekt Glasfaser steht. "Es geht um viel mehr als nur schnelles Internet." Er spricht von digitalen Ortsstraßen, "um vorbereitet auf das zu sein, was die Digitalisierung in Zukunft fordert. Viele andere Länder sind da schon weiter als wir, auch von der Denke her."

Zum Beispiel werde Telemedizin als Ergänzung zu ärztlichen Behandlungen vor Ort immer wichtiger. "Da geht es aber nicht nur um die ärztliche Behandlung via Kamera." Mit Sensoren ausgestattete Uhren (sog. Smartwatches) könnten beispielsweise in Zukunft Daten wie Blutdruck und Puls nicht nur messen, sondern Auffälligkeiten direkt an den Arzt melden. "Die Sensoren können auch erkennen, wenn jemand stürzt und nicht mehr aufsteht. So könnte man ältere Menschen, die weiterhin zu Hause leben wollen, ein bisschen im Auge behalten." Viele Ärzte würden gerne schon mehr auf Telemedizin zurückgreifen, doch das Netz reiche gerade bei größeren Belastungen vielerorts nicht aus. "Da geht Kupfer einfach nicht mehr. Das hindert uns daran, Dinge, die Sinn machen, zu tun", sagt Reuther. Es brauche ein belastbares, zuverlässiges und sicheres Netz.

Wichtig für den Unterricht

Die Corona-Pandemie könnte das Bewusstsein für die Dringlichkeit des weiteren Glasfaserausbaus noch einmal geschärft haben, glaubt Reuther und nennt den virtuellen Unterricht von zu Hause aus als Beispiel. "Wenn jemand eine schlechte Verbindung hatte, hat das einfach nicht funktioniert."

Doch nicht nur der Schüler zu Hause, sondern auch die Schule selbst muss entsprechend gerüstet sein. Wie das Landratsamt mitteilt, haben rund 34 Prozent der Schulen im Landkreis (insgesamt 35 Schulen) eine Surfgeschwindigkeit von mehr als 50 Mbit/s. Über bis zu 50 Mbit/s verfüge jede fünfte Schule.