Bienen schwirren an diesem Morgen zwar nicht um die Insektenhotels in Mainklein (Burgkunstadt) und Spiesberg (Altenkunstadt). Dafür arbeiten andere emsig wie die Bienen: Die Mitglieder der zehnköpfigen Bewertungskommission "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" prüfen die beiden Orte auf Herz und Nieren. Immer wieder zücken Kreisfachberater Michael Stromer und Kreisheimatpflegerin Andrea Göldner ihre Kameras, werden mit fachmännischem Blick idyllische Gärten und schmucke Plätzen begutachtet und das Gespräch mit den Bürgern gesucht. Insgesamt 22 Dörfer werden dieser Tage im Rahmen des Kreisentscheides von den Fachleuten besucht. "Hier leben noch starke Ortsgemeinschaften", schwärmt Stromer.
Gemeinschaftsgefühl statt Egoismus - so lautet die Devise in beiden Orten. "Bei uns ziehen alle an einem Strang, hier ist der Wettbewerb immer wieder Ansporn, unseren Ort gestalterisch weiterzuentwickeln", bringt es die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Spiesberg, Agnes Weberpals, auf den Punkt. Und wer meint, Bundesstraße und Eisenbahnlinie würden in Mainklein einen Keil durch die Dorfgemeinschaft treiben, der irrt gewaltig: "Sie mögen uns räumlich trennen, doch menschlich teilen sie uns nicht", spricht die ortsansässige Stadträtin Ingrid Kohles allen Einwohnern aus der Seele.
Der Gemeinsinn ist in beiden Orten Katalysator für so manches Projekt. In Mainklein war man sogar bis kurz vor Torschluss eifrig bei der Sache. Kohles stellt das jüngste Schmückstück "made in Mainklein" vor: "Am vergangenen Freitag ist unser Insektenhotel fertig geworden. Schreinermeister Daniel Dorsch hat das Grundgerüst gebaut. Die Dorfkinder, die sehr fleißig waren, haben es mit Holz, Stroh, Lehm und Tannenzapfen bestückt."

Behindertenfreundlichkeit

Auch in Spiesberg mit seinen schmucken Fachwerkhäusern hat die Dorfgemeinschaft, unterstützt von der Gemeinde, in den vergangenen Jahren die Hände nicht in den Schoß gelegt. Eine Handvoll Bürger zeigt den Gästen bei einem Rundgang, was sich in den vergangenen Jahren in Spiesberg so alles getan hat. Dabei hat man nicht nur auf Schönheit, sondern auch auf Behindertenfreundlichkeit geachtet. Stromer ist erfreut und überrascht zugleich von dem höhengleichen Zugang zur Kapelle.
Auch für das Auge wird in beiden Orten etwas geboten: idyllische Bauerngärten, schmucke Kapellen, ein wohlriechender Kräutergarten (Spiesberg) und ein Blick auf das Spiesberger Kreuz, befreit von umrankenden Bäume, lenken die Blicke der Kommissionsmitglieder auf sich. Das Brauchtum kommt auch nicht zu kurz: "Am Kirchweihmontag wird in Spiesberg jährlich von einer Familie ein Baum gepflanzt, der vom Obst- und Gartenbauverein gespendet wird", erzählt Weberpals.
Und in Mainklein? Kohles berichtet von einem nicht alltäglichen Faschingsumzug: "Die Kinder ziehen maskiert von Haus zu Haus und erfreuen die Menschen mit lustigen Sprüchen. Dafür werden sie belohnt. Das Geld wird untereinander aufgeteilt für den folgenden Kinderfasching im Wirtshaus."

Hier gibt es noch die Großfamilie

In Spiesberg und Mainklein leben noch mehrere Generationen unter einem Dach - hier findet man noch die Großfamilie. "In 28 von unseren insgesamt 41 Wohnhäusern leben zwei Generationen, in den anderen teilweise bis zu vier Generationen", hebt Kohles hervor. All diese Aspekte, die beim Rundgang durch das Dorf zu Tage treten, machen deutlich, dass es bei dem Wettbewerb nicht darum geht, welches Dorf den schönsten Blumenschmuck hat, sondern darum, welcher Ort sich durch gemeinsames Engagement eine soziale, ökologische und wirtschaftliche Perspektive gibt.
Perspektiven haben für Stromer beide Orte: Mainklein liege verkehrsgünstig zwischen Kulmbach und Lichtenfels an der B 289, Spiesberg habe die Ferienwohnungen als As im Ärmel, die ein nebenberufliches Standbein bildeten. Obgleich sich die Kommission auf einen Ort festlegen muss - für Stromer sind alle Gewinner.

Der Kreiswettbewerb

Jurymitglieder Kreisfachberater Michael Stromer, Kreisbäuerin Marion Warmuth, Christine Reininger vom Amt für Landwirtschaft und Forsten, Kreisheimatpflegerin Andrea Göldner, Berhold Girschke vom Bauamt am Landratsamt Lichtenfels, Gerhard Popp, ehemaliger Kreisjugendpfleger aus Reundorf, Brigitte Pfister von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Lichtenfels sowie Fritz Böhmer (Kleukheim), Sylvia Heib (Burgkunstadt) und Ellen Pieper (Bad Staffelstein), die allesamt dem Kreisverband für Gartenbau und Landespflege angehören.

Bewertungskategorien Entwicklungskonzepte, soziale und kulturelle Aktivitäten, Baugestaltung und -entwicklung, Grüngestaltung und -entwicklung sowie die Einbettung des Dorfes in der Landschaft