Immer wieder ist die Rede von zunehmender Ichbezogenheit und knallharter Ellbogenmentalität in unserer Gesellschaft. Doch es menschelt zum Glück auch noch anno 2018. Als tolles Beispiel dienen darf die Ablegung der Feuerwehr-Jugendleistungsspange am Samstagvormittag in Bad Staffelstein. 44 Jugendliche aus elf Wehren stellten sich im Stadion des TSV Staffelstein erfolgreich den Herausforderungen eines fünfteiligen Parcours und durften am Ende verdientermaßen ihre erworbenen Abzeichen in Empfang nehmen.

Feuerwehrhelm, Anzug und Handschuhe angelegt - dann konnte es nach kurzer Begrüßung auch schon losgehen. Ein wenig Lampenfieber war freilich mit im Spiel. Beim Feuerwehrnachwuchs hat, wie die respektable Teilnehmerzahl beweist, die Ablegung der Jugendleistungsprüfung einen hohen Stellenwert, zumal sich die Anwendung von erworbenem Wissen verknüpft mit dem zusätzlich motivierenden sportlichen Charakter.

So galt es, mittels Saugschläuchen, C-Schläuchen und Rohren einen Löschangriff fachgerecht und zugleich zügig vorzutragen oder bei einer "Schnelligkeitsübung" eine Schlauchleitung über eine Strecke von 130 Metern auszulegen. Grips war gefragt bei der Beantwortung von Fragen, etwa zu Ausrüstung und Löschverfahren der Feuerwehr oder Themen der Gesellschafts- und Jugendpolitik. Weil für einen späteren Einsatz in der aktiven Wehr eine gewissen physische Fitness nicht schaden kann, sehen die Richtlinien für den Erwerb der Jugendleistungsspange Kugelstoßen und einen Staffellauf als weitere Disziplinen vor.

Die 15- bis 18-Jährigen aus den Feuerwehren Altenkunstadt, Ebensfeld, Großziegenfeld, Marktzeuln, Mistelfeld, Serkendorf, Seßlach, Uetzing, Unterzettlitz, Weismain und Wiesen hatten sich freilich entsprechend vorbereitet. Schon bei den insgesamt vier Übungseinheiten im Vorfeld, jeweils zweimal in Altenkunstadt und in Bad Staffelstein, verinnerlichten die Jugendlichen die wichtigste Voraussetzung für das erfolgreiche Ablegen der Jugendleistungsspange: Nur mit vereinten Kräften im Zusammenspiel mit den anderen Gruppenmitgliedern können die gesteckten Herausforderungen bewältigt werden. Dass von vornherein für die Ablegung des Abzeichens Gruppen gebildet werden, kommt daher nicht von ungefähr.

Pro Disziplin konnten die jeweiligen Gruppenmitglieder maximal vier Punkte ergattert werden "Es ist eine Gemeinschaftsleistung gefordert, bei welcher der Stärkere dem Schwächeren hilft" - dieser Satz in den Richtlinien zum Erwerb der Leistungsspange ist keineswegs nur graue Theorie, sondern musste von den Jugendlichen mit Leben gefüllt werden, um zum Ziel zu gelangen. So zählt beim Kugelstoßen die Gesamtweite der Gruppe, und wer in der Gruppe beim 1500 Meter langen Staffellauf - hier durfte die Feuerwehrmontur genauso wie beim Kugelstoßen abgelegt werden - wieviel läuft, konnten und sollten die Jugendlichen untereinander ausmachen.

Die eingesetzten Wertungsrichter hatten ein wachsames Auge - und freuten sich dann grinsend mit, wenn eine Gruppe drei oder gar vier Punkte eingeheimst hatte. Um zur begehrten Leistungsspange zu gelangen, war auch ein stimmiges Gesamtbild über alle fünf Stationen hinweg vonnöten, freilich mit einem etwas höheren Schwerpunkt bei den "feuerwehrtechnischen" Stationen. So würden null Punkte beim besagten Löschangriff oder bei der Fragenbeantwortung zwangsläufig zum insgesamten Nichtbestehen führen.

Dieser Fall trat aber nicht ein - und so sah man glückliche Gesichter bei der Überreichung der Abzeichen am frühen Nachmittag. Alle fünf gebildeten Gruppen und somit alle 44 teilnehmenden Jugendlichen hatten bestanden.

Kreisjugendfeuerwehrwart Tino Schamberger dankte der Staffelsteiner Feuerwehr für die Ausrichtung sowie dem TSV Staffelstein für die Zuverfügungstellung des Sportgeländes sowie den Wertungsrichtern mit den Abnahmeberechtigten Gerold Schneiderbanger und Roland Dauer. Auch Bad Staffelsteins Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) und Kreisbrandrat Timm Vogler hatten sich die Zeit genommen, um Glückwünsche auszusprechen. "Es ist schön, wenn Jugendliche bei der Feuerwehr so engagiert sind", meinte Bürgermeister Kohmann und verlieh, genauso wie Vogler, der Hoffnung Ausdruck, der Nachwuchs möge auch im Erwachsenenalter als Aktive der Feuerwehr die Treue halten. Nicht versäumt wurde bei der Gelegenheit auch, den Jugendwarten in allen Feuerwehren für ihre gute und enorm wichtige Arbeit Dank auszusprechen.

Und die Jugendlichen freuten sich natürlich über ihr schönes und verdientes Abzeichen. Und dass sie am Ende nass waren bis auf die Haut, lag nicht einzig daran, dass sie bei Staffellauf und Spurts mitsamt Feuerwehrschlauch ins Schwitzen gekommen werden. Den gesamten Vormittag hatte es unablässig über Bad Staffelstein geregnet. Doch die Sankt-Florians-Jünger von morgen ließen sich davon nicht beeindrucken. Ein wasserscheuer Feuerwehrler - das findet sich in etwa so häufig wie Schneefall im Juli.