Die gute Nachricht des Baur-Geschäftsführers Marc Opelt: "Der Einkauf für Schuhe bleibt hier am Standort." Dazu gehören auch Waren wie Taschen und Koffer. Seine Mitarbeiter sind verunsichert. Fünf Stunden dauerte in der vergangenen Woche eine Betriebsversammlung, in der es vor allem um "Fokus" ging. Mit diesem Programm möchten sich Otto, Baur und Schwab, die zur gleichen Gruppe gehören, "robust im Wettbewerb aufstellen", wie es Opelt nennt.

Praktisch wurde die ganze Gruppe in 20 Einzelprojekte unterteilt, von denen etwa zwei Drittel auch Baur betreffen. In jedem einzelnen Projekt möchten die Verantwortlichen prüfen, ob irgendwo die gleiche Arbeit zweimal oder möglicherweise dreimal gemacht wird. Das Ziel ist, diese Funktionen dann nur einmal zentral zu erledigen, beispielsweise die Buchhaltung, die Personalabteilung - oder eben den Einkauf für Schuhe.

In diesem Bereich werden künftig die Einkäufer für Otto, Schwab und Baur in Weismain sitzen. In anderen Bereichen, wie zum Beispiel Möbeleinkauf, wird die zentrale Abteilung anderswo arbeiten - wahrscheinlich in Hamburg.

Opelt gibt sich sicher, dass noch weitere Bereiche bei Baur angesiedelt werden könnten. Die Verhandlungen möchte er bis Ende Februar abgeschlossen haben. Dabei lobt er insbesondere die positive und konstruktive Mitarbeit des Betriebsrates.


Mehr aufs Internetgeschäft setzen


Gewerkschaftssekretär Dominik Datz von Verdi sieht dies aus einem anderen Blickwinkel. Er sieht die Arbeitnehmer darin schwach vertreten. Als Beispiel nennt er den Sozialplan für die Beschäftigten der Baur-Kaufwelt. Dort hätte der Betriebsrat freiwillig geringere Abfindungen gefordert als üblich seien.

Opelt wirbt indes für sein Projekt "Fokus". Er nennt den Markt als die treibende Kraft, die Veränderungen notwendig mache. "Wenn 80 Prozent des Wachstums im Bereich E-Commerce allein auf den Wettbewerber Amazon entfallen, müssen wir handeln. Wir wollen ein größeres Stück von diesem Kuchen." Das ginge nur, wenn alle Bereiche der Otto-Group optimal aufgestellt sind.

Die Angst seiner Mitarbeiter versteht er. "Wir versuchen, den Prozess so transparent wie möglich zu gestalten. Ich bin sicher, wir werden am Ende weniger als die als Maximalzahl genannten 210 Stellen verlieren." Er möchte den Mitarbeitern wenigstens zuhören. Auch Pressesprecher Jörg Hoepfner beobachtet die Angst: "Ich sehe Mitarbeiter und weiß genau, die haben nachts nicht geschlafen."


Opelt wechselt nach Hamburg


Dass in Hamburg möglicherweise leichter eine neue Stelle zu finden ist, als in Oberfranken, weiß Opelt, der 2005 als Geschäftsführer zu Baur kam. "Ich stecke doch auch emotional mittendrin. Die meisten hier kenne ich persönlich - mit denen haben wir das Schiff hier gewendet." Er wischt sich eine Träne aus den Augen.

Er wird im April Oberfranken verlassen und als Bereichsvorstand für Marke, Service und E-Commerce nach Hamburg wechseln. Für Baur sieht er auch Vorteile in seinem eigenen Karriereschritt: "Was Baur aus Hamburg braucht, wird Baur bekommen. Dafür werde ich sorgen."

Mit dem Aus von Quelle oder Neckermann vor Augen sagt er: "Um gegen die Googles dieser Welt zu bestehen, dafür brauche ich Kampfgewicht." Das soll "Fokus" der Gruppe bringen. Um "auch mal zwei oder drei schwächere Saisons zu überstehen", werden konzernweit bis zu 700 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Bei Baur schwebt weiter die Zahl 210 als Maximum im Raum - zusätzlich zu denen, die mit der Schließung der Kaufwelt ihren Job verlieren.