Es ist eine Erfolgsgeschichte, deren letztes Kapitel noch lange nicht geschrieben ist: Auch 50 Jahre nach seiner Gründung wird der Maschinenring Coburg-Kronach-Lichtenfels seinem ursprünglichen Zweck gerecht, Selbsthilfevereinigung für Landwirte zu sein. Fast nebenbei entwickelte sich der Verein aber zu einem Wirtschaftsunternehmen mit siebenstelligem Jahresumsatz.
Die Situation ist für Holger Heymann und seine sechs Mitarbeiter fast alltäglich: Im früheren Zettlitzer Raiffeisengebäude, das seit 1998 als Geschäftsstelle für den Maschinenring (MR) dient, klingelt das Telefon. Ein Angehöriger ruft an, weil ein Bauer im Einzugsbereich des Vereins einen Unfall hatte, oder erkrankt ist. In diesem Moment beginnt die Arbeit des Maschinenrings. Das Team lässt seine Kontakte spielen, setzt sich mit anderen Landwirten in der Umgebung in Verbindung, um möglichst noch am gleichen Tag jemanden zu finden, der die Arbeiten auf dem Hof übernimmt.
"Das Vieh füttert sich schließlich nicht von alleine", sagt Heymann. Der 38-Jährige ist seit viereinhalb Jahren hauptamtlicher MR-Geschäftsführer und betreibt zusätzlich einen landwirtschaftlichen Betrieb in Sonnefeld-Bieberbach. Er ist den neun haupt- und 97 ehrenamtlichen Betriebshelfern, die unter dem Dach des Vereins in drei Landkreisen teils über 1000 Arbeitsstunden im Jahr leisten, dankbar. Nicht nur aufgrund des Wandels in den Familienstrukturen ist ihre Tätigkeit äußerst gefragt. "Man kann es schon so sagen: Früher wurde der Ausfall einer Arbeitskraft durch Kinder, oder Großeltern kompensiert. Jetzt müssen das die Betriebshelfer übernehmen", beschreibt Holger Heymann die Lage auf nicht wenigen Höfen, wo ein Krankheitsfall fast schon den Stillstand bedeuten würde.

Über Fünf-Millionen-Euro-Marke
In Zeiten, in denen viele Landwirte mit ihrem Betrieb alleine nicht mehr über die Runden kommen, ist diese Zuverdienstmöglichkeit aber auch für die Helfer wichtig. Ebenso wächst die Bedeutung von weiteren Nebentätigkeiten, die ebenfalls vom MR vermittelt werden, etwa die Übernahme von Winterdienst, Grünflächenpflege, oder Kompostierungen. Was sich auch in der Bilanz widerspiegelt. Der Verrechnungswert, also die Summe der zwischen den Landwirten abgerechneten Leistungen, wird im kommenden Jahr aller Voraussicht nach die Fünf-Millionen-Euro-Marke übersteigen.
Der Löwenanteil dieser Summe wird durch eine Aufgabe generiert, die der Organisation ihren Namen gibt - die Vermittlung von Maschinen. Der Ablauf ist ähnlich wie bei den Betriebshelfern, wenngleich weniger kurzfristig: Wird ein Schlepper, Mähdrescher, Häcksler oder Düngemittelstreuer benötigt, koordiniert der Ring die kostenpflichtige Vermietung.
Dass die siebenköpfige Belegschaft in Zettlitz einen Jahresumsatz von über zehn Millionen Euro bewältigt, liegt an den Firmen, die im Laufe der Jahre aufgrund der gestiegenen Anforderungen, und ebenfalls auf dem Selbsthilfe-Gedanken basierend, vom Maschinenring-Verein aus der Taufe gehoben wurden. Während sich die MR Service GmbH auf die Vermittler- und Beratertätigkeit konzentriert, betreibt der Maschinenring Gesellschaften für Bioenergie (zum Zwecke der Holzverwertung; gemeinsam mit der Waldbauernvereinigung) und Pflanzenöle. Letztere sollte ursprünglich hauptsächlich Kraftstoff produzieren. Mit der Einführung der Besteuerung von Biokraftstoffen brach dieser Markt allerdings vollständig zusammen, was durch andere Absatzbereiche (Futteröl, Blockheizkraftwerke) teilweise kompensiert wurde.
Wenn der Maschinenring am morgigen Samstag sein 50-jähriges Bestehen feiert, kann er mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft blicken. Einerseits verzeichnet der Verrechnungswert seit Jahren imposante Zuwachsraten (zuletzt 6,9 und 7,5 Prozent). Anders sieht es aber bei den Mitgliederzahlen aus. Nach der Gründung in Lichtenfels, Staffelstein und Kronach im Jahre 1963 (Coburg existierte bereits zwei Jahre zuvor; der Gesamtring formierte sich 1972) stiegen diese stark an und erreichten 1993 ihren Höchststand (2086 Personen). Seitdem sinkt der Mitgliederstand aber kontinuierlich um rund ein Prozent pro Jahr, "fast ausschließlich durch Betriebsaufgaben", wie Holger Heymann feststellt.
Hinzu kommt, dass viele Betriebe expandieren müssen, um rentabel zu bleiben. Diese Entwicklung - hin zu größeren Bauernhöfen, die mehr Arbeitskräfte benötigen, wobei zugleich immer weniger Helfer da sind - zu meistern, "ist die große Herausforderung für uns in den nächsten Jahren", glaubt der Geschäftsführer. Deshalb ist eines sicher: Die Telefone im ehemaligen Raiffeisengebäude werden auch in absehbarer Zeit nicht still stehen.

Zahlen und Fakten
Mitglieder Im Maschinenring Coburg-Kronach-Lichtenfels sind aktuell 1711 Mitglieder organisiert (Coburg: 726; Kronach: 434; Lichtenfels: 551). Das entspricht einem Anteil von zwei Dritteln aller landwirtschaftlichen Betriebe und 85 Prozent der rund 74 000 Hektar an landwirtschaftlichen Flächen in den drei Landkreisen.

Umsatz Im Jahr 2012 betrug der Umsatz aus der Maschinenvermittlung 4,86 Millionen Euro (davon 1,74 Millionen Euro im Bereich Futterbau und Strohernte). Den größten Zuwachs verzeichnete die Vermittlung von Hofmaschinen (um 25 Prozent auf 0,49 Millionen Euro). Der Gesamtumsatz von Maschinenring e.V., MR Service GmbH, Mara Pflanzenöle GmbH und Co. KG und WBV-MR Bioenergie GmbH liegt bei mehr als zehn Millionen Euro.

Verrechnungswert Im nebenberuflichen Betriebshilfedienst beläuft sich dieser auf 637 856 Euro. Er setzt sich aus insgesamt 44 824 geleisteten Stunden zusammen.

Jubiläum Zur 50-Jahr-Feier des Maschinenrings am Samstag, 9. März, ab 19.30 Uhr im Ströwer-Casino in Rödental werden 450 Gäste erwartet.