Der Kronacher Architekt Herbert Müller ist ein begeisterter Staffelberg-Wanderer. Seit Jahrzehnten macht er immer wieder Ausflüge auf den Berg und kehrt in der Klause ein. "Dort herumzulaufen ist für mich ein Stück Meditation", sagt er.

Mit der Zeit störte ihn jedoch, dass zwei alte Ölbilder im Gastzimmer der Klause auffallend schwarz geworden sind, so dass nur mit Mühe erkennbar ist, wen sie zeigen. Der jahrzehntelange Nikotinqualm ist wohl einer der Faktoren, der zum starken Nachdunkeln der beiden Eremiten-Porträts geführt hat.

Herbert Müller entschloss sich deshalb, etwas zu tun. Mit drei Gleichgesinnten entschloss er sich, Geld aufzubringen, um die Bilder fachkundig restaurieren zu lassen. Rund 4000 Euro kostet das - pro Bild. Aus eigener Tasche stellten die vier Männer so viel Geld zur Verfügung, um eines der beiden Bilder restaurieren zu lassen. Für die Renovierung des zweiten Bildes suchen sie noch Sponsoren.

Das erste Gemälde, das den Eremiten Jakob Heß zeigt, wurde vor wenigen Tagen von der Wand genommen und von dem Kronacher Restaurator Stefan Löffler abtransportiert. Ende Juni wird des wohl wieder an seinem angestammten Platz in der Klause aufgehängt. Die Besucher der Klause können dann den Porträtierten wieder erkennen.

Anschließend soll dann das zweite Ölbild, das den Eremiten Ivo Hennemann zeigt, zum Restaurieren gebracht werden. Herbert Müller hofft, zusammen mit der Staffelsteiner Kapellenstiftung bis dahin die erforderlichen Finanzmittel zusammenzubekommen. Er appelliert deshalb an alle, die den Staffelberg mögen, sich finanziell an der Restaurierung des Gemäldes zu beteiligen.

Der Wert der Bilder ist nach Ansicht von Bezirksheimatpfleger Günter Dippold "vom Künstlerischen her überschaubar". Für den Staffelberg jedoch seien die Bilder von großer Bedeutung, weil sie zwei der langjährigsten und bekanntesten Eremiten zeigen.

Jakob Heß ist um 1694 geboren; woher er kam, ist nicht überliefert. Ab 1723 lebte er als Einsiedler auf dem Staffelberg. Er verfügte über eine gewisse künstlerische Begabung auf dem Gebiet der Malerei - das beste Zeugnis seiner Arbeit ist wohl das Heilige Grab, das bis heute alljährlich um die Osterzeit in der Adelgundiskapelle aufgebaut wird und noch bis Ende April zu sehen ist.

Das jetzt zum Renovieren gebrachte Bild könnte ein Selbstbildnis von Heß sein. Bewiesen ist das freilich nicht. Das Gemälde könnte ebenso erst um 1800 entstanden sein, also 30 Jahre nach Heß' Tod. Fraglich bliebe dann aber, warum jemand den früheren Eremiten so lange nach dessen Tod hätte malen sollen.

Rund 40 Jahre - ebenso wie Heß - wirkte Ivo Hennemann (1824-1900) als Eremit auf dem Staffelberg. "In seiner Zeit wurde die heutige Klause gebaut", sagt Günter Dippold. In diese Zeit falle zudem der Besuch Joseph Victor von Scheffels, der damals einer der meistgelesenen deutschen Autoren gewesen ist. Der "Einsiedelmann" des von ihm gedichteten Frankenliedes sei eindeutig Ivo Hennemann. Infolge von Scheffels Promifaktor, so der Bezirksheimatpfleger, seien seit den 1880er-Jahren viele Menschen zu dem Eremiten auf den Staffelberg gepilgert, um dieses "lebende Scheffel-Denkmal" zu sehen.
Wer dieses zweite Bild gemalt hat, sei nicht bekannt. Es sei jedoch aufgrund des Stils und der Qualität plausibel, dass es von dem Staffelsteiner Kunstmaler Hans Theodor Stengel stammen könnte.
Resümee des Bezirksheimatpflegers: "Beide Bilder sind stark verschmutzt. Das Nikotin von Jahrzehnten haftet an diesen Bildern." Es sei gut, dass sie nun restauriert werden, so dass man sie wieder in ordentlichem Zustand ansehen kann.