Seit knapp zwei Wochen haben Biergärten und die Außenbereiche von Gaststätten bayernweit wieder für Besucher geöffnet. Seit einer Woche dürfen Gäste auch wieder im Innenbereich der Lokale bewirtet werden. Aufgrund der Corona-Pandemie gelten allerdings strenge Abstandsregeln und Hygieneauflagen. Unter anderem sind die Öffnungszeiten auf 22 Uhr beschränkt. Bedienungen müssen ständig Mund-Nasen-Masken tragen. Die Gäste dann, wenn sie sich nicht an ihren Tischen befinden. So schätzen Bad Staffelsteins Gastronomen die aktuelle Situation ein.

Froh über Gespräche mit Gästen

Emanuele Gatani freut sich, dass er in seiner Pizzeria "Bei Manu" wieder Gäste empfangen darf. "Es ist noch etwas ruhig, die Leute sind noch vorsichtig", zieht er Bilanz. Momentan würden vor allem Familien, Paare oder Freunde kommen, um gemeinsam zu essen. Auch Senioren finden langsam wieder den Weg in seine Pizzeria. "Es dauert einfach seine Zeit, bis die Leute wieder zur Normalität zurückkehren."

Gatanis Pizzeria hat zwei Gärten. "Im hinteren Garten können mit den momentanen Abstandsregeln zehn bis 14 Leute gleichzeitig sitzen, im vorderen Garten 15 bis 20", berichtet Gatani. Für den Staffelsteiner hat es oberste Priorität, die Regeln genau einzuhalten, damit er auch weiterhin für seine Gäste da sein kann. So werden unter anderem alle Gäste an einer Markierung am Eingang empfangen und dann zu ihrem Tisch gebracht.

Vor allem der Kontakt zu seinen Gästen hat Gatani während des Corona-Lockdowns gefehlt. "Natürlich konnte man den Leuten durch die Scheibe hallo sagen, wenn sie ihre Bestellungen abgeholt haben, aber das ist nicht dasselbe", sagt Gatani. Trotz Mundschutz und Sicherheitsabstand ist er froh über jedes persönliche Gespräch mit seinen Gästen.

Nur Straßenverkauf

Nur wenige hundert Meter weiter betreibt Antonio Fornasier seit 31 Jahren sein "Eis Café Venezia" in der Bad Staffelsteiner Innenstadt. Trotz der Lockerungen hat hat er sich bewusst dazu entschieden, vorerst keine Tische im Außenbereich seines Cafés für seine Gäste aufzustellen. "Momentan hat nur unser Staßenverkauf geöffnet", berichtet Fornasier. Ihm ist es zu riskant, Gäste vor Ort zu bewirten - vor allem an Tagen, an denen viel los ist. Wegen der steigenden Temperaturen hat er dennoch eine paar Stühle vor seinem Café in den vorgeschriebenen Abständen aufgestellt. "Senioren sollen eine Möglichkeit haben, sich auszuruhen."

Nach dem Lockdown hat Fornasier sein Café für einige Tage geschlossen. "Man wusste nicht, wie es weitergeht", erinnert sich Fornasier. Für den Straßenverkauf hat er Plexiglas als Schutz bei der Durchreiche angebracht. "Ich bin sehr, sehr zufrieden. Die Einheimischen unterstützen uns und akzeptieren alle Maßnahmen", sagt er. Generell sei zu beobachten, dass die Leute wesentlich geduldiger sind als in den vergangenen Jahren. "Normalerweise haben alle beim Warten immer Stress", berichtet er und lacht.

Mit den Auflagen steigen Kosten

Eine Straße weiter betreibt Matthias Metasch seit zwölf Jahren die Gaststätte "Am Stadtturm". Zunächst war der Pächter über die zu befolgenden Hygiene- und Abstandsregeln schockiert: "Nach dem dritten Mal lesen wird dann deutlich, dass bei vielen Anweisungen auch ein ,gegebenenfalls‘ oder ,sollte‘ steht." Dennoch haben er und sein Team sich darüber gefreut, wieder zu öffnen.

Mit den Auflagen steigen für Metasch die Kosten. "Es muss wesentlich mehr dokumentiert werden und die Bedienungen brauchen für die Betreuung der einzelnen Gäste mehr Zeit", berichtet er aus dem momentanen Alltag. Beispielsweise müssen die Tische regelmäßig desinfiziert und die Daten aller Gäste erfasst werden: "So fällt ein gewisser Zeitaufwand für die Bedienungen an, den sie sonst nicht haben."

Wie viele Personen Metasch momentan gleichzeitig in seiner Gaststätte bewirten kann, kann er nicht genau sagen. "Das hängt von den Reservierungen an - die einzelnen Gäste müssen eineinhalb Meter voneinander entfernt sitzen", erklärt der Bad Staffelsteiner. Entsprechend der Reservierungen verteilt er die Gäste dann im Innenraum an die Tische, ohne diese zu verstellen. "Im Außenbereich ist es einfacher, dort kann man die Tische leichter auseinanderstellen."

Unterschiedlicher Umgang

Wie Metasch in den letzten Tagen beobachtet hat, gehen die Gäste unterschiedlich mit der Situation um. "Teilweise sind die Leute noch verhalten und trauen sich nicht so. Es gibt aber auch Leute, die schon die ganze Zeit wieder kommen - das ist unterschiedlich." Seit dem Wochenende haben die Hotels in der Region wieder geöffnet. "Man merkt, dass wieder andere Leute hier zu Gast und in Staffelstein unterwegs sind."

Von Cindy Dötschel

Kein Pfingstansturm auf Hotels - Sorge um die Zukunft

Der Mund-Nase-Schutz und ein Handdesinfektionsmittelspender sind schon lange keine Seltenheit mehr an vielen Orten des öffentlichen Lebens, so auch in den Hotels und Pensionen im Landkreis Lichtenfels, die seit dem 30. Mai wieder für den touristischen Betrieb geöffnet haben. Bodenmarkierungen, Einweghandschuhe, eine Stundenbegrenzung beim Frühstück oder die komplette Schließung von Wellness-Bereichen dagegen entsprechen wohl nicht den Vorstellungen von Urlaub. Dennoch bemühen sich die Beherbergungsbetriebe trotz und mit umfassenden, meist selbst erstellten Hygienekonzepten ihren Gästen die bestmögliche Erholung zu verschaffen: "Wie sind gut gerüstet", betont Simone Seidel, Inhaberin des Hotels und Restaurants Fränkischer Hof in Altenkunstadt/ Baiersdorf.

Die Geschäftsreisenden, die in den vergangenen Wochen schon hier übernachtet haben, seien verständnis- und rücksichtsvoll gewesen. "Wir haben viele Räume hier, klein und groß, auf die wir ausweichen können. So können wir die Gäste gut aufteilen." Im Restaurant hat das Hotel zudem ein kreatives System entwickelt: Mit hübsch anzusehenden "Dekotischen" ohne Gedeck wird für genügend Abstand zwischen den Speisenden gesorgt. Für die weiteren Wege, aber besonders auch den höheren Zeitaufwand von Zimmerreinigung, Flächendesinfektion und Organisation, braucht der Fränkische Hof selbstverständlich mehr Personal, das in diesen Zeiten jedoch schwer zu rekrutieren sei. Am Frühstücksbuffet etwa müssen alle Speisen einzeln portioniert beziehungsweise als fertig angerichtetes und abgedecktes Frühstück angeboten werden. Die Zimmerpreise hat das Hotel bisher stabil halten können, im Restaurant mussten einige Preise dem höheren Aufwand geschuldet leicht angehoben werden.

Einzelreisende und Gruppen

Auch andere Herausforderungen sind schwer zu bewältigen: Ab wie vielen Personen zählen Menschen als "Gruppe"? Und was ist ein "Einzelreisender"? Hierfür gebe es bislang keine Erläuterungen des Freistaates. "Und was ist mit denjenigen Leuten, die einzeln buchen, sich aber kennen und dann trotzdem hier treffen?", fragt Simone Seidel. Sie spricht von "minimalen Buchungszahlen" im Vergleich zu den Monaten Juni und Juli im Vorjahr. Zudem fallen die Ausfälle von großen Veranstaltungen wie Tagungen oder Hochzeiten ins Gewicht: "Das holt man auch nicht mehr rein."

Sehen sich die Menschen nach den letzten Monaten voller Entbehrungen und Einschränkungen nicht nach Urlaub? "Ich denke, dass es keine klaren Regeln gibt und viele nicht wissen, wie manche Dinge genau ablaufen, macht es schwierig. Die Menschen sind unsicher." Simone Seidel und das Team müssen in allen Bereichen einen Mundschutz tragen, die Gäste beispielsweise an den Tischen aber nicht. "Wo ist da die Erklärung?" Unzählige Einweghandschuhe, die die Mitarbeitenden im Hotel- und Gaststättenbetrieb benutzen müssen, und Plastikverpackungen sind ein notweniges Übel. "Dabei hat man doch die letzten Jahre darauf hingearbeitet, dass der ganze Betrieb umweltfreundlicher wird", sagt Seidel.

Ähnlich ergeht es dem Hotel-Restaurant Erich Rödiger in Bad Staffelstein. "Generell haben wir einen viel höheren Aufwand bei wesentlich weniger Möglichkeiten, Geld zu verdienen." Eine leichte Preiserhöhung für den Hotelbetrieb habe zwar stattgefunden, diese sei aber bereits im vergangenem Jahr beschlossen worden. Er und sein Team haben sich ebenfalls gut auf die neue Situation eingestellt: "Die Informationen kamen zwar kurzfristig, aber detailliert zum Beispiel von der Dehoga." Nichtsdestotrotz sei das Hotel für die Pfingstzeit aber gerade einmal zu 30 Prozent ausgelastet. Eine Phase, in der sonst meist Vollbelegung herrsche. "Uns erreichen immer noch viele Absagen, auch für Juli, August und September. Ich denke, der Knackpunkt ist die geschlossene Therme."

Keine Therme, wenig Gäste

Auch im Ordner für innerbetriebliche Maßnahmen des Best Western Plus Kurhotel an der Obermaintherme hat sich mittlerweile viel Papier angesammelt. Zum Hygienekonzept gehört etwa, saubere Wäsche in einem anderen Raum sammeln als schmutzige Wäsche, und festere Arbeitsbereiche für die Zimmerdamen, die vorher stockwerkübergreifend tätig waren. Geschäftsführer Andreas Poth fühlt sich so gut gerüstet für den erweiterten Hotelbetrieb. Die Buchungen seien bisher noch verhalten: "Die Auslastung für die Pfingstzeit liegt bei circa zehn Prozent. Viele rufen an und fragen: Hat die Therme offen? Wenn wir verneinen, verabschieden sie sich meist auch."

Diejenigen, die trotzdem den Weg ins Obermaintal finden, kommen oftmals aus dem dem Nürnberger Raum, dem Gebiet um Erfurt und Dresden sowie Frankfurt. Sie gehen wandern, fahren Rad oder nutzen Kulturangebote.

"Ich hoffe wirklich, dass sich der Betrieb in den kommenden Monaten wieder einspielt", so Andreas Poth. "Im Verhältnis zum Umsatz steigen unsere Kosten um 30 Prozent. Die Zimmerpreise bleiben aber vorerst gleich."

Von Corinna Tübel