Bei der Pressekonferenz zum Brückentheater in Bad Staffelstein war es erst eine Andeutung, dass die Verbindung des Theatersommers zum Landkreis Lichtenfels in Zukunft inniger werden könnte. Da war die Sache noch nicht spruchreif, Jan Burdinski musste sich im April auf die Andeutung beschränken, man habe eine Lagermöglichkeit in Kutzenberg in Aussicht. Doch merkte man dem Intendanten an, dass er etwas Großes vor Augen hatte. Vor wenigen Tagen wurde es dann offiziell: Der Bezirk hat der Landesbühne Oberfranken (besser bekannt als Fränkischer Theatersommer) den Gutshof Kutzenberg als Schenkung übereignet.
"Ein Traum ist in Erfüllung gegangen", sagt Burdinski, als wir ihn vor Ort treffen. "Hier haben wir ganz viel Platz." Gleichwohl lassen manche Räume, die der Theatermann aufschließt, erschaudern. Hier wohnt schon lange kein Mensch mehr. Belebung leistet offenbar eine Marderfamilie, wie man aus den Hinterlassenschaften schließen kann. Die Sandsteinmauern, die Doppel-Fenster und das Treppengeländer geben dem Betrachter trotz allem noch eine Ahnung von dem alten Stolz dieses Hofes. "Es ist unendlich viel zu tun", weiß Jan Burdinski; seine Begeisterung trübt das nicht.
Die Logistik war eine lästige Herausforderung der Wanderbühne. Auf fünf Orte waren Theaterutensilien verteilt: das Stuhllager in Forchheim, Kostüme in Wiesentfels, sogar in eine ehemalige Wurstfabrik hatte man sich mal eingemietet - dort litten die Requisiten unter der Feuchte. Geprobt wurde in St. Gangolf, dem Kulturraum der Stadt Hollfeld. Für die Aufführungen in ganz Oberfranken und darüber hinaus musste der Fuhrpark die nötige Ausstattung zusammenholen und dann an den gewünschten Ort verfrachten.
Nach 25 Jahren habe man es verdient, etwas Eigenes zu haben, findet der Intendant. Man wolle sich dessen würdig erweisen, strebe einen guten Kontakt zur Landkreisbevölkerung an. Die gewachsene Freundschaft zu Hollfeld, wo immer noch der Sitz und auch die Wurzeln des Theaters liegen, wolle man indes weiter pflegen. Beispielsweise mit Gemeinschaftsprojekten mit der dortigen Bürgertheatergruppe wie jetzt gerade dem "Brandner Kasper".
Im vergangenen Jahr erst war der Versuch des Theatersommers, in Forchheim mit dem Bau einer "Theaterscheune" Fuß zu fassen, gescheitert. Zwar waren Förder- bzw. Spendenzusagen für die veranschlagten Kosten von zwei Millionen Euro eingeholt worden. Die Verantwortlichen der Stadt fürchteten aber Folgekosten.


Erste Gespräche im Vorjahr

Im August gab es dann erste Gespräche über den alten Gutshof in Kutzenberg als mögliche Alternative. Bezirkstagspräsident Günther Denzler (CSU) hatte den Vorsitzenden des Theatersommers, Bernd Matthes, kontaktiert und diesen Vorschlag unterbreitet. Der war sofort angetan. Dem Bezirk als Eigentümer war natürlich daran gelegen, eine sinnvolle Nutzung für das seit Jahren leerstehende Ensemble zu finden - vor allem, um es vor weiterem Verfall zu bewahren. Für eine provisorische Instandsetzung des Mittelgebäudes will er noch Sorge tragen. Das Dach soll in Ordnung gebracht und die Haustechnik - Strom, Wasser, Heizung - in Grundzügen erneuert werden. Dafür sind 200 000 Euro vorgesehen.
Für eine schmucke Sanierung der denkmalgeschützten Bautenwäre freilich eine Millioneninvestition nötig. Doch zunächst gilt es, den Bestand zu sichern und die verschiedenen angemieteten Lagerräume zu ersetzen. "Ich denke, es ist der Politik bewusst, dass wir Begleitung brauchen", sagt der Intendant.
An ihm wird es bestimmt nicht scheitern, den alten Gutshof wieder mit Leben zu erfüllen. Ein Rundgang durch Stallungen und Wohntrakt, über die kleine Anhöhe mit der prächtigen Linde, reicht ihm kaum aus, um all seine Ideen zu schildern. Ein besonderes Anliegen ist ihm eine Zusammenarbeit mit der nahen psychiatrischen Klinik. Theaterpädagogische Workshops bietet die Landesbühne längst an, doch mit kranken Menschen zu arbeiten und sie Theaterspiel als kraftspendende, persönlichkeitsstärkende Betätigung erfahren zu lassen, das wäre eine zusätzliche, schöne Aufgabe, der sich Burdinski widmen möchte. "Für mich schließt sich da ein Kreis", sagt der Regisseur und Schauspieler, der erst in Marburg Medizin studierte, dann aber seine Leidenschaft für das Theater zum Beruf machte. Nun also vielleicht Theater als Therapie in Kutzenberg. Mit dem Ärztlichen Direktor hat er schon gesprochen.


Erste Förderanträge sind gestellt

Der Fränkische Theatersommer möchte sich langfristig für eine grundlegende Sanierung des Gutshofes in Kutzenberg engagieren. Als Erstes hat man den Pferdestall im Blick, wo eine Proben- und Workshop-Bühne angedacht ist. Hierzu wurden bereits Förderanträge gestellt, wie Vorsitzender Dr. Bernd Matthes wissen lässt. Der Theatersommer wolle mehr machen als eine bloße Bestandssicherung, doch das brauche Zeit - und Zuwendungen durch die öffentliche Hand oder Stiftungen. "Kultur braucht Unterstützer", sagt Matthes.
Durch Kündigung der bisherigen Mietverhältnisse könne der Trägerverein des Theatersommers jährlich etwa 25 000 Euro einsparen. Dies diene dazu, vermehrt Eigenmittel zu generieren.
Etwa zwei Drittel der laufenden Theaterkosten können laut Matthes aktuell durch Eintrittsgelder gedeckt werden. Der Vorsitzende des Theatersommers lebt im Raum Kulmbach und war vor seinen Eintritt in den Ruhestand Vizepräsident des Landesamtes für Umwelt.
Eine Auftaktveranstaltung des Fränkischen Theatersommers am neuen Sitz in Kutzenberg (zunächst im Klinik-Festsaal) wird es am 5. August geben. Eine erste Freiluft-Aufführung auf dem Gutshofgelände ist für das nächste Jahr geplant.


Kommentar: "Geschenk und Ansporn"

In Anbetracht eines Geschenks dieser Art ist man geneigt, irgendwo den Haken zu suchen: Will da jemand etwas loswerden, was auch dem Beschenkten bald zur Last werden wird? Die Überlassung des Gutshofes Kutzenberg durch den Bezirk an den Theatersommer muss aber differenziert betrachtet werden. Ja, die Gebäude sind mehr oder weniger marode. Aber als Requisiten-Unterstand taugen sie, und nach oben bleibt ganz viel Luft für kreative Nutzungsmöglichkeiten. Es ist ein Geschenk mit Ansporn: "Macht was draus!" Hoffentlich auch mit dem Nachsatz: Ihr werdet damit nicht allein gelassen!